In der Geschichte des FIFA-Weltpokals ™ gibt es viele Spiele, an die Fussballfans sich auch nach Jahrzehnten mit leuchtenden Augen erinnern. Eines der besten und schönsten Spiele aller Zeiten ist ohne Zweifel die Halbfinalbegegnung 1982 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich.

Eleganz trifft auf Kampfgeist
Angeführt von Mannschaftskapitän Manfred Kaltz startet die Bundesrepublik in den ersten Minuten verhalten in das Spiel. Während die technisch starken Franzosen um ihren Kapitän Michel Platini den Ball immer wieder geschickt durch die eigenen Reihen vor das Tor von Toni Schumacher bringen, versucht das deutsche Team mit Kampf und Einsatz zum Erfolg zu kommen. Es wirkt, besonders nach nunmehr 20 Jahren die vergangen sind, wie das Duell zweier Philosophien: Frankreichs Eleganz und Spielwitz trifft auf Deutschlands Kampfgeist, Siegeswillen und Entschlossenheit.

Littbarski bringt Deutschland in Führung
Nach einer Viertelstunde beiderseitigen Abtastens setzt dann Pierre Littbarski ein erstes Signal, als sein Freistoss aus knapp 17 Metern am Pfosten der Franzosen landet. Littbarski war es dann auch, der Deutschland in der 18. Minute mit 1:0 in Führung brachte. Mit einem herrlichen Volleyschuss aus ca. 22 Metern liess er dem französischen Torwart Jean-Luc Ettori keine Chance. Vorausgegangen war ein Angriff von Klaus Fischer, dessen Schussversuch Ettori gerade noch abwehren kann. Der Abpraller landet direkt auf dem Fuss von Littbarski, der ohne zu zögern abzieht.

Nach dem Führungstreffer für Deutschland verstärkt Frankreich den Druck und taucht immer öfter gefährlich vor dem Tor von Toni Schumacher auf. Michel Platini, Dominique Rocheteau und Alain Giresse sorgen dafür, dass die Abwehr um Uli Stielike sich ein ums andere Mal auszeichnen muss. In der 26. Minute wird Rocheteau innerhalb des Strafraums zu Fall gebracht, und Platini verwandelt den fälligen Elfmeter zum 1:1-Ausgleich. Platziert versenkt er den Ball in die linke untere Ecke, ohne Schumacher eine Chance zu lassen.

Schumacher trifft Battiston
Mit 1:1 geht es vor 70.000 Zuschauern im Stadion von Sevilla in die Halbzeitpause, und auch nach dem Wiederanpfiff bestimmen zunächst die Franzosen das Geschehen auf dem Platz. Unrühmlicher Höhepunkt der zweiten 45 Minuten ist die Kollision von Toni Schumacher und dem 10 Minuten zuvor eingewechselten Battiston. Nach einem Zuspiel von Platini läuft Battiston allein auf Schumacher zu, der ihm aus seinem Kasten entgegensprintet. Beide springen hoch, und Schumacher trifft den Franzosen aus vollem Lauf. Benommen bleibt Battiston am Boden liegen. Noch während die Betreuer sich um den Bewusstlosen kümmern, spielt Schumacher sich am Rande des Strafraums warm - direkt vor den französischen Fans. Als zudem Schiedsrichter Charles Corver aus den Niederlanden weder einen Freistoss gibt noch Schumacher verwarnt, reagieren die französischen Fans. Jeder Ballkontakt Schumachers wird von nun an von einem gellenden Pfeifkonzert der Zuschauer begleitet.

In der verbleibenden Spielzeit bis zum Ende der regulären 90 Minuten wird das Spiel phasenweise sehr hektisch. Frankreich stürmt wieder und wieder in die deutsche Hälfte, und das Team von Bundestrainer Jupp Derwall weiss sich oft nur mit rustikalem Tackling und Foulspiel zu behelfen. Manuel Amoros hat In der 83. Minute den Treffer zum 2:1 für Frankreich auf dem Fuss, doch sein Distanzschuss landet nur an der Latte. Die letzte Szene der zweiten Halbzeit gehört dann wieder dem französischen Keeper, der gegen Breitner klären kann und auch den herbeistürmenden Förster am Torschuss hindert.

Das Spiel geht in die Verlängerung
Nach 90 Minuten steht es immer noch 1:1, und das Spiel geht in die Verlängerung. Marius Tresor bringt Frankreich mit einem sehenswerten Volley aus elf Metern nach nur 2. Minuten in der ersten Hälfte der Verlängerung mit 2:1 in Führung. Einen von rechts in den Strafraum gespielten Freistoss verwandelt er direkt und lässt Toni Schumacher keine Chance. Jupp Derwall reagiert. Deutschlands Trainer bringt für Hans Peter Briegel, der an diesem Tag ein enormes läuferisches Pensum geleistet hat, mit Karl Heinz Rummenigge einen weiteren offensiven Mann.

Frankreich macht nach dem Führungstreffer noch mehr Druck, will die Entscheidung. Sieben Minuten nach der Führung durch Tresor erzielt Alain Giresse aus 16 Metern Entfernung das 3:1 - Deutschland scheint geschlagen zu sein. Im direkten Gegenzug erzielt Klaus Fischer den Anschlusstreffer für die deutsche Nationalmannschaft - der Schiedsrichter erkennt jedoch auf Abseits, es steht weiterhin 3:1. Das Spiel wird hektischer, und kurz vor dem Ende der ersten Hälfte der Verlängerung erzielt der eingewechselte Rummenigge nach 102 Minuten das 2:3.

Nach dem erneuten Seitenwechsel ist es Klaus Fischer, der in der 108. Minute mit einem wunderschönen Fallrückzieher zum 3:3 den kaum noch für möglich gehaltenen Ausgleich erzielt. Nach einem Zwei-Tor-Rückstand hat Deutschland die Niederlage noch abwenden können, und das Elfmeterschiessen muss entscheiden.

Die Entscheidung im Elfmeterschießen
Alain Giresse tritt als erster an, und bringt vor dem deutschen Fanblock mit seinem Schuss in die rechte untere Ecke Frankreich mit 1:0 in Führung. Deutschlands Mannschaftskapitän Manfred Kaltz gleicht zum 1:1 aus - bei beiden Treffern waren die Torhüter chancenlos. Nachdem Amoros, Breitner und Rocheteau jeweils trafen, scheitert Uli Stielike an Ettori. Fassungslos sinkt er zu Boden und lässt sich von seinen Mannschaftskameraden trösten.

Doch auch die Franzosen zeigen Nerven, und Six kann den Ball nicht an Schumacher vorbei ins Tor bringen. Littbarski, Platini und Rummenigge verwandeln ebenfalls ihre Elfmeter, bevor Bossis als letztes Franzose antritt. Schumacher ahnt die Richtung des Balls voraus. Er springt in die rechte Ecke und wehrt den flach geschossenen Ball ab - Deutschland fehlt nur noch ein Tor zum Finale.

Horst Hrubesch, im Team der Deutschen mehr für seine kraftvollen Kopfballtore bekannt, geht als letzter Schütze für Deutschland an den Elfmeterpunkt. Er verlädt Ettori und erzielt den entscheidenden Treffer zum 5-4. Sein Tor bringt Deutschland in das Endspiel um den FIFA-Weltpokal 1982.

Michel Platini und sein Team trauern
Während das siegreiche Team aus Deutschland den Triumph feiert, sind die Franzosen am Boden zerstört. Weinend beginnen sie zu realisieren, dass sie ein schon fast gewonnenes Match doch noch verloren haben. Platini und Co. gehen gesenkten Hauptes vom Platz, können und wollen diese Niederlage nicht wahrhaben.
Ihr eleganter und technisch brillanter Fussball hat an diesem Tag nicht ausgereicht, um den Einzug in das Finale zu schaffen. Deutschland hat mit seinem legendären, auf Kampf und Einsatz ausgerichteten Spiel zum vierten Mal den Einzug the in das Endspiel geschafft.