"Behufs Gründung eines Footballklubs sind sämtliche Freunde dieses Sports eingeladen, nächsten Mittwoch abends 8.15 Uhr im oberen Saale der Schuhmachern-Zunft zu einer Besprechung zusammen zu kommen."
Mit dieser Zeitungsannonce vom 12. November 1893 aus der "Basler Nationalzeitung" fing alles an. Elf interessierte Leser folgten drei Tage später dem Aufruf und gründeten einen Klub, der heute als einer der Vorzeige-Adressen des Schweizer Fussballs gilt: den FC Basel.
Mit zwölf Meistertiteln teilt sich der von seinen Fans liebevoll "FCB" genannte Verein gemeinsam mit dem FC Zürich Platz drei in der ewigen Tabelle des Schweizer Fussball-Oberhauses. Und auch wenn Servette Genf (17) und der Grasshopper-Club Zürich (27) mehr nationale Triumphe vorweisen können, so gilt der Klub aus dem Basler St. Jakob-Park mit vier Meisterschaften in den letzten zehn Jahren und dank einiger beachtlicher Darbietungen auf der europäischen Bühne doch als ein Gigant der Gegenwart im Alpenland.
Ganz eng verbunden mit dem rasanten Aufstieg der Rot-Blauen sind die Namen von Erfolgstrainer Christian Gross, von dem sich Basel im Sommer 2009 nach zehn begeisternden Jahren verabschiedete, sowie von Gisela Oeri, der ersten Präsidentin eines Schweizer Profi-Fussballklubs überhaupt. Zudem erinnert sich der deutsche Star-Trainer und aktuelle Nationalcoach der Schweiz, Ottmar Hitzfeld, immer wieder gerne an seine Zeit zwischen 1971 und 1975 als Spieler des "FCB" zurück.
Und nicht zuletzt verleiht auch eine gerne erzählte, aber nie bestätigte Geschichte, wonach man als eine Art Inspiration für das katalanische Großkaliber FC Barcelona gilt, dem Klub zusätzlichen Glanz. Gönnen Sie sich mit FIFA.com einen Blick auf die kontrastreiche und sympathische Historie des FC Basel.
Die Geburtsstunde einer Institution
Nachdem Mitglieder eines Rudervereins sowie Akademiker und ein Sport-Journalist, der die Fussballregeln aus dem Englischen übersetzte und als einer der ersten seiner Zunft in der Schweizer Medienszene überhaupt galt, infolge der Zeitungsannonce am 15. November 1893 den FC Basel gegründet hatten, dauerte es etwas mehr als ein halbes Jahr, ehe man bereits das erste Mal zu einem Spiel ins Ausland reiste. Der "FCB" bekam beim 0:8 in Strassburg zwar eine buchstäbliche Lektion erteilt, doch die Reisen ins benachbarte Elsass wurden dennoch schnell zu einer echten Tradition.
Bereits im Jahre 1900 avancierte man mit 111 Mitgliedern zum zweitgrößten Verein der Schweiz hinter den Grasshoppers und vier Jahre später stellte man die ersten eigenen Nationalspieler. 1912 verpflichteten die Basler mit dem Engländer Percy Humphreys den ersten Trainer der eigenen Vereinsgeschichte und 1919 trugen mit einem Österreicher und einem Ungarn die ersten Ausländer das rot-blaue Trikot. Obwohl der "FCB" bis 1953 auf seine erste nationale Meisterschaft warten musste, sorgte man schon 28 Jahre zuvor auf spektakuläre Weise für Furore: Auf heimischem Boden empfing der Klub die Uruguayer von Nacional Montevideo (2:5), wobei der Spielball aus einem Flugzeug abgeworfen wurde.
Die Entstehung einer Legende
Ein deutscher Spieler sollte die erfolgreichste Zeit des "FCB" überhaupt einläuten. Im Jahre 1965 wechselte Helmut Benthaus sensationell vom 1. FC Köln, der damaligen Topadresse des Nachbarlandes, nach Basel und bildete gemeinsam mit seinem Landsmann Jürgen Sundermann und dem Schweizer Karl Odermatt ein geradezu legendäres Mittelfeld-Trio. In der "Ära Benthaus" fungierte dieser später auch als Spielertrainer und schließlich nur noch als Coach, um insgesamt einen großen Anteil daran zu haben, dass sieben Meistertitel und drei Pokalsiege nach Basel gingen.
Was dann folgte, war ein weiteres echtes Highlight, bevor das bitterste Kapitel seinen Lauf nahm. Zur Saison 1973/1974 wurde der peruanische Superstar Teófilo Cubillas verpflichtet, der Basel in das Viertelfinale des europäischen Landesmeister-Cups führte. Sechs Jahre später sicherte man sich zum siebten Mal unter Benthaus den Schweizer Meistertitel. Und 1988 stieg der "FCB" ab, um selbst sein 100-jähriges Jubiläum in der Zweitklassigkeit feiern zu müssen, ehe man erst 1994 wieder ins Oberhaus zurückkehrte.
Die Gegenwart
Als der Schweizer Erfolgstrainer Gross im Sommer 1999 von Tottenham Hotspur nach Basel kam und die Milliardärsgattin Gisela Oeri beschloss, in den Verein zu investieren, kehrte der Erfolg zum "FCB" zurück. Im Jahre 2001 erreichte man als erster Schweizer Klub das Finale des UI-Cups und gewann ein Jahr später nach 22 Jahren wieder die nationale Meisterschaft. In der Folge sorgte man mit dem Einzug in die damals noch existierende zweite Gruppenphase (die letzten 16) der UEFA Champions League für Furore, ehe zwischen 2004 und 2008 drei weitere Meisterschaften in der Heimat gefeiert werden durften.
Die vergangene Saison lief allerdings erfolglos, so dass sich der "FCB" von Gross trennte. Sein Nachfolger ist der ehemalige Profi des deutschen Rekordmeisters Bayern München, Thorsten Fink, von dem erhofft wird, gemeinsam mit dem nach Basel zurückgekehrten Schweizer Star-Stürmer Alexander Frei die nächste Ära einzuleiten.
Nur eine Frage wird wohl nie mehr geklärt werden. Hat der Schweizer Hans Gamper, seines Zeichens im Jahre 1899 Mitbegründer des FC Barcelona, die rot-blaue Farbgebung der Katalanen vom FC Basel übernommen? Immerhin: Die Farben und der Lederball als Wappen in den Vereinslogos der beiden "FCBs" sind identisch...
Das Stadion
Im Volksmund gerne "Joggeli" genannt, zählt der traditionsreiche St. Jakob-Park, der 2001 neu eröffnet wurde, zu den beliebtesten Arenen rund um die Alpen. Die Heimstätte des FC Basel ist das größte Fussballstadion der Schweiz und verfügt über eine Kapazität von 38.512 Zuschauern. Neben dem Berner Stade de Suisse ist es das einzige Vier-Sterne-Stadion des Landes. Sechs Spiele der UEFA EURO 2008 wurden darin ausgetragen. Im St. Jakob-Park befindet sich zudem das größte Einkaufszentrum der Stadt, das Museum des "FCB" und eine Senioren-Residenz.



