Die Spiele
Manchester United hatte 1999 nach der englischen Meisterschaft, dem englischen Pokalwettbewerb und der UEFA Champions League auch den TOYOTA Cup gewonnen. Neun Jahre später kehrten die Schützlinge von Sir Alex Ferguson nach Japan zurück mit dem festen Vorsatz, sich dieses Mal den Titel des FIFA Klub-Weltmeisters zu sichern. 2008 bestand das Erfolgsrezept des UEFA Champions League-Siegers im fast bedingungslosen Offensivfussball, mit dem der Sieger der AFC Champions League Gamba Osaka im Halbfinale mit 5:3 geschlagen wurde. Dank Treffern von Nemanja Vidic, Cristiano Ronaldo (der später zum FIFA-Weltfussballer des Jahres gewählt wurde), Darren Fletcher und zwei Toren des eingewechselten Wayne Rooney hatte ManU sich eine klare 5:1-Führung erspielt, bevor Osaka kurz vor Schluss noch zwei Treffer gelangen.

Das Finale fand drei Tage später ebenfalls im International Stadium von Yokohama statt. Hier trafen die Red Devils auf den Sieger der südamerikanischen Copa Libertadores, Liga de Quito aus Ecuador. Es war schnell klar, dass diese Aufgabe für die Schützlinge von Sir Alex Ferguson deutlich schwerer werden würde, insbesondere da Quitos Torhüter Jose Cevallos sich in Bestform präsentierte. Der erfahrene Schlussmann rettete zwei Mal mit fantastischen Glanztaten gegen Rooney und zeigte kurz danach eine Weltklasse-Parade bei einem Kopfball von Carlos Tevez aus kurzer Distanz. Manchester United bestimmte auch im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit das Geschehen, wobei sich Michael Carrick und Cristiano Ronaldo mit einigen gefährlichen Distanzschüssen versuchten.

Doch die Dynamik der Partie änderte sich grundlegend, als Vidic nur vier Minuten nach Wiederanpfiff gegen Claudio Bieler den Ellenbogen ausfuhr. Nach diesem Blackout des serbischen Nationalspielers blieb Schiedsrichter Ravshan Irmatov keine andere Wahl, als ihm die Rote Karte zu zeigen. Von nun an stand Edwin van der Sar, der Torhüter von Manchester United, im Mittelpunkt des Geschehens. Auch er zeigte eine Reihe von Glanztaten und rettete insbesondere mehrfach vor Alejandro Manso.

Dann jedoch setzte Manchester United zu einem lehrbuchmäßigen Konter über den wieselflinken Ronaldo an, der Rooney bediente, der diesen Angriff mit einem Flachschuss ins rechte Ecke mustergültig abschloss. In den verbleibenden 17 Minuten gelang es Liga de Quito nicht, eine Lücke in der Abwehr des dezimierten Teams von Manchester United zu finden, so dass die Engländer sich schließlich die Trophäe sicherten.

Topspieler
Wayne Rooney. Mit drei Toren in zwei Spielen knüpfte der Stürmer an die Form an, mit der er bei der UEFA EURO 2004 in Portugal die Fussballwelt begeistert hatte. Der 23-Jährige zeigte in Japan Entschlossenheit, Durchsetzungsvermögen und Torgefährlichkeit und gewann dafür den Goldenen Ball von adidas als bester Spieler des Turniers. Rooney ist unter der Führung von Sir Alex Ferguson auf und abseits des Platzes außerordentlich gereift.

Im Nachhinein ist der dienstälteste Trainer der Premier League sicher zufrieden, dass er seinen Stürmer doch spielen ließ, nachdem er zunächst überlegt hatte, ihn wegen befürchteter Erschöpfungserscheinungen nicht einzusetzen. Doch Rooney wollte um keinen Preis der Welt auf der Ersatzbank schmoren. "Ich bin zum Trainer gegangen, um ihn zu bitten, heute spielen zu dürfen, und ich bin sehr dankbar dass er mich ließ! Es hat mir wirklich Spaß gemacht. Es war eine erfolgreiche Reise, und angesichts des Sieges war es die Mühen wert." Ein Rooney in dieser Form könnte durchaus dafür sorgen, dass England 2010 in Südafrika einen ähnlichen Erfolg feiert.

Der Trainer
Der heute 67-jährige Sir Alex Ferguson ist seit über 22 Jahren Trainer von Manchester United und wurde im Jahr 1999 für seine Verdienste um den Fussball in den Ritterstand erhoben, nachdem er mit seiner Mannschaft das Triple aus Meisterschaft, FA Cup und UEFA Champions League gewonnen hatte.

In seinen 17 Jahren als aktiver Stürmer spielte er für zahlreiche Klubs in seinem Heimatland Schottland. Seine erfolgreichste Zeit erlebte er in den drei Jahren 1964 bis 1967 bei Dunfermline Athletic, wo ihm in 89 Spielen beeindruckende 66 Tore gelangen. Dies reichte aus, dass sein Jugendklub Glasgow Rangers ihn unter Vertrag nahm, doch obwohl er hier 25 Tore in nur 41 Spielen erzielte, gaben ihn die Rangers danach an Falkirk ab. 1974 beendete er seine Karriere im Alter von 32 Jahren bei Ayr United.

Nachdem er die Stiefel an den Nagel gehängt hatte, arbeitete er zwölf Jahre als Trainer bei East Stirlingshire, St. Mirren, Aberdeen und als schottischer Nationaltrainer, bevor er das Amt im Old Trafford übernahm. In den ersten Jahren seiner Trainerkarriere bei Manchester United gab es keine größeren Erfolge zu feiern, doch dann folgten über 30 große Titel, darunter zehn englische Meisterschaften, zwei Gewinne der UEFA Champions League, fünf FA Cups, zwei Ligapokale, sieben Community Shields, ein Sieg im Europapokal der Pokalsieger, ein Sieg im UEFA Super Cup und einer im TOYOTA Cup. Jetzt kann sich Ferguson auch über den Gewinn der FIFA-Klub-Weltmeisterschaft freuen, worüber der Schotte sich begeistert zeigt: "Wir haben eine großartige Mannschaftsleistung gezeigt und gewonnen, obwohl wir einen Mann weniger auf dem Feld hatten. Es war ein großartiges Turnier, an das ich mich stets gern erinnern werde", so Ferguson zum Abschluss.

FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2008

18. Dezember 2008, International Stadium, Yokohama
Halbfinale:
Gamba Osaka - Manchester United 3:5
67.618 Zuschauer

Schiedsrichter: Benito Archundia (MEX)
Tore: Yakazaki (74.) Endo (85., Elfm.) Hashimoto (90.+1) Vidic (28.) Ronaldo (45.+1) Fletcher (78.) Rooney (75.,79.)

Gamba Osaka: Fujigaya, Nakazawa, Yamaguchi, Endo, Lucas, Bando, Yasuda, Myojin, Kaji, Hashimoto, Yamazaki
Trainer: Akira Nishino

Manchester United: Van der Sar, Neville, Evra, Vidic, Ferdinand, Anderson, Scholes, Giggs, Nani, Ronaldo, Tevez,
Trainer: Sir Alex Ferguson

21. Dezember 2008, International Stadium, Yokohama
Finale:
Liga de Quito - Manchester United 0:1
68.682 Zuschauer

Schiedsrichter: Ravshan Irmatov (UZB)
Tore: Rooney (73.)

Liga de Quito: Cevallos; N Araujo, Calle, Bolanos, Urrutia, Reasco, Calderon, W Araujo, Bieler, Manso, Campos.
Trainer: Edgardo Bauza

Manchester United: Van der Sar, Evra, Rafael, Ferdinand, Vidic, Anderson, Carrick, Park, Ronaldo, Rooney, Tevez
Trainer: Sir Alex Ferguson

Spieler des Turniers: Wayne Rooney