"Mehr als nur ein Klub". Das war das Motto von Narcis de Carreras, als er im Jahr 1968 das Präsidentenamt beim FC Barcelona übernahm. Dieser Satz wurde zum Leitspruch einer Mannschaft, deren sportliche Erfolge und soziales Engagement ihr in ihrer mehr als 100-jährigen Geschichte in allen Teilen der Welt Respekt und Bewunderung einbrachten.
Vermutlich ahnte nicht einmal der Gründer dieses Vereins, der Schweizer Hans Gamper, wie erfolgreich sein Projekt einmal sein würde. Abgesehen von den zahlreichen Titeln der Fussballabteilung des Klubs, durfte sich der Verein über weitere große Erfolge auf nationaler und internationaler Ebene in den anderen 13 Sport-Abteilungen freuen.
Die Geburtsstunde einer Institution
Barça wurde am 29. November 1899 gegründet, als sich Gamper mit zwölf Gleichgesinnten traf, die er über eine Zeitungsannonce kennen gelernt hatte. In den ersten zehn Jahren seines Bestehens entwickelte sich der Klub zu einer der beliebtesten Mannschaften der Region Katalonien. Die goldenen 20er Jahre stellten auch für den FC Barcelona eine goldene Ära dar: In dieser Zeit siedelte die Mannschaft in das funkelnagelneue Estadio Les Corts über, feierte ihren ersten nationalen Meistertitel und gewann vier Mal die Copa de España.
Nach dem Selbstmord des Gründers - vermutlich infolge der schlechten Wirtschaftslage nach dem Börsencrash von 1929 - begann eine schwierige Zeit für die Blauroten, über deren Farbwahl Mitte des 20. Jahrhunderts unterschiedliche Theorien kursierten, deren Wahrheitsgehalt jedoch unklar ist. Während der Franco-Diktatur betonte der FC Barcelona sein symbolisches Image im Zusammenhang mit der katalanischen Eigenständigkeit, die vom faschistischen Regime negiert wurde. Lassen wir jedoch die Politik aus dem Spiel und konzentrieren uns stattdessen auf das, was den Klub wirklich groß gemacht hat.
Das Entstehen einer Legende
Als Anfang der 50er Jahre Ladislao Kubala verpflichtet wurde, stieg die Nachfrage nach Dauerkarten ins Unermessliche, weshalb aufgrund des Platzmangels ein neues Stadion geplant wurde. Mit dem Ungarn und der legendären Angriffsreihe (Basora, César, Kubala, Moreno und Machón) fand der Klub in der heimischen Meisterschaft wieder zur alten Stärke zurück. Die großen Erfolge auf internationaler Ebene ließen jedoch noch einige Zeit auf sich warten. Nach dem zweimaligen Gewinn des Messepokals, nahm man im Jahr 1961 zum ersten Mal am Europapokal der Landesmeister teil, den der Erzrivale Real Madrid zuvor fünf Mal in Folge gewonnen hatte. Der Titel ging in dieser Saison jedoch an Benfica Lissabon. Nach dieser Enttäuschung war die Moral des katalanischen Klubs stark angeschlagen. Erschwerend kam noch hinzu, dass Helenio Herrera und Luis Suárez zu Inter Mailand wechselten, wo sie große internationale Erfolge feierten.
In den 70er Jahren versuchte Barça mit spektakulären Neuzugängen, eine neue Ära mit großen Erfolgen einzuläuten. Der größte Coup gelang mit der Verpflichtung des Niederländers Johann Cruyff, der die Geschichte des Klubs entscheidend prägen sollte - sowohl als Spieler als auch als Trainer.
In den 80er Jahren sorgten die Katalanen mit der Verpflichtungen von Diego Maradona, Bernd Schuster und Gary Lineker ein weiteres Mal für Schlagzeilen, dennoch blieben die erwarteten Erfolge aus. Aus sportlicher Sicht erlebte der Klub in diesen Jahren eine der bittersten Niederlagen der Geschichte: Bei seiner zweiten Finalteilnahme im Europapokal der Landesmeister musste sich der FC Barcelona 1986 in Sevilla dem rumänischen Meister Steaua Bukarest im Elfmeterschießen geschlagen geben.
Erst als Cruyff zu Barça zurückkehrte - diesmal als Trainer -, wendete sich das Blatt. Der Niederländer formte aus zahlreichen großartigen Einzelspielern ein regelrechtes Dream Team. Im Camp Nou zauberten nun unter anderem Ronald Koeman, Josip Guardiola, Michael Laudrup und Hristo Stoichkov, die dem Klub zu vier Meistertiteln in Folge verhalfen. Die Krönung dieser erfolgreichen Zeit stellte der erstmalige Gewinn des Europapokals der Landesmeister dar. Im Finale von 1992 schoss Koeman die Katalanen im Wembley-Stadion mit einem herrlichen Freistoß-Tor gegen Sampdoria Genua zum Sieg.
Die Gegenwart
Nach dem Abgang von Cruyff sah die Lage nicht mehr ganz so rosig aus. Seine Nachfolger Bobby Robson und Louis van Gaal hatten allerdings trotzdem noch so einige Erfolge vorzuweisen. Insgesamt reichte es zu zwei Meistertiteln, zwei Copa del Rey, einem spanischen Superpokal, einem Europapokal der Pokalsieger und einem europäischen Superpokal. Nach zahlreichen Änderungen im Vorstand begann man schließlich, den Klub auf allen Ebenen umzustrukturieren. Der Niederländer Frank Rijkaard wurde verpflichtet, um aus Stars wie Ronaldinho, Deco und Samuel Eto'o eine schlagkräftige Truppe zu formen. Sein größter Erfolg war der zweite Gewinn der UEFA Champions League, als im Finale von 2006 in Paris Arsenal London bezwungen werden konnte.
Diese Ära war auch von einem Akt der Solidarität geprägt - ganz im Zeichen des Vereinsmottos "mehr als nur ein Klub": Barça unterzeichnete einen Vertrag mit der UNICEF, demzufolge auf dem Trikot der A-Mannschaft, das bis dahin stets werbefrei gewesen war, das Logo der Organisation aufgedruckt wird. Diese Werbung ist nicht nur unentgeltlich - der Klub spendete zudem 1,5 Millionen Euro für Projekte der UNICEF.
Das Stadion
Als die Anzahl der Mitglieder in den 50er Jahren immer größer und das Estadio Les Corts zu klein wurde, wurde die Errichtung eines neuen Stadions in Auftrag gegeben. Das am 24. September 1957 eröffnete Camp Nou bietet nach den zahlreichen Umstrukturierungen im Laufe seiner 50-jährigen Geschichte insgesamt 98.787 Zuschauern Platz und wurde von der UEFA als eines von insgesamt fünf spanischen "Fünf-Sterne-Stadien" ausgezeichnet.
Abgesehen von den Spielen des FC Barcelona, in denen sich die Arena mit beeindruckenden Mosaiken füllt, die vom Publikum erzeugt werden, war das Camp Nou auch Schauplatz anderer internationaler Finalspiele: Zuletzt fand hier das Champions League-Finale 1999 statt. Das Stadion war zudem Veranstaltungsort der Eröffnungszeremonie der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Spanien 1982 und des Olympischen Fussballturniers Barcelona 1992.
Der Architekt Norman Foster wurde mit der Durchführung zukünftiger Umbauarbeiten des legendären Stadions beauftragt, die diese großartige Arena zu einem futuristischen Juwel des Klubs machen sollen.





