Das Spiel
Nach dem bitteren Erstrunden-Aus im Europapokal gegen den
rumänischen Meister UT Arad flog das Team von Feyenoord Rotterdam
mit gemischten Gefühlen nach Buenos Aires zum Hinspiel. Und die
Befürchtungen der Niederländer schienen sich zu bestätigen, als
Estudiantes de la Plata durch Treffer von Juan Miguel Echecopar und
Juan Ramón Verón im Hexenkessel von "La Bombonera"
schnell mit 2:0 in Führung ging. Doch die Argentinier schienen sich
ihrer Sache wohl schon zu sicher zu sein, Willem van Hanegem gelang
noch der Pause der wichtige Anschlusstreffer zum 1:2. Und die
Bemühungen Feyenoords wurden belohnt, Ove Kindvall sorgte mit
seinem Ausgleichstreffer in den zweiten 45 Minuten für eine
perfekte Ausgangsposition für das Rückspiel in "De Kuip".
Das Rückspiel am 9. September war an Spannung kaum zu überbieten.
Lange Zeit stand es 0:0. Feyenoords Trainer Ernst Happel bewies
jedoch ein goldenes Händchen, als er in der zweiten Halbzeit Joop
van Daele für Coen Moulijn ins Spiel schickte. Van Daele erzielte
den einzigen Treffer der Partie zum 1:0-Sieg, mit dem sich
Feyenoord den Weltpokaltitel sicherte. Der Treffer kostete den
Niederländer seine Brille. Estudiantes-Spieler Oscar Miguel
Malbernat riss ihm diese aus Wut vom Gesicht und zertrampelte sie
mit der Entschuldigung, dass das Tragen von Brillen in Südamerika
nicht erlaubt sei.
Der Star des Teams
Der Schwede Ove Kindvall hatte mit seinem 2:1-Siegtreffer im
Europapokalfinale der Landesmeister gegen Celtic Glasgow in Mailand
dafür gesorgt, dass Feyenoord Rotterdam das Finale des
Intercontinental Cups erreichte. Und Kindvall war es auch, der mit
dem so wichtigen Ausgleichstreffer beim 2:2-Unentschieden in Buenos
Aires die Weichen dafür stellte, dass sein Team im Rückspiel beim
1:0-Sieg alles klar machte. Er verbrachte fünf Spielzeiten bei
Feyenoord, für Schweden nahm er an den Weltmeisterschaften 1970 in
Mexiko und 1974 in Deutschland teil. In 43 Länderspielen erzielte
er 16 Treffer.
Der Trainer
Der 1992 verstorbene österreichische Trainer Ernst Happel war
unbestritten eine der schillerndsten Figuren der Trainergeschichte.
Neben seiner unnachahmlichen Art und dem ihm eigenen Humor hatte
der strenge Fussball-Lehrer eine ganz eigene Fussballphilosophie
entwickelt. Als Aktiver wurde der 51-fache Nationalspieler 1954 in
der Schweiz mit Österreich WM-Dritter. Happels Trainerkarriere
begann in Den Haag, bevor er zu Feyenoord Rotterdam wechselte. Ob
FC Brügge, Hamburger SV, FC Tirol Innsbruck oder die
niederländische Nationalmannschaft - Happel, der wegen seiner
wortkargen Art auch der "Schweiger" genannt wurde, hatte
bei sämtlichen Trainerstationen Erfolg. Mit den Niederlanden wurde
er 1978 Vizeweltmeister, mit Hamburg gewann er 1983 erneut den
Europapokal der Landesmeister. In Erinnerung an ihn wurde das
Praterstadion in Wien nach seinem Tod in Ernst-Happel-Stadion
umbenannt.
Hinspiel
Estudiantes de la Plata - Feyenoord Rotterdam 2:2
Tore: Echecopar, Verón / van Hanegem, Kindvall
Ort: Buenos Aires.
Stadion: Boca Juniors ("La Bombonera"),
26. August 1970
Estudiantes: Néstor Martín Errea, Rubén Oscar
Pagnanini, Hugo Spadaro, Néstor Togneri, Oscar Miguel Malbernat,
Carlos Salvador Bilardo (Jorge Raúl Solari), Carlos Oscar Pachamé,
Juan Miguel Echecopar (Christian Rudzki), Marcos Norberto
Conigliaro, Eduardo Raúl Flores, Juan Ramón Verón.
Feyenoord: Eddy Treytel, Piet Romeijn, Rinus
Israël, Theo Laseroms, Theo van Duivenbode, Franz Hasil, Wim
Jansen, Willem van Hanegem (Jan Boskamp), Henk Wery, Ove Kindvall,
Coen Moulijn.
Rückspiel
Feyenoord Rotterdam - Estudiantes de la Plata 1:0
Tore: van Daele
Ort: Rotterdam.
Stadium: De Kuip,
9. September 1970
Feyenoord: Eddy Treytel, Piet Romeijn, Rinus
Israël, Theo Laseroms, Theo van Duivenbode, Franz Hasil (Jan
Boskamp), Wim Jansen, Willem van Hanegem, Henk Wery, Ove Kindvall,
Coen Moulijn (Joop van Daele).
Estudiantes: Oscar Pezzano, Oscar Miguel
Malbernat, Hugo Spadaro, Néstor Togneri, José Hugo Medina, Carlos
Salvador Bilardo, Carlos Oscar Pachamé, Daniel Romero (Rubén Oscar
Pagnanini), Marcos Norberto Conigliaro, (Christian Rudzki), Eduardo
Raúl Flores, Juan Ramón Verón.