Seit ihrer Gründung im Jahr 1904 standen acht Präsidenten an der Spitze der FIFA. Vom Franzosen Robert Guérin über Jules Rimet, den geistigen Vater des FIFA-Weltpokals™, bis zum amtierenden Präsidenten Joseph S. Blatter hat jeder Präsident seinen Teil dazu beigetragen, die beliebteste Sportart der Welt noch stärker in den Mittelpunkt zu rücken.
Robert Guérin, Frankreich (1904-1906)
Geboren 1876, verstorben 1952
Der Franzose Robert Guérin war die treibende Kraft
hinter der FIFA-Gründung im Jahr 1904. Der Journalist der Zeitung
"Le Matin" hatte durch seine Aufgabe als Geschäftsführer
der Fussballabteilung des französischen Sportverbandes "Union
Française des Sociétés des Sports Athlétiques" bereits erste
aktive Erfahrung mit dem Fussballsport gesammelt. Er brachte die
ersten sieben Gründungsmitglieder zur Unterzeichnung des
Gründungsvertrags und der ersten Satzung der FIFA in Paris an einem
Tisch zusammen. Am 23. Mai 1904 wurde Guérin durch den ersten
FIFA-Kongress zum Präsidenten gewählt - einen Posten, den er zwei
Jahre lang bekleidete. In diesem Zeitraum wurden weitere acht
Nationen in die FIFA-Familie aufgenommen, darunter auch der
englische Fussballverband.
Daniel Burley Woolfall, England (1906-1918)
Geboren 1852, verstorben 1918
Als Funktionär des englischen Fussballverbandes
hatte sich Daniel Burley Woolfall während seiner Amtszeit an der
Spitze der FIFA zum Ziel gesetzt, auf internationaler Ebene
einheitliche Regeln einzuführen. Unter Woolfall wurden Spielregeln
nach dem englischen Modell verbindlich eingeführt und feste
Definitionen für Länderspiele vereinbart. Woolfall hatte ebenfalls
großen Anteil an der Organisation des ersten nennenswerten
internationalen Fussballturniers während der Olympischen Spiele
1908 in London. Unter seiner Ägide wurden mit Südafrika,
Argentinien, Chile und den USA die ersten nichteuropäischen
Mitglieder aufgenommen. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges setzte
dieser Entwicklung aber erst einmal ein Ende. Woolfalls
Präsidentschaft endete 1918 mit seinem Tod.
Jules Rimet, Frankreich (1921-54)
(am 21. Juni 1954 zum Ehrenpräsidenten der FIFA ernannt)
Geboren 1873, verstorben 1956
Die Tatsache, dass der FIFA-WM-Pokal zu Ehren Jules
Rimets umbenannt wurde, zeugt von den Verdiensten des Franzosen,
der 1946 sein 25-jähriges Jubiläum an der Spitze des Weltverbands
feierte und das Turnier ins Leben rief, das zum größten
Sportereignis der Welt avancieren sollte. Vom Erfolg des
Olympischen Fussballturniers fasziniert war Rimet die treibende
Kraft bei der Einführung des Weltpokals im Jahr 1930. Im Juni 1954
überreichte er "seine" Trophäe ein letztes Mal, nämlich
an Fritz Walter. Noch im selben Monat endete die Amtszeit des
ersten Ehrenpräsidenten der FIFA im Alter von 80 Jahren. In diesem
Zeitraum war die FIFA-Familie von 20 auf 85 Nationen
angewachsen.
Rodolphe William Seeldrayers, Belgien (1954-1955)
Geboren 1876, verstorben 1955
Rodolphe William Seeldrayers war ein angesehener Sportler,
der den belgischen Fussballverband mitbegründet hat und
anschließend im Bereich des Sportjournalismus und im
Verwaltungsapparat tätig war. Bevor er das Amt von Jules Rimet
übernahm, hatte er bereits über 25 Jahre lang als Vize-Präsident
der FIFA wertvolle Erfahrungen sammeln können. Seeldrayers feierte
1954 noch das 50-jährige Jubiläum des Weltverbandes, bevor er im
folgenden Jahr während seiner Amtszeit verstarb.
Arthur Drewry, England (1955-1961)
Geboren 1891, verstorben 1961
Nach dem Tod von Rodolphe William Seeldrayers übernahm Arthur
Drewry für die folgenden sechs Monate als Interimspräsident die
Leitung der FIFA. Im Juni 1956 wurde er schließlich offiziell zum
neuen FIFA-Präsidenten gewählt. Zusammen mit Stanley Rous hat er
die Bemühungen von Jules Rimet weitergeführt, die britischen
Verbände nach 1946 wieder in die FIFA einzugliedern. Ferner war er
Ligavorsitzender in England und Präsident des englischen
Fussballverbandes. In die fast fünf Jahre seiner Amtszeit (von
seiner Wahl im Juni 1956 bis zu seinem Tod im März 1961 im Alter
von 70 Jahren) fiel unter anderem der FIFA-Weltpokal™ 1958 in
Schweden.
Stanley Rous, England (1961-1974)
Geboren 1895, verstorben 1986
(am 11. Juni 1974 zum Ehrenpräsidenten der FIFA
ernannt)
Stanley Rous hatte bereits vor seinem Wirken in der FIFA
sowohl auf dem Platz als auch außerhalb des Spielfeldes viel für
den Fussball getan. Als erfahrener Schiedsrichter pfiff er das
Endspiel um den englischen FA Cup sowie insgesamt 36 Länderspiele
Als Geschäftsführer des englischen Fussballverbandes trug er
entscheidend dazu bei, die Spielregeln 1938 umzuschreiben, während
seine ruhige diplomatische Herangehensweise für die britischen
Nationen 1946 den Weg zurück in die FIFA ebnete. Rous wurde der
dritte englische Präsident der FIFA, als er 1961 die Zügel in die
Hand nahm. Während seiner Amtszeit wurde der FIFA-Weltpokal™ zu
einem großen internationalen TV-Ereignis - insbesondere mit der
Endrunde 1970 in Mexiko, die zum ersten Mal weltweit in Farbe zu
sehen war. Vier Jahre zuvor hatte er erleben können, wie die
englische Nationalelf vor heimischer Kulisse zum ersten Mal die
WM-Krone gewann.
João Havelange, Brasilien (1974-1998)
(am 8. Juni 1998 zum Ehrenpräsidenten der FIFA ernannt)
Geboren 1916
Die 24-jährige Amtszeit von Dr. João Havelange ist
von einem starken Umbruch innerhalb der FIFA geprägt. Insbesondere
gilt dies für die Aufstockung und Vermarktung des FIFA-Weltpokal
™-Turniers von 16 über 24 auf insgesamt 32 Mannschaften im Jahr
1998. Der ehemalige Olympiaschwimmer und Wasserpolospieler
Havelange hat es vor allem vermocht, durch Entwicklungsprogramme
den Fussball zu einer universellen Sportart zu machen. Darüber
hinaus konnte die WM-Beteiligung von Teams aus Asien, Afrika und
der CONCACAF-Zone, die bis 1974 nur einen Startplatz bei der
Endrunde hatten, deutlich gesteigert werden. Der FIFA-Hauptsitz in
Zürich zählte bei seiner Amtsübernahme gerade einmal 12 feste
Mitarbeiter. Unter Havelange stieg die Zahl um das Zehnfache, da
die organisatorische Verantwortung und die kommerziellen Interessen
zunahmen. Dies lag nicht zuletzt in den neuen Turnieren begründet -
insbesondere die U-17 und U-20-Wettbewerbe in den späten
80er-Jahren sowie dem FIFA-Konföderationen-Pokal und der
FIFA-Frauenfussball-Weltmeisterschaft Anfang der neunziger
Jahre.
Joseph S. Blatter, Schweiz (1998 - heute)
Geboren 1936
Joseph S. Blatter war bereits 23 Jahre lang in Diensten der
FIFA, als er am 8. Juni 1998 zum Präsidenten gewählt wurde. Als
technischer Direktor war er von 1975 bis 1981 maßgeblich an der
Erarbeitung und Umsetzung des durch FIFA-Präsident Dr. João
Havelange initiierten Entwicklungsprogramms beteiligt, dass zu Ziel
hatte, den Fussball zu einem universellen Sport zu machen. Noch
bevor er die Nachfolge des Brasilianers antrat hatte Blatter, der
ab 1981 neun Jahre als FIFA-Generalsekretär wirkte und danach den
Posten des Generaldirektors übernahm, eine Schlüsselrolle bei der
Organisation der FIFA Weltpokal™-Turniere ab 1982 in Spanien
gespielt. Vor allem seine Beiträge zur kontinuierlichen
Verbesserung der Spielregeln, der Schiedsrichterleistungen und zur
technischen Entwicklung des Sports waren von herausragender
Bedeutung. Darüber hinaus forcierte der Schweizer die
Zusammenarbeit mit den SOS Kinderdörfern, die 1994 ihren Anfang
nahm. Seit seiner Wahl hat er ferner die humanitäre Seite der
Organisation gestärkt und die UNICEF als Partner gewonnen. Nach
seiner Wiederwahl am 29. Mai 2002 hat Blatter den FIFA-Weltpokal™
weiter entwickelt sowie die WM-Turniere für Beach Soccer und Futsal
eingeführt. Überdies hat er die Schaffung der unabhängigen
Ethikkommission, der Taskforce "For the Good of the
Game", des Finanzhilfeprogramms, des Goal-Programms sowie den
Bau der neuen FIFA-Zentrale angeregt. Am 31. Mai 2007 wurde Blatter
ohne Gegenkandidat für eine dritte Amtszeit bis 2011 wiedergewählt.
Als Hauptziele für diesen Zeitraum nannte er einen erfolgreichen
FIFA-Weltpokal Südafrika 2010™ sowie den Ausbau der sozialen
Verantwortung der FIFA und des Fussballs.
Die FIFA-Präsidenten