Das Spiel
1973 verzichtete Ajax Amsterdam als amtierender Sieger im Europapokal der Landesmeister offiziell aus wirtschaftlichen Gründen, die Reise nach Buenos Aires zum Interkontinental-Pokal gegen die Argentinier von Independiente anzutreten. Nach zähen Verhandlungen wurde schließlich Juventus Turin, Endspielgegner von Ajax, zum Vertreter bestimmt. Das Spiel fand vor "neutraler Kulisse" im Olympiastadion von Rom statt. Juventus, angetreten mit den Nationalspielern Zoff, Altafini, Bettega und Morini, glaubte wohl alle Vorteile auf seiner Seite. Aber die Italiener hatten die Rechnung ohne das Duo Bertoni/Bochini gemacht. Aus der eigenen Hälfte startend, hebelten diese beiden nämlich mit ein paar Doppelpässen die gesamte italienische Abwehr aus, bis sie schließlich vor Dino Zoff standen, den Techniker Bochini dann mit einem feinen Heber düpierte. Dieses Tor in der 73. Minute reichte Independiente schließlich zum ersten Sieg beim Interkontinental-Pokal nach zuvor drei Niederlagen.

Die Stars der Mannschaft
Ricardo Bochini und Daniel Bertoni muss man einfach in einem Atemzug nennen, da beide die Seele des Offensivspiels von Independiente waren. Die beiden bildeten ein sprichwörtlich kongeniales Sturmduo, das sich auf dem Platz blind verstand. Ihre Koproduktion gegen Juventus in Rom gilt heute noch als eines der schönsten Tore in der Geschichte des Interkontinental-Pokals. "Bochini und wir anderen waren doch praktisch noch grüne Jungs. Dass uns dann ein solches Tor gelungen ist, hat unserer Karriere schon einen enormen Schub verliehen. Wir waren ja im Grunde genommen vor dieser Begegnung noch nicht mal Stammspieler. Aber unser damaliger Trainer Pipo Ferreiro hat unser Selbstvertrauen gestärkt und an uns geglaubt, obwohl wir an der erfolgreichen Copa Libertadores dieser Jahre kaum Anteil hatten. Aber zum Endspiel waren wir dann plötzlich gemeinsam in der Startelf. Da konnten alle sehen, dass wir dicke Freunde sind. Es war der Beginn unserer Karriere", erinnerte sich Daniel Bertoni noch Jahre später.

Der Trainer
Obschon als eisenharter Verteidiger von Independiente zur Legende geworden, wurde Roberto Pipo Ferreiro als Trainer paradoxerweise dadurch berühmt, dass er mit drei Sturmspitzen spielen ließ - den berühmten "drei B" der Roten Teufel: Balbuena, Bocchini, Bertoni.

"Es war eine gefestigte, technisch starke Mannschaft, in der noch echter Zusammenhalt herrschte, die nie aufgab und die sich immer bis zur letzten Sekunde zerriss", behauptet Pipo Ferreiro bis heute. Überhaupt wird er beim Gedanken an die Vereine der damaligen Zeit gerne etwas nostalgisch: "Die Mannschaften haben sich nicht dauernd verändert. Es gab weniger Spielerwechsel und man konnte langfristiger arbeiten."

Der Altmeister schätzt, "dass sich von der Raumaufteilung und den Positionen her taktisch gesehen seit den sechziger Jahren kaum etwas geändert hat. Amüsiert erinnert er sich heute an das Spiel gegen Inter Mailand. "Das war die erste gegnerische Mannschaft, die mit zwei Stoppern und einem Libero angetreten ist, und wir haben es erst gemerkt, als wir auf dem Platz standen. Heute ist so was zum Glück nicht mehr möglich."


Independiente - Juventus 1:0
Ort:
Rom
Stadion: Olympiastadion
Zuschauer: 22.489
Finale ausgetragen in nur einem Spiel am 28. November 1973
Schiedsrichter: Alfred Delcourt (Bel)
Tor: Ricardo "Bocha" Bochini (79.)
Independiente: Santoro, Lopez, Pavon, Comisso, Raimondo, Manuel Sa, Balbuena, Galvan, Magglioni, Bochini, Bertoni.
Trainer: Roberto "Pipo" Ferreiro
Juventus: Zoff, Spinosi, Marchetti, Gentile, Morini, Salvadore, Causio, Cuccureddu, Anastasi, Altafini, Bettega.
Trainer: Vycpalek