Die vier mexikanischen Topklubs könnten sich kaum stärker unterscheiden. Chivas Guadalajara ist beliebt und gleichermaßen dafür angesehen, nur einheimische Spieler zu verpflichten. América ist ein Traditionsverein, der über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, um auch ausländische Topstars ins Land zu locken. Cruz Azul ist hingegen der kleine Klub, der sich mit überragenden Siegen und schönem Fussball in die Herzen der Fans gespielt hat.

Der vierte Verein im Konzert der Großen sind die Pumas der Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM), die Mannschaft der Studenten und Intellektuellen. Wer jedoch meint, dass dies gleichbedeutend mit fehlender Leidenschaft ist, liegt vollkommen falsch. Das von Ricardo Ferreti trainierte Team hat seit jeher zwei ganz besondere Vorteile auf seiner Seite: eine herausragende Nachwuchsarbeit und leidenschaftliche Fans, die landesweit ihresgleichen suchen.

Die Geburtsstunde einer Institution
Seit 1937 unternahm Universidad Nacional unzählige Anläufe, um den Sprung in das mexikanische Fussballoberhaus zu schaffen. Der Aufstieg in die Liga Mayor blieb ihnen indes stets verwehrt. Die Mannschaft stand deutlich im Schatten des American Football, der seinerzeit an den Universitäten äußerst beliebt war, und dem Fussball nur ein Nischendasein bei Universitätsturnieren einräumte.

Dank des unermüdlichen Einsatzes eines ehemaligen Schülers, des Ingenieurs Guillermo Aguilar Álvarez, erhielt die Mannschaft der größten mexikanischen Universität 1954 schließlich eine Zulassung für die zweite Liga. Die Trikotfarben Blau und Gold repräsentierten die Universität, während der Spitzname Pumas noch aus den Zeiten des American Football stammt.

Am 12. September 1954 wurde die erste Begegnung in der Vereinsgeschichte gegen Monterrey bestritten. Der Anfang verlief holprig. Eine Saison lang stellten die Pumas nicht einmal eine Mannschaft. Nach und nach trat das Team aber zunehmend wie eine Spitzenmannschaft auf. 1962 gelang schließlich durch einen 5:1-Sieg gegen Cataluña de Torreón der ersehnte Aufstieg, an dem Trainer Octavio Vial und Carlos Calderón de la Barca als Torjäger maßgeblichen Anteil hatten.

Die Enstehung einer Legende
Auch wenn die ersten Jahre im Fussballoberhaus nicht gerade von Erfolg gekrönt waren, war es doch die Geburtsstunde der heutigen Teamphilosophie. Dank der taktischen Finesse und Erfahrung des argentinischen Trainers Renato Cesarini setzte der Universitätsklub schon früh auf seine große Stärke und brachte seitdem zahlreiche große Talente hervor.

In der Saison 1974/75 sollten die ersten Früchte der harten Arbeit geerntet werden. Die UNAM Pumas gewannen den Pokal und den Supercup. Zwei Jahre später folgte der erste Gewinn der Meisterschaft. Ausländische Spieler wie Bora Milutinovic, Juan José Muñante und Evanivaldo Cabinho Castro spielten Seite an Seite mit jungen Nachwuchskräften wie Leonardo Cuéllar und Miguel Mejía Barón und holten immerhin noch zwei Vizemeisterschaften in Folge.

Der zweite Meistertitel sollte in der Saison 1980/81 folgen und wurde zu einem der wichtigsten Ereignisse in der Klubgeschichte: In dieser Saison beeindruckte die Mannschaft mit einem legendären Sturm bestehend aus Cabinho und Hugo Sánchez, dem besten Nachwuchsspieler, den der Verein jemals hervorgebracht hatte. Beiden führten eine Mannschaft an, die unter der Regie von Milutinovic, der den Sprung auf die Trainerbank geschafft hatte, besonders in der Offensive Glanzpunkte setzte.

Auch in den folgenden Jahren standen die Pumas immer wieder im Mittelpunkt, brachten zahlreiche Fussballtalente hervor und verpflichteten zahlreiche ausländische Profis. Zum Titelgewinn sollte es aber nie ganz reichen. In der Saison 1990/91 holte das vermeintlich beste Team der Vereinsgeschichte mit Jorge Campos, Claudio Suárez, Alberto García Aspe und Luis García schließlich den dritten Meistertitel mit einem Sieg in der entscheidenden Begegnung gegen den Erzrivalen América durch ein Tor des heutigen Trainers Tuca Ferreti.

Die Gegenwart
Die 90er-Jahre waren eine Zeit des Übergangs. Auch das neue Jahrhundert begann nicht gerade verheißungsvoll für die Pumas. Alles änderte sich allerdings, als der verlorene Sohn, Hugo Sánchez, die Mannschaft übernahm. Nach einer 13-jährigen Durststrecke feierten die Pumas 2004 endlich wieder einen Titelgewinn. Sergio Bernal, Joaquín Beltrán, Darío Verón, Leandro, Francisco Fonseca, Bruno Marioni und ein leidenschaftliches Publikum waren die Architekten des großen Erfolges.

Trotz schwacher Leistungen in der heimischen Liga standen die Pumas 2005 erneut vor einem großen Coup. Am Ende verloren sie jedoch das Endspiel der Copa Sudamericana im Elfmeterschießen gegen die Boca Juniors. 2007 scheiterte das Team in der heimischen Liga ebenfalls erst im Endspiel gegen Atlante. Bei der letzten Turnierteilnahme schieden die Pumas im Viertelfinale gegen Cruz Azul aus.

Das Stadion
Das Estadio Olímpico Universitario, auch als México 68 bekannt, gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Nach seiner Einweihung im Jahr 1952 war es Austragungsort der Olympischen Spiele (1968) und der zwei FIFA Fussball-Weltmeisterschaften 1970 und 1986). Das Stadion ziert eine Wandzeichnung des weltbekannten mexikanischen Künstlers Diego Rivera und bietet Platz für 68.954 Zuschauer.