Das Spiel
Am 23. November 1976 empfing der FC Bayern die Gäste aus Brasilien zum Hinspiel um den Weltpokal. Da man der dichten Schneedecke auf dem Platz mit Wasserschläuchen begegnen wollte, machte man die Sache allerdings nur noch schlimmer und verwandelte den Rasen des Olympiastadions in eine wahre Eisfläche. Doch zur Überraschung der 20.000 Zuschauer, die trotz klirrender Kälte den Weg ins weite Oval gefunden hatten, erwischten die Samba-Kicker von Cruzeiro Belo Horizonte den besseren Start. Doch die Bayern-Abwehr hielt den Angriffen der Brasilianer stand. Und dann war es wieder einmal Gerd Müller, der die FC Bayern auf die Siegesstraße brachte. Zehn Minuten vor dem Schluss verwandelte er eine Vorlange von Uli Hoeneß zum 1:0. Zwei Minuten später sorgte Jupp Kapellmann für den 2:0-Endstand. Drei Tage vor Weichnachten trat der FC Bayern zum Rückspiel bei Cruzeiro Belo Horizonte an. Nach einer strapaziösen Reise und lediglich vier Stunden Schlaf mussten die Bayern-Spieler vor der Mega-Kulisse 117.000 Zuschauern ihren Vorsprung verteidigen. Doch mit einem glänzend aufgelegten Sepp Maier im Tor und einem überragenden Libero Franz Beckenbauer rettete man sich mit einem 0:0 ins Ziel.

Der Star des Teams
Franz Beckenbauer oder Gerd Müller? Hier schieden sich die Geister. Der eine ein genialer Stratege, der andere ein ebenso begnadeter Torjäger. Während "Kaiser Franz" als Denker und Lenker maßgeblich für die Spielweise der Bayern in dieser Epoche verantwortlich war, so hätte auch Beckenbauer längst nicht so viele Titel feiern können, ohne die außergewöhnliche Trefferquote eines Gerd Müllers. Der insbesondere im Hinspiel seine Klasse zeigte, als er die "Roten" mit 1:0 in Front brachte. Die Hereingabe von Uli Hoeneß schien auf dem rutschigen Untergrund einen Tick zu lang zu sein, doch Müller erwischte den Ball gerade noch so mit dem linken Fuß. Da er sich jedoch kaum auf der "Eisfläche" Olympiastadion auf den Beinen halten konnt,e ließ er den Ball von links nach hinten abtropfen und schob den Ball mit rechts ins Eck. Irgendwie schaffte Müller es, diese Kombination, in einer einzigen Bewegung zu vollziehen - anders hätte er das Gleichgewicht verloren und den Ball nicht getroffen.

Der Trainer
Fußball-Deutschland kannte ihn als "Napoleon", und Franz Beckenbauer nennt ihn noch heute respektvoll den "Professor": Dettmar Cramer führte den FC Bayern nicht nur zum Weltpokal-Erfolg gegen Cruzeiro Belo Horizonte, sondern zuvor auch zu zwei Erfolgen im Europapokal der Landesmeister und avancierte damit zu einem der erfolgreichsten Trainer in der Geschichte des FC Bayern. Vor und nach seiner Zeit beim FC Bayern arbeitete er in 90 Ländern (!) als Fussball-Trainer. Dabei sammelte der Träger des Bundesverdienstkreuzes, der auch zwei Ehrenprofessuren verliehen bekam, jede Menge Erfahrung und seine ganz besondere Erkenntnis: "Mir kann keiner mehr sagen, dass ein Mensch gut oder schlecht ist, nur weil einer schwarz, weiß, gelb, rot oder grün ist."


Hinspiel
FC Bayern München - Cruzeiro Belo Horizonte 2:0 (1:0)
Tore:
Gerd Müller, Jupp Kapellmann
Ort: München
Stadion: Olympiastadion
23. November 1976
Bayern:
Sepp Maier , Björn Andersson, Franz Beckenbauer, Georg Schwarzenbeck, Udo Horsmann, Bernd Dürnberger, Conny Torstensson, Jupp Kapellmann, Uli Hoeneß, Gerd Müller, Karl-Heinz Rummenigge.
Cruzeiro:
Raul - Moraes, Ozires, Nelinho, Piazza, Vanderlei, Eduardo, Ze Carlos, Palinha, Jairzinho, Joãozinho (Dirceu Lopes).
Rückspiel
Cruzeiro Belo Horizonte - FC Bayern München 0:0
Ort:
Belo Horizonte
Stadion: Mineirão-Stadion
21. Dezember 1976
Cruzeiro:
Raul - Nelinho, Moraes, Piazza (Eduardo), Ozires, Ze Carlos, Vanderlei, Dirceu Lopes (Ofarlan), Jairzinho, Palinha, Joãozinho.
Bayern:
Sepp Maier, Björn Andersson, Georg Schwarzenbeck, Franz Beckenbauer, Udo Horsmann, Jupp Kapellmann, Conny Torstensson, Josef Weiß, Uli Hoeneß, Gerd Müller, Karl-Heinz Rummenigge (85. Alfred Arbinger).