Die Spiele
Zwanzig Jahre später wiederholte der AC Mailand seinen Erfolg
dank Alberigo Evani, gewissermaßen der hauseigene Spezialist für
ruhende Bälle. In den 118 Minuten zuvor war das Spiel vollkommen
ausgeglichen gewesen. Beide Mannschaften scheuten so gut wie jedes
Risiko und das Spiel fand größtenteils auf Höhe der Mittellinie
statt.
Als sich jedoch schon alles auf ein Elfmeterschießen eingerichtet hatte, brachte Nationalverteidiger Herrera Stürmerstar Marco van Basten hart an der Strafraumgrenze zu Fall. Und trotz einer Mauer aus sage und schreibe sieben Spielern konnte René Higuita gegen den anschließenden Freistoß von Alberigo Evani nichts ausrichten.
Im Jahr darauf wurde der AC Mailand die erste Mannschaft, die den Toyota Cup zwei Mal in Folge gewinnen konnte. Auch ohne den verletzt in Italien gebliebenen Regisseur Ruud Gullit gewannen die Mailänder das Finale letztlich souverän, auch wenn sich Olimpia 43 Minuten lang tapfer wehrte. Dann aber musste sich der Gegner aus Paraguay dem Doppeltorschützen Frank Rijkaard sowie Giovanni Stroppa geschlagen geben.
Der Star der Mannschaft
Dutzende Weltstars haben sich bereits das Trikot des AC
Mailand überstreifen dürfen, aber nur wenige waren auch eine solche
Identifikationsfigur wie Franco Baresi. Ihm zu Ehren entschied der
Verein im Juli 1997 sogar, dass Baresis Rückennummer 6 nie wieder
vergeben werden sollte.
Baresi verbrachte seine gesamte Spielerkarriere beim AC Mailand. "Warum hätte ich auch nur eine Sekunde darüber nachdenken sollen, den Verein zu wechseln? Ich spielte doch schon in der besten Mannschaft der Welt", behaupete Baresi einst lächelnd.
Dabei hatte Baresi für einen Abwehrspieler eigentlich alles andere als Gardemaß. Nicht umsonst wurde er piscinin genannt, zu Deutsch: Zu klein. Dennoch bestritt Baresi sein erstes Spiel in der Serie A am 23. April 1978 gegen Verona und sein letztes erst im Juni 1997. Und jetzt halten Sie den Atem an: Sechs Mal italienischer Meister, fünf Champions-League-Endspiele (drei Siege), drei Endrunden beim FIFA-Weltpokal (Sieger 1982) und insgesamt 713 Pflichtspiele für den AC Mailand. Ein Rekord für die Ewigkeit. Seit dem Ende seiner Spielerkarriere ist Baresi als Mailänder Vizepräsident für die Nachwuchsmannschaften verantwortlich
Der Trainer
Als Arrigo Sacchi bei Mailand anfing, war er 41 Jahre alt und
hatte noch keinerlei Erfolge vorzuweisen. Zu Beginn seiner
Tätigkeit drang er zudem auch noch nicht so recht zur Mannschaft
durch, und es bedurfte eines Machtworts des Präsidenten, um ihn im
Amt zu halten. Berlusconi indes, überzeugt von der Geradlinigkeit
Sacchis, ließ sich nicht lange bitten. Vor einem entscheidenden
Spiel gegen Verona nahm er sich jeden einzelnen Spieler persönlich
zur Brust und schärfte ihm ein: "Wenn ich die Wahl habe
zwischen Sacchi und der Mannschaft, nehme ich Sacchi!" Von da
an hatte der Trainer keinerlei Schwierigkeiten mehr, sich
verständlich zu machen.
Nun hat in der Tat auch Sacchi weder das Rad noch den Fussball neu erfunden, aber er modifizierte das klassische 4-4-2-System und führte eine Art "Zonenpressing" wie im Basketball ein. Der Gegner sollte möglichst schon in der eigenen Hälfte gestellt werden, und die Abwehrreihe rückte dazu bis zur Mittellinie auf.
Vorne ließ Sacchi in der Regel mit nur einer Spitze spielen, hinter der mehrere vielseitige Spieler wie Roberto Donadoni, Alberigo Evani, Ruud Gullit oder auch der heutige Mailand-Trainer Carlo Ancellotti agierten.
Hinten dirigierte Baresi die Abwehr und gab die Kommandos für das Abseits. Sacchis Methode ist aber vor allem wegen des kollektiven Verschiebens beeindruckend: Alle Spieler bewegen sich dabei gleichzeitig und im selben Augenblick in Ballrichtung. Unter Sacchi gingen die Spieler nicht nur zusammen vor und zurück, sie hielten auch stets fast auf den Meter genau den selben Abstand zu einander. Das System war letztlich so effizient, dass es zahlreiche Nachahmer fand.
Toyota Cup 1989
Am 17. Dezember 1989 im Nationalstadion von Tokio
AC Mailand - Nacional Medellin 1:0 n.V.
Zuschauer: 62.000
Schiedsrichter: Erik Fredriksson (SWE)
Tor: Evani (118.)
Mailand: Galli, Tassotti, Baresi, Costacurta,
Maldini, Rijkaard, Ancelotti, Donadoni, Fuser (Evani 65.), Van
Basten, Massaro.
Trainer: Arrigo Sacchi
Nacional: Higuita, Gomez, Escobar, Herrera,
Cassiani, Alvarez, Garcia, Arango, R. Perez, Trellez, Arboleda.
Mann des Spiels: Evani
Toyota Cup 1990
Am 09.12.90 im Nationalstadion von Tokio
AC Mailand - Club Olimpia 3:0
Zuschauer: 60.000
Schiedsrichter: José Ramiz Wright (BRA)
Tore: Rijkaard (43. und 65.), Stroppa (61.)
Mailand: Pazzagli, Tassotti, Baresi, Costacurta,
Maldini, Rijkaard, Donadoni, Stroppa, Carbone, Van Basten, Gullit.
Trainer: Arrigo Sacchi
Olimpia: Almeida, Suarez, Fernandez, Caceres, M.
Ramirez, Monzon, Balbuena, Jara Heyn, Guasch, Samaniego, Amarilla.
Mann des Spiels: Rijkaard