Real gegen United: Die spektakulärsten Partien
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Obwohl es sich bei Real Madrid und Manchester United um zwei Titanen des europäischen Fussballs handelt, sind die beiden Teams vor ihrer Begegnung im Achtelfinale der UEFA Champions League erst acht Mal gegeneinander angetreten.

Allerdings waren vier dieser Begegnungen wahre Klassiker, womit wieder einmal die These untermauert wird, dass Qualität über Quantität geht. FIFA.com wirft einen Blick zurück auf diese historischen Europapokalspiele.

Real MadridManchester United 3:1 – Halbfinal-Hinspiel, 11. April 1957 (Gesamtergebnis: 5:3)
Vor Uniteds erster Reise aufs europäische Festland hatte der von Matt Busby trainierte englische Meister mit seiner beeindruckenden Spielweise die Herzen vieler Fussballfans erobert. Gegen den amtierenden Europapokalsieger musste der Klub jedoch eine harte Lektion lernen und sich am Ende mit 1:3 geschlagen geben.

Die englische Zeitung The Times lobte Reals unterhaltsamen "wirbelnden" Angriff und verglich die Spielweise der Spanier mit "einem stolzen, manchmal gar arroganten Pfau, der ein Rad schlägt".

Der Offensivabteilung mit Francisco Gento, Héctor Rial, Alfredo Di Stefano, Enrique Mateos und Raymond Kopa hatte United einfach nicht genug entgegenzusetzen, obwohl man dank der Rettungstaten von Jack Blanchflower, Roger Byrne, Duncan Edwards und vor allem von Torhüter Ray Wood eine Stunde lang ohne Gegentor blieb.

Manchester hatte auch seine Chancen, aber Real machte mächtig Druck, und das sollte sich nach einer gelungenen Hereingabe von Gento schließlich auszahlen, die der am langen Pfosten postierte Rial per Flugkopfball in die Maschen bugsierte.

Di Stefano spielte an diesem Abend, als stamme er "von einem anderen Planeten". Er war im vorderen Spielfelddrittel überall und nirgends zu finden und einfach übermächtig. Er war es auch, der schließlich zum 2:0 einnetzte und Wood dabei keine Chance ließ. Nach einem mächtigen Gerangel vor dem Tor gelang Tayler dann der Anschlusstreffer.

Später sorgte Enrique Matos allerdings dafür, dass 125.000 Zuschauer glücklich nach Hause gingen. Nach einem schönen Schlenzer von Kopa stellte er den Zwei-Tore-Vorsprung der Königlichen aus gut fünf Metern Entfernung wieder her. Im Rückspiel führte Real bereits nach einer halben Stunde mit 2:0. United konnte zwar am Ende noch ausgleichen, aber letztendlich war das Duell bereits im Bernabeu entschieden worden.

Real MadridManchester United 3:3 – Halbfinal-Rückspiel, 15. Mai 1968 (Gesamtergebnis: 3:4)
Dank eines Treffers von George Best hatte Manchester das Hinspiel mit 1:0 für sich entschieden und war damit nach vier Versuchen ganz nah dran am ersten Europapokal-Finale. Gegen Real Madrid konnte man sich seiner Sache jedoch nie sicher sein, wie das Rückspiel zeigen sollte.

Zunächst sah alles danach aus, als sollte die Partie einen ähnlichen Verlauf nehmen wie elf Jahre zuvor. Eine Angriffswelle nach der anderen rollte auf das Tor der Red Devils zu, die tapfer verteidigten, bis der Damm nach 32 Minuten schließlich brach. Nach einem von Amancio ausgeführten Freistoß versenkte Pirri das Leder per Kopf im Tor und sorgte damit für ausgeglichene Verhältnisse. Später erhöhte Gento nach einem Abwehrfehler auf 2:0 und brachte sein Team damit in Führung.

Ignacio Zoco sorgte dann mit einem Eigentor kurzfristig für den Ausgleich, aber noch vor der Halbzeitpause war Amancio mit einem Schuss aus 16 Metern erfolgreich und brachte die Gastgeber damit in der Gesamtwertung erneut in Führung. Real wirkte selbstbewusst, die Fans jubelten bereits, aber das sollte sich bald ändern.

Zunächst sorgte David Sadler nach einem von Paddy Crerand verlängerten Ball für den Ausgleich. Dann hatte George Best einen seiner Glanzmomente und katapultierte United damit ins Finale. Zwölf Minuten vor Schluss stürmte er über die rechte Flanke in den Strafraum, hebelte zwei Verteidiger aus und legte den Ball schließlich zurück auf Bill Foulkes, der keine Probleme hatte, die Kugel im Tor unterzubringen. Real warf anschließend noch einmal alles nach vorn, aber Manchester ließ sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen.

In der spanischen Zeitung Ya hieß es anschließend: "Die Engländer haben das Unentschieden nicht verdient, aber Madrids Verteidigung hat sie ins Finale katapultiert." In The Times wurde die Partie im Bernabeu als "riskante und bemerkenswerte Reise" für United beschrieben. Der Klub sollte am Ende auch das Finale gegen Benfica Lissabon im Wembley-Stadion für sich entscheiden und holte sich zum ersten Mal die europäische Krone.

Manchester UnitedReal Madrid 2:3 – Viertelfinal-Rückspiel, 19. April 2000 (Gesamtergebnis: 2:3)
Nach einem torlosen Remis in Madrid musste United beim Rückspiel in Manchester die Abwehr dicht halten, aber dann versenkte Roy Keane den Ball in der 21. Minute im eigenen Netz und brachte die Fans im altehrwürdigen Old-Trafford-Stadion zum Schweigen. So wurde das Ganze für die Red Devils ein Wettlauf mit der Zeit.

Der amtierende Titelträger der UEFA Champions League musste alles nach vorn werfen, aber ein junger, ehrgeiziger Torhüter namens Iker Casillas ließ einfach keinen Treffer zu. "Das war für einen 18-Jährigen nicht normal", meinte Sir Alex Ferguson nach der Partie.

Die Heimmannschaft kam nach der Pause entschlossen aus der Kabine und drängte voller Enthusiasmus auf den Ausgleich. Dieser Ansatz, den der damalige Real Trainer Vicente del Bosque später als "taktische Anarchie" beschrieb, sollte dem Team jedoch zum Verhängnis werden.

Uniteds Abwehr zeigte Auflösungserscheinungen und wurde zunächst von Raúl überwunden, der mit einem schön hereingedrehten Schuss erfolgreich war. Etwas später machte der Spanier nach schöner Vorarbeit von Redondo den Doppelpack perfekt. Redondo hatte Henning Berg auf der Flanke mit einem sehenswerten Hackentrick aussteigen lassen.

David Beckham brachte sein Team dann wieder ins Spiel. Er ließ drei Gegenspieler stehen und hämmerte die Kugel ins obere Toreck. Paul Scholes verwandelte kurz vor Schluss noch einen Elfmeter, aber am Ende sollte es beim 2:3 bleiben.

Ferguson räumte im Nachhinein ein, dass man die Sache falsch angegangen war. "Das Rückspiel im Old Trafford war ein entscheidender Augenblick für mich, denn wir wären weitergekommen, wenn wir mehr Geduld gehabt hätten", erklärte der erfahrene Schotte. "Stattdessen haben wir nach dem Gegentreffer zum 0:1 auf Angriff gesetzt und wurden ausgekontert."

Manchester UnitedReal Madrid 4:3 – Viertelfinal-Rückspiel, 23. April 2003 (Gesamtergebnis: 5:6)

Die Red Devils wollten bei dieser Auflage unbedingt ins Finale einziehen, das einen Monat später in Manchester stattfinden sollte. Seit der letzten Begegnung der beiden Teams waren mit Luis Figo, Zinedine Zidane und Ronaldo gleich drei FIFA Weltfussballer des Jahres nach Madrid gewechselt. Entscheidend war jedoch Raúls Doppelpack im Hinspiel.

"Du kannst hervorragende Spieler wie Figo, Zidane und Ronaldo kaufen, aber der beste Spieler der Welt ist im Augenblick Raúl", so Ferguson im Anschluss an die Partie. "Manchmal hypnotisieren sie einen regelrecht mit ihrer Ballkontrolle und ihrem Passspiel."

In beiden Partien brachte Zidane eine hervorragende Leistung für den Titelverteidiger, aber am Ende war es die Abschlussstärke Ronaldos, die Uniteds Hoffnungen auf ein Finale vor heimischem Publikum zunichte machte. Den Anfang machte er mit einem Flachschuss, mit dem er Fabien Barthez am kurzen Pfosten überwand.

Ruud van Nistelrooij erzielte noch vor der Pause den Ausgleichstreffer, aber als der Gewinner des Goldenen Schuhs der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ 2002 nach einem beeindruckenden Konter von Real erneut zum Abschluss kam, schien für United alles verloren zu sein. Kurze Zeit später versenkte Iván Helguera den Ball im eigenen Netz, aber Ronaldo machte mit einem Gewaltschuss aus fast 25 Metern alles klar und katapultierte sein Team ins Halbfinale. Dieser Auftritt gehörte wohl zu den besten, die er im Trikot der Königlichen hatte.

Vor dem Ende der Partie, bei der Heim- und Gästefans den Teams stehende Ovationen bereiteten, erzielte David Beckham noch zwei weitere Tore und drehte die Partie damit zum 4:3. Aber der Star des Abends war zweifellos Ronaldo.

"Wenn man zu Hause vier Tore erzielt, dann würde man eigentlich schon erwarten, dass das zum Einzug in die nächste Runde reicht. Aber für jemanden wie Ronaldo gelten keinerlei Gesetze", so Ferguson. "Es war ein Vergnügen, bei einem solchen Spiel dabei sein zu dürfen. Wir hatten den besten Schiedsrichter [Pierluigi Collina], und das war in dieser Saison das beste Spiel in Europa. Hier wurde unglaublich einfallsreicher Fussball geboten. Die Leute werden noch lange darüber reden."