Ob 100 Spiele, 100 Tore oder 100 Jahre – die Zahl "Hundert" zeugt stets von Tradition, Erfahrung und zumeist auch von einer bewegenden Historie. Da ist es kein Wunder, dass der Bundesligist Borussia Dortmund und die Millionen schwarz-gelben Fans von nun an noch ein wenig stolzer auf ihren Klub sein können. Denn am 19. Dezember 2009 feiert der Revier-Klub seinen 100. Geburtstag.

Die Dortmunder Borussia gehört mit sechs deutschen Meisterschaften, zwei DFB-Pokalsiegen sowie den Triumphen im Europapokal der Pokalsieger und der UEFA Champions League zu den erfolgreichsten Klubs Deutschlands. In der ewigen Tabelle der Fussball-Bundesliga belegen die Schwarz-Gelben Rang fünf.

Die Geburtsstunde einer Institution
Am 19. Dezember 1909 gründeten junge Stahlarbeiter und Bergleute den Ballspielverein Borussia 09 e. V. Dortmund. Der Zusatz "Borussia" wurde gewählt, da es sich um den Namen des in der Gaststätte ausgeschenkten Bieres handelte. Damit erhielt der Verein also den Namen des "Lieblingsbiers" der Gründer. Der erste Vorsitzende des Vereins wurde Heinrich Unger.

In den 30er Jahren entwickelte sich Borussia Dortmund zu einer der besten Fussball-Mannschaften Deutschlands. Doch wie bei so vielen Vereinen in Deutschland mussten die Strukturen nach dem 2. Weltkrieg nahezu komplett neu aufgebaut werden.

Doch bereits im Jahre 1949 stand der BVB erstmals im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft gegen den VfR Mannheim, das jedoch mit 3:2 (nach Verlängerung) verloren ging. 1956 war es dann aber soweit. Im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft besiegte Dortmund den Karlsruher SC mit 4:2 und sicherte sich erstmals den Titel, der im darauffolgenden Jahr sogar verteidigt werden konnte.

Mit der gleichen Mannschaftsaufstellung wie im Vorjahr holte sich der BVB 1957 dank des 4:1-Erfolges gegen den Hamburger SV erneut die Deutsche Meisterschaft. Ein Jahr vor der Einführung der Bundesliga gewann der BVB 1963 zum dritten Mal die Deutsche Meisterschaft mit einem 3:1 gegen den 1. FC Köln. In der ersten Bundesliga-Saison belegte man 1964 den vierten Platz.

Die Entstehung einer Legende
1965 konnte man bei der zweiten Finalteilnahme endlich den Deutschen Pokal gewinnen, als man Alemannia Aachen mit 2:0 besiegte. 1966 folgte dann der ganz große Triumph, als man im Europapokal der Pokalsieger 1966 den englischen Rekordmeister FC Liverpool mit 2:1 nach Verlängerung schlug und somit der erste deutsche Klub war, der einen internationalen Vereinstitel erringen konnte - unvergessen der legendäre Siegtreffer von Reinhard Stan Libuda in der 106. Minute.

Doch in den nächsten Jahren sollte der Glanz der Borussia nicht mehr so hell strahlen. 1972 stieg man aus der Bundesliga ab, erst 1976 gelang der Wiederaufstieg. Kaum erneut in der Bundesliga angekommen zeigte Dortmund, was es so einzigartig macht. Der Zuschauerschnitt im neu errichteten Westfalenstadion lag bei über 40.000, weit mehr als jeder andere Bundesligaklub zu jener Zeit ins Stadion lockte.

Anfang der 80er Jahre geriet der Klub in eine finanzielle Schieflage und sportlich ging es bergab. In der Saison 1985/86 musste man sogar in die Relegation mit dem Zweitligisten Fortuna Köln, erhielt aber die Klasse. Ende der 80er Jahre lief es wieder erfolgreicher. Im DFB-Pokal kam man 1989 bis ins Finale und besiegte Werder Bremen mit 4:1. Der erste Titel seit 23 Jahren und gleichzeitig der zweite DFB-Pokalsieg für den BVB war unter Dach und Fach.

Die 90er Jahre sollten dann zu den erfolgreichsten in der Vereinsgeschichte werden. 1991 verpflichtete man mit Ottmar Hitzfeld einen relativ unerfahrenen Trainer. 1995 konnte nach 32 Jahren endlich wieder ein Deutscher Meistertitel beim BVB gefeiert werden. Und bereits im Jahr danach sicherte man sich erneut diesen Titel. Auch international war Borussia das Maß aller Dinge. 1997 gewann der BVB mit einem 3:1-Erfolg gegen Juventus Turin die UEFA Champions League und sicherte sich mit einem 2:0-Erfolg gegen Cruzeiro Belo Horizonte auch noch den Weltpokal. Zu dieser Zeit stellte der BVB mit Stefan Reuter, Jürgen Kohler, Matthias Sammer, Steffen Freund und Andreas Möller auch das Gerüst der deutschen Nationalmannschaft, die 1996 in London Europameister wurde.

Die Gegenwart
Doch die sportlichen Erfolge hielten nicht lange an. Nach dem Weggang von Trainer Hitzfeld sowie zahlreichen altgedienten Spielern investierte der Vereine in neue Stars, die aber an die Triumphe der jüngsten Vergangenheit nicht anknüpfen konnte. Die Saison 1999/2000 war der unrühmliche Tiefpunkt der Talfahrt, als man gerade so dem Abstieg entkam.

Doch nach dem "Ab" kam es bald wieder zum "Auf": Nachdem Dortmund als erster deutscher Klub an die Börse ging, feierte das von Europameister Sammer trainierte Team 2002 die sechste Deutsche Meisterschaft und scheiterte im Endspiel des UEFA-Pokals an Feyenoord Rotterdam mit 2:3.

Es sollte bis auf Weiteres das letzte große Ausrufezeichen der Dortmunder Borussia bleiben, einzig 2007 träumte man im DFB-Pokal vom Titel, doch im Finale unterlag man Rekordmeister Bayern München  mit 1:2 nach Verlängerung. Es schien, als ob die leidenschaftlichen Fans noch etwas auf den nächsten Titel warten müssten - doch zum Glück nicht allzu lange. Mit der Verpflichtung von Jürgen Klopp 2008 gelang dem BVB ein wahrer Geniestreich. Bereits im ersten Jahr führte der charismatische Trainer die Borussia auf Rang sechs, ein Jahr später erreichte man bereits das internationale Geschäft. Das sollte allerdings nur der Anfang sein.

Nachdem man 2011 die siebte Meisterschaft geholt hatte, setzte das Klopp-Team 2012 noch einen drauf. Erstmals in der 103-Vereinsgeschichte gelang das Double aus Meisterschaft und Pokalsieg - und wie. 81 Punkte in einer Bundesliga-Saison schaffte bisher noch keine Mannschaft, dazu blieb man in 28 Spielen in Folge ungeschlagen. Im DFB-Pokal-Endspiel deklassierten die Dortmunder Rekordmeister Bayern München mit 5:2. Noch nie hatten die Münchener in einem Finale eine so hohe Niederlage kassiert.

Die gesunde Mischung aus Erfahrung, Erfolgshunger und jugendlicher Frische dürfte ein Garant dafür sein, dass der BVB auch in den kommenden Jahren zu den Titelfavoriten gehören wird - national und vielleicht auch international.

Das Stadion
Der Signal Iduna Park (bis Dezember 2005 Westfalenstadion) ist die Heimstätte des Bundesligisten und mit rund 80.000 Zuschauerplätzen das größte reine Fussballstadion Deutschlands. Die britische Zeitung "Times" wählte den Signal Iduna Park in einer Top Ten-Liste der schönsten Stadien der Welt auf Rang eins.

Erbaut wurde das Stadion zwischen 1971 und 1974 für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 1974 (vier Spiele) und wurde seit 1995 in mehreren Umbauphasen immer wieder erweitert. Auch bei der WM-Endrunde 2006 fanden hier sechs Duelle statt, darunter das Halbfinale zwischen Gastgeber Deutschland und dem späteren Weltmeister Italien (0:2 n. V.).