DFB-Elf gegen "Les Bleus": Immer ein Hühnchen zu rupfen!
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Freundschaft. Mit diesem einen schönen Wort lässt sich beschreiben, was über Jahrzehnte zwischen Frankreich und Deutschland gewachsen ist. Wenn es jedoch ein unbeugsames Dorf außerhalb von Politik, Bildung und Diplomatie gibt, das sich dieser Freundschaft entzieht, dann ist es wohl der Fussball. Die Nationalmannschaften beider Länder verbindet eine lange, leidenschaftliche Rivalität. So kommt es, dass es am heutigen 6. Februar im Stade de France zwar offiziell ein "Freundschaftsspiel" gibt, es inoffiziell jedoch um viel mehr geht als um einen geschmeidigen Test zum Aufgalopp in das Länderspieljahr: Die epische Fabel Der Gallische Hahn und der Bundesadler bekommt eine weitere Fortsetzung!

Da es obendrein das 25. Länderspiel zwischen diesen beiden Mannschaften ist, wirft FIFA.com noch einmal einen Blick zurück auf die prägenden Momente dieses europäischen Derbys. Was dabei zunächst überraschen mag: Rein statistisch haben die Franzosen die Nase vorn. Elf Siege stehen für sie zu Buche. Nur derer sieben sind es hingegen für Deutschland (bei sechs Unentschieden). Im Gedächtnis geblieben sind jedoch vor allem die dramatischen Begegnungen mit dem besseren Ende für Deutschland, weswegen die DFB-Elf von vielen spontan in der Bilanz für führend gehalten wird.

15. März 1931: FrankreichDeutschland 1:0
Auch wenn der DFB bereits 1908 gegründet wurde und der französische Fussballverband FFF 1919, dauerte es doch bis 1931, ehe es zum ersten Länderspiel zwischen den beiden Nachbarn kam. Die Begegnung fand vor 40.000 Zuschauern im französischen Colombes statt. Allein 15.000 Gästefans begleiteten die deutsche Mannschaft, die Stimmung war großartig. Am Ende siegten Frankreichs Bleus, doch das Schicksal wollte es, dass ein Eigentor dieses erste von vielen Spitzenspielen entschied. Unglücksrabe Reinhold Münzenberg traf ins eigene Netz. Es sollte das einzige Tor der Begegnung bleiben. Dabei war Münzenberg – zweimaliger Teilnehmer an der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ – eigentlich einer der besten Verteidiger seiner Zeit. Das Malheur gegen Frankreich blieb dem gelernten Architekten stets in schmerzhafter Erinnerung, einen kleinen Trost sollte es für ihn jedoch noch geben. Münzenberg starb nämlich 1986, nachdem er wenige Stunden zuvor den Erfolg der deutschen Nationalmannschaft gegen Frankreich bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Mexiko 1986™ gesehen hatte.

21. März 1937: DeutschlandFrankreich 4:0
Sechs Jahre später hatte sich die Stimmung grundlegend gewandelt. Nach einem zwischenzeitlichen Remis in Deutschland (3:3 am 19. März 1933) und einem ersten deutschen Erfolg (3:1 am 17. März 1935) warfen düstere Zeiten ihre Schatten voraus. Deutschland empfing Frankreich im Adolf-Hitler-Stadion zu Stuttgart; die politische Atmosphäre war angespannt und kündete bereits vom nahenden Krieg. Die Begegnung wurde für Frankreich, besonders aber für dessen dunkelhäutigen Verteidiger Raoul Diagne, zum Alptraum. Denn noch mehr als die vier Gegentore dürften den Abwehrspieler mit senegalesischen Wurzeln die Schmähungen von den Tribünen traumatisiert haben. In dieser beklemmenden und menschenverachtenden Atmosphäre wurde jedoch auch das Bild einer deutschen Nationalmannschaft geprägt, das lange Jahre ins kollektive Gedächtnis der Franzosen eingebrannt war: das einer kampfstarken, effizienten und nüchternen Elf. Letztlich waren es auch diese Qualitäten, die der Bundesrepublik Deutschland nach der Teilung des Landes den Titel bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1954™ bescherten.

16. Oktober 1954: Bundesrepublik DeutschlandFrankreich 1:3
Der frischgebackene Weltmeister bat in Hannover zum Stelldichein mit Frankreich. Es fehlten allerdings zahlreiche Stammkräfte, darunter der legendäre Fritz Walter. Die große Attraktion spielte daher bei den Gästen in Gestalt des 40-jährigen Larbi Ben Barek, der nach sechs Jahren erstmals wieder in die Equipe Tricolore berufen worden war. Doch der Routinier verletzte sich früh und musste durch Jacques Foix ersetzt werden. Für den Einwechselspieler, der es auf insgesamt drei Tore in sieben Länderspielen brachte, war dieser Umstand ein Glücksfall. Er schnürte an diesem Tag nämlich einen Doppepack.

28. Juni 1958: Frankreich – Bundesrepublik Deutschland 6:3
Das "kleine Finale" der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Schweden 1958™ war tatsächlich die erste Begegnung der beiden Mannschaften in einem offiziellen Wettbewerb. Der Titelverteidiger musste sich im Halbfinale gegen die skandinavischen Gastgeber geschlagen geben. Bei den Deutschen saßen Stars wie Uwe Seeler und Fritz Walter sowie Stammtorwart Fritz Herkenrath auf der Bank, und sie trafen auf einen Just Fontaine in Galaform, der vier seiner 13 Tore zum bis heute bestehenden WM-Endrunden-Rekord an diesem Tag erzielte. Zuvor jedoch hatte sich Justo für die französischen Ersatzspieler eingesetzt und gefordert, sie sollten mindestens ein Turnierspiel bestreiten dürfen, auch wenn das für ihn selbst einen Platz auf der Bank bedeutet hätte. Der damalige Nationaltrainer Paul Nicolas lehnte dieses Ansinnen jedoch ab. "Das kommt überhaupt nicht in Frage. Wir laufen mit der bestmöglichen Mannschaft auf, denn ich darf sie daran erinnern", so Nicolas, " das nur die ersten Drei in die Geschichte eingehen." Just Fontaine ist in der Tat in die Geschichte eingegangen – als Rekordtorschütze in einem WM-Turnier.

27. September 1967: Bundesrepublik DeutschlandFrankreich 5:1
Deutschland hatte das WM-Endspiel in England im Vorjahr verloren, galt aber dennoch als großer Favorit. Frankreich war bei selbigem Turnier bereits in der Vorrunde sieglos ausgeschieden und sah den Abstand zu einer herausragenden Spielergeneration des Nachbarlands (mit Franz Beckenbauer, Sepp Maier, Wolfgang Overath und Gerd Müller) wachsen. Der Bomber der Nation steuerte an diesem Tag in Berlin das vierte Tor zum Kantersieg der Gastgeber bei. Über ein Jahrzehnt sollte Deutschland Frankreich danach im Fussball enteilen. Die DFB-Elf gewann die UEFA EURO 1980 und besiegte noch im selben Jahr Frankreich deutlich mit 4:1. Die Protagonisten dieser Tage hießen Harald Schumacher, Manfred Kaltz, Karl Heinz Förster, Hans Peter Briegel und Horst Hrubesch auf der einen, und Michel Platini, Jean Tigana und Marius Trésor auf der anderen Seite.

8. Juli 1982: Bundesrepublik DeutschlandFrankreich 3:3 n.V. (5:4 n.E.)
Diese Herren standen sich schließlich auch im Halbfinale der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ 1982 in Spanien gegenüber. Es sollte ein legendäres Spiel werden. Pierre Littbarski und Platini trafen in der regulären Spielzeit, Alain Giresse und Trésor schienen den Gallischen Hahn dann in der Verlängerung triumphieren und erstmals ins Endspiel einziehen zu lassen, und Karl-Heinz Rummenigge und Klaus Fischer sorgten am Ende dann doch noch für einen Höhenflug des Bundesadlers. Auch deshalb tat Gary Lineker später womöglich den Ausspruch: "Fussball ist ein Spiel Elf gegen Elf, und am Ende gewinnen die Deutschen." Deutschland zog ins Finale ein. Überschattet wurde das Spiel indes von der schweren Verletzung Patrick Battistons, der nach einem rüden Einsteigen von Schumacher ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Der deutsche Schlussmann hat sich dafür später entschuldigt. Was bleibt, ist die denkwürdige Zusammenfassung von Maxime Bossis, der den letzten französischen Elfmeter verschoss: "Wer dieses Spiel nicht gesehen hat, hat noch nie ein Fussballspiel gesehen. Wer dieses Spiel nicht gesehen hat, hat noch nie ein WM-Spiel gesehen ..."

25. Juni 1986: Frankreich – Bundesrepublik Deutschland 0:2
Viel ist seitdem geschrieben worden über die Neuauflage des Duells vier Jahre später, just wieder in der Vorschlussrunde. Auf französischer Seite fieberte ein ganzes Land dem Spiel entgegen, das die Schmach von Sevilla auslöschen sollte, zumal die Equipe Tricolore im Viertelfinale einen sensationellen Auftritt hingelegt hatte. Doch die Bleus hatten dabei zu viel Kraft gelassen und mussten sich einer überlegenen deutschen Mannschaft beugen, die durch Tore von Andreas Brehme und Rudi Völler souverän gewann. Aus der Revanche wurde nichts. Bis 1998 wurde es für Frankreich sogar überhaupt nichts mehr mit einer WM-Teilnahme. Deutschland verlor derweil das zweite Endspiel in Folge (in Mexiko), ehe vier Jahre darauf der dritte Titelgewinn glückte.

15. November 2003: DeutschlandFrankreich 0:3
Frankreich ist mittlerweile Freundschaftsspiel-Weltmeister. Seit 1987 ist die Mannschaft gegen den Lieblingsgegner aus dem Nachbarland jetzt unbesiegt. Ein ganz großer Wurf gelang dabei 2003 in Gelsenkirchen gegen den amtierenden Vizeweltmeister. Thierry Henry erzielte die Führung per Kopf nach perfekter Flanke von Bixente Lizarazu. Henry, damals auf dem Höhepunkt seines Könnens, enteilte danach auf links der gesamten deutschen Abwehr und legte auf für David Trezeguet, der keine Mühe mehr hatte, das 2:0 zu schießen. Trezeguet setzte nach Pass von Zinedine Zidane schließlich auch den Schlusspunkt unter eine regelrechte Lehrstunde.

6. Februar 2013: FrankreichDeutschland
Und jetzt sind Sie dran! Wer gewinnt das 25. Aufeinandertreffen? Bleibt Frankreich weiter ungeschlagen? Oder gelingt Deutschland die Revanche für das 1:2 vom Februar 2012? Wer wird Spieler des Spiels? Wie lautet Ihre Prognose? Klicken Sie auf "Kommentar hinzufügen" und schreiben Sie uns Ihre Meinung.