Das Spiel
Kaum jemand zweifelte daran und auch die Sportzeitungen sowie die Öffentlichkeit hielten Real Madrid mit dem damaligen Trainer Vicente del Bosque übereinstimmend für den Topfavoriten im Toyota Cup 2000. Selbstverständlich waren Carlos Bianchi, Coach von Boca Juniors, sowie die 2.000 eigens nach Japan gereisten Boca-Fans anderer Meinung. Boca ging denn auch ohne Komplexe in diese Partie und wirkte von Beginn an konzentriert. Dabei erwiesen sich die Argentinier den "Königlichen" durchaus als ebenbürtiger Gegner. Durch einen frühen Doppelpack von Martín Palermo (2. und 5. Min.) ging Boca überraschend in Führung. Auch wenn Real bereits wenig später (11. Min.) durch Roberto Carlos, der einen seiner gefürchteten Linksschüsse verwandeln konnte, der Anschluss gelang und in der Folgezeit zunehmend Druck machte - die fehlende Übersicht und die mangelnde Chancenverwertung ließen die Spanier das eine um das andere Mal ins Leere laufen. Den entscheidenden Ausschlag gab schließlich Juan Román Riquelme, der die Madrilenen, die ihr Heil in zahlreichen, jedoch weitgehend schlecht platzierten Schüssen aufs Tor suchten und damit die Abwehr der Argentinier nicht allzu sehr in Bedrängnis brachten, in den letzten Spielminuten dank seiner exzellenten Ballführung schier zum Verzweifeln brachte. Am Ende behielt Boca über den Giganten aus Madrid die Oberhand und sicherte sich damit den Sieg im Toyota-Cup.

Der Star der Mannschaft
Martín Palermo wurde zu Recht zum besten Feldspieler in diesem Finale gekürt. Dennoch verdiente auch die überragende Leistung von Juan Román Riquelme eine besondere Anerkennung. Beide Akteure, die inzwischen zum erlesenen Kreis der Idole von Boca Juniors zählen, waren in jener Partie die Spieler mit den besten Einzelleistungen in einer Mannschaft, die von Beginn an voll auf Sieg spielte und an deren Gesamterfolg letztlich alle Spieler ihren Beitrag hatten. Riquelme selbst sagte damals nach dem Spiel: "Alle haben ein großes Spiel gemacht. Was mich betrifft, so habe ich nur meinen Teil dazu beigetragen."

Der Trainer
Nachdem er 1994 mit Vélez Sarsfield, einem argentinischen Klub mit eher bescheidenen Möglichkeiten, den Durchbruch in den internationalen Fussball geschafft hatte, löste die Verpflichtung von Carlos Bianchi als Trainer der Boca Juniors bei deren Anhängern eine starke Erwartungshaltung aus. Andererseits hatte damals wohl niemand geahnt, dass die Tätigkeit dieses Trainers dem Verein einen bis dahin nie gekannten Aufschwung bringen würde.

Kaum, dass Bianchi im Juli 1998 die Mannschaft übernommen hatte, setzte Boca nicht nur einer sechsjährigen Durststrecke ohne bedeutende Siege ein Ende, sondern blieb fortan in sage und schreibe 40 Spielen ohne Niederlage. In der Amtszeit von Bianchi, die sich mit einer einjährigen Unterbrechung in zwei Perioden unterteilt, holte der Klub insgesamt neun Titel, davon zwei in der argentinischen Meisterschaft und fünf auf internationaler Ebene - unter anderem gewann Boca Juniors bei drei Finalteilnahmen zwei Mal den Toyota Cup.

Von ganz besonderem Wert war dabei der erste Sieg im Toyota Cup, zumal man keinen Geringeren als Real Madrid bezwingen konnte, das mit Topstars wie Raúl, Luis Figo und Fernando Hierro angetreten war. Der in Fachkreisen als besondere Persönlichkeit und außerordentlich begabter Trainer anerkannte Bianchi stellte eine für ihn typische Mannschaft dagegen, in der Teamgeist einen höheren Stellenwert hatte als individuelle Fähigkeiten. "Uns war klar, mit wem wir es zu tun hatten, aber wir wussten auch, dass wir uns nicht zu verstecken brauchten. Ohne uns für die Größten zu halten, haben wir schließlich verdient den Titel errungen", so Bianchi nach dem Triumph im Toyota Cup.


Boca Juniors - Real Madrid: 2:1
Ort:
Tokio
Stadion: Nationalstadion,
28. November 2000
Zuschauer: 60.000
Schiedsrichter: Oscar Ruiz Acosta (Kolumbien)
Tore: Martín Palermo (2. und 5.), Roberto Carlos (11.)
Real Madrid:
Iker Casillas, Geremi, Hierro, Karanka, Roberto Carlos, Helguera, Makelele, McManaman, Guti, Figo y Raúl.
Trainer: Vicente del Bosque
Boca Juniors:
Córdoba, Ibarra, Bermúdez, Traverso, Matellán, Basualdo, Serna, Riquelme, Battaglia, Delgado und Martín Palermo.
Trainer: Carlos Bianchi