Österreich hatte in den dreißiger Jahren eine Mannschaft, die in Europa für Furore sorgte. Vater dieser Mannschaft, die als Wunderteam bezeichnet wurde, war Hugo Meisl. Der geniale österreichische Fussballfachmann war eine der großen Fussball-Autoritäten der damaligen Zeit, er führte den österreichischen Fussballverband als Generalsekretär in den 20er und 30er Jahren.

Hugo Meisl wurde am 16. November 1881 in Moleschau in Mähren als Sohn einer wohlhabenden jüdischen Familie geboren. Schon als Kind kam er nach Wien. Nach dem Besuch der Handelsakademie bereitete sich Meisl auf den kaufmännischen Beruf vor und wurde Beamter der Länderbank. Doch Meisl hatte schon immer ein Faible für den Fussball. So gab er eine vielversprechende Karriere als Banker auf und kümmerte sich fortan um die Geschicke und den Aufbau der Fussballsports.

Seine Kenntnisse brachten ihm den Ruf eines hervorragenden Fachmannes ein.
Als Generalsekretär des Österreichischen Fussballverbandes war Meisl eine der treibenden Kräfte, die die Professionalität des Fussballsports nicht nur in Österreich, sondern auch in ganz Europa vorantrieben. Der gewiefte Fachmann galt unter anderem als Erfinder des Mitropa-Cup, Vorläufers des Europapokal der Landesmeister. Doch seine größten Erfolge feierte Hugo Meisl als Trainer des österreichischen "Wunderteams", das in den 30er Jahren Fussballgeschichte schrieb.

Mit nur 31 Jahren gab Hugo Meisl bereits sein Debüt als Nationaltrainer der Alpenrepublik. Am 22. Dezember 1912 saß er zum ersten Mal auf der Bank der Österreichischen Nationalmannschaft beim Länderspiel im italienischen Genua. Und seine Premiere war erfolgreich. Seine Mannschaft besiegte Italien mit 3:1.

Der verlängerte Arm von Meisl auf dem Spielfeld war Matthias Sindelar, einer der größten Fussballspieler seiner Zeit. Er war der geniale Spielmacher, der das österreichische Team zum Erfolg trieb. Sindelar, den sie aufgrund seiner hageren Statur nur den "Papierenen" nannten, war der Kopf des Wunderteams. Er setzte die Anweisungen von seinem Trainer auf dem Spielfeld in überragender Weise um und führte das Team von Sieg zu Sieg.

Die beeindruckende Serie wurde am 7. Dezember 1932 beendet. Meisls Schützlinge mussten sich nach 14 unbesiegten Spielen England geschlagen geben. Mit 3:4 verlor das "Wunderteam" gegen das Fussball-Mutterland an der Londoner Stamford Bridge.

Doch obwohl die Siegesserie gebrochen war, hielten der Elan und die Spielstärke der Österreicher weiter an. Bis zum Halbfinale der WM 1934 verlor Österreich nur noch einmal, am 9. April 1933 mit 1:2 gegen die Tschechoslowakai. Zwischen April 1931 und Juni 1934 verlor das Wunderteam nur drei seiner 31 Spiele. Insgesamt erzielten die Kicker aus der Alpenrepublik 101 Tore.

Im Jahr 1934 nahm Österreich erstmals an einer FIFA-Fussball-Weltmeisterschaft teil. Und das Team von Meisl ging ob der tollen Serie natürlich mit großen Hoffnungen in das Turnier im Nachbarland Italien. Nach dem 3:2-Auftaktsieg in Turin, als das Team gegen Frankreich erst in der Verlängerung den Sieg schaffte, folgte im Viertelfinale ein 2:1-Erfolg gegen Ungarn in Bologna. Dieser Sieg sicherte den Einzug ins Halbfinale, wo sie auf Gastgeber Italien trafen. Doch im Mailänder San Siro Stadion blieb ihnen der größte Erfolg verwehrt. Nach sintflutartigen Regenfällen glich das Spielfeld einem Acker und war schwer zu bespielen. Meisl und sein Wunderteam unterlagen den Gastgebern mit 0:1 - der Traum vom Finale war geplatzt.

Einen Finaleinzug schaffte eine österreichische Mannschaft dann aber zwei Jahre später, bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin. Doch es sollte erneut Italien sein, das den Österreichern, die mit einem von Hugo Meisl vorbereiteten Amateurteam bei Olympia angetreten waren, den großen Erfolg vermasselte. Das Spiel ging mit 1:2 verloren. Bis heute bleibt es der einzige Finaleinzug einer österreichischen Mannschaft bei einem bedeutenden internationalen Fussball-Turnier.

Am 24. Januar 1937 saß Hugo Meisl letztmals auf der Bank der österreichischen Nationalmannschaft. Und zum Abschied gab's von seinem Team noch einen Sieg. In Paris wurden die Franzosen mit 2:1 besiegt. Nur wenige Wochen später, am 17. Februar 1937 starb Hugo Meisl im Alter von 55 Jahren. Kein österreichischer Nationaltrainer konnte anschließend je an die großen Erfolge des Wieners anknüpfen.

Taktik

Jimmy Hogans taktische Ideen haben wenig Anklang in seiner Heimat England gefunden, doch als Taktiker und Trainer war er unter anderem in Österreich, Ungarn und Deutschland sehr geschätzt. Einer der ersten, die Hogans Kurzpassspiel adaptierte war Hugo Meisl. Der österreichische Funktionär und Hogan setzten die Ideen auf dem Spielfeld um, und förderten so den kreativen Mittelfeldspieler in der 2-3-5 'WM'-Formation. Das österreichische Wunderteam war somit ein wichtiger Schritt zwischen den Ideen von Herbert Chapman und Jimmy Hogan aus England sowie Vittorio Pozzos zweifachen FIFA Weltmeistern Italien.