Enyimba gehört nicht zu den traditionsreichen Klubs Nigerias, doch da das Team den bislang einzigen Titel in der afrikanischen Königsklasse ins Land holte, genießt es im überaus fussballbegeisterten Nigeria absoluten Kultstatus. Die Mannschaft aus dem Bundesstaat Abia im Südosten Nigerias beendete nach einem beispiellosen Aufstieg die vier Jahrzehnte währende Wartezeit des bevölkerungsreichsten Landes des Kontinents auf einen Erfolg in der CAF Champions League.
Enyimba benötigte lediglich zehn Jahre, um sich von einem unbekannten Provinzklub in einen Kontinentalmeister zu wandeln - ein wahrlich beeindruckender Aufstieg. Heute gehört Enyimba zu den gefürchtetsten Gegnern auf der afrikanischen Fussballbühne. In der diesjährigen CAF Champions League hat das Team es erneut bis in die Halbfinalrunde geschafft. Mit den Titelgewinnen in den Jahren 2003 und 2004 gelang Enyimba als erstem Team seit über 30 Jahren wieder eine Titelverteidigung.
Die Geburtsstunde einer Institution
Enyimba wurde von dem Verwaltungsbeamten Jerry Amadi Enyeazu gegründet. Er rief den Klub im November 1976 ins Leben, als Abia noch Teil des Bundesstaates South East Nigeria war. Als die politische Landkarte Nigerias neu gezeichnet wurde, gehörte Enyimba zum neuen Staat Abia. Doch die Mannschaft erhielt anfänglich weit weniger Unterstützung als viele Konkurrenten. Daher konnte Enyimba die traditionelle Rangordnung in der nigerianischen Liga zu keiner Zeit ernsthaft gefährden. Doch als 1990 die neue nigerianische Profiliga gegründet wurde, gehörte Enyimba zu den Gründungsmitgliedern.
Die erste Saison in der neuen Liga verlief für Enyimba indes nicht besonders erfolgreich. Nach nur fünf Siegen in 30 Spielen landete das Team auf dem 13 Platz. Im nächsten Jahr brachte es Enyimba zwar auf acht Siege, belegte aber am Ende nur den 15. Platz und musste absteigen.
Zwei Spielzeiten später meldete sich das Team wieder in der höchsten Spielklasse zurück, nachdem man in der zweiten Liga in der Saison 1993 mit 98 Punkten aus 46 Spielen den ersten Platz belegt hatte. Auch in der ersten Liga schlug sich die Mannschaft nun sehr gut und landete in der Saison 1994 auf dem dritten Platz. Die erstmalige Teilnahme am kontinentalen Wettbewerb wurde nur aufgrund der schlechteren Tordifferenz verpasst.
Die Entstehung einer Legende
Die Ernennung von Orji Uzor Kalu zum Gouverneur des Staates Abia im Jahr 1999 wurde für Enyimba zum Wendepunkt. Der leidenschaftliche Enyimba-Fan Kalu hatte nun eine Stellung erreicht, in der er völlig neue Geldquellen für den Verein eröffnen konnte. Felix Anyansi Agwu übernahm die Leitung der Mannschaft, und mit der Ernennung von Godwin Uwa zum Trainer nahm das Team Kurs auf seinen ersten Titelgewinn.
2001 war es so weit: Enyimba gewann zum ersten Mal die nigerianische Meisterschaft. Drei Monate später gab es erneut Anlass zum Feiern, als man auch den nigerianischen Super Cup holte: In Maiduguri setzte sich Enyimba mit 2:0 gegen den Rivalen Port Harcourt durch. Damit begann eine länger andauernde Dominanz des Klubs, der sich 2002 den Titel erneut sichern konnte. Im gleichen Jahr schnupperte Enyimba auch erstmals internationale Atmosphäre, als die Mannschaft nach Italien reiste und in einem Freundschaftsspiel gegen Inter Mailand antrat. Es folgte die erstmalige Teilnahme an der CAF Champions League, bei der man allerdings bereits in der zweiten Runde an ASEC Abidjan scheiterte.
Das bislang erfolgreichste Jahr erlebte Enyimba 2003, nachdem Kadiri Ikhana die Mannschaft übernommen hatte. Enyimba stürmte unaufhaltsam durch die ersten Runden der Champions League, leistete sich zwar eine 1:6-Niederlage gegen Ismaili aus Ägypten, landete am Ende aber dennoch auf dem zweiten Platz der Gruppe und stand damit im Halbfinale. Nachdem es bis unmittelbar vor Schluss des Rückspiels noch nach einer Niederlage gegen USM Alger ausgesehen hatte, gelang Michael Ochei in letzter Minute doch noch der Siegtreffer, der den Finaleinzug bedeutete.
Das Endspiel erwies sich sogar als noch dramatischer. Enyimba gewann das Hinspiel gegen Ismailia mit 2:0 und ließ dann im Rückspiel dank aufopferungsvollster Gegenwehr nur einen einzigen Treffer zu, so dass am Ende ein 2:1-Erfolg in der Addition und damit der Titelgewinn feststand. Mehrere Schlüsselspieler aus Enyimbas damals erfolgreicher Mannschaft haben danach ihre Karriere auch in der nigerianischen Nationalmannschaft fortgesetzt, darunter Vincent Enyeama, Muri Ogunbiyi, Obinna Nwaneri und Onyekachi Okonkwo.
Die Gegenwart
2004 ging Enyimba mit dem festen Vorsatz in die Champions-League-Saison, erneut das Finale zu erreichen. Jahrzehntelang war es in der Champions League keinem Team gelungen, den Titel erfolgreich zu verteidigen, doch nun schien Enyimba auf dem Wege, diesen "Fluch" zu brechen. Unter Trainer Okey Emordi schaffte die Mannschaft allerdings nur knapp hinter Étoile du Sahel aus Tunesien den Sprung aus der Gruppe ins Halbfinale.
Hier setzte man sich erst im Elfmeterschießen gegen Esperance aus Tunesien durch, nachdem die zwei schweren Spiele keinen Sieger hervorgebracht hatten. Am 12. Dezember 2004 wurde in Abuja ein neues Kapitel Fussballgeschichte geschrieben, als Obinna Nwaneri den entscheidenden Elfmeter in einem erneuten dramatischen Elfmeterschießen verwandelte, das erforderlich geworden war, das es nach der Addition der zwei Finalspiele gegen Étoile 3:3 stand. Durch den erneuten Gewinn der Champions League wurde Enyimba 2004 zum zweiten Team, das nach TP Mazembe Englebert 1968 den Titel in Afrikas prestigeträchtigstem Vereinswettbewerb verteidigen konnte.
Seitdem ist die Mannschaft zwar regelmäßig in der Champions League dabei, doch ein weiterer Erfolg ist bis heute nicht mehr gelungen. Auch in diesem Jahr schaffte das Team aus Nigeria es bis ins Halbfinale, doch der ägyptische Spitzenklub Al Ahly erwies sich als zu starker Gegner.
Das Stadion
Enyimbas Spielstätte in der Stadt Aba ist eine wahre Festung und ist bei den Gästeteams als einschüchternder Hexenkessel gefürchtet. Das Stadion ist mit einem Fassungsvermögen von gut 15.000 Zuschauern recht klein, doch in Aba genießt der Klub Enyimba einen wahren Kultstatus. Die Erwartungen des Publikums in diesem Hexenkessel sind stets sehr hoch geschraubt.



