"Hamburg meine Perle, du wunderschöne Stadt, du bist mein Zuhaus', du bist mein Leben!"
Es sind Zeilen aus dem Song, der vor jedem Heimspiel des deutschen Bundesligisten Hamburger SV live vor der Nordkurve der hanseatischen Anhänger gesungen wird. Fahnen, Schals und die Fans selber schunkeln im Takt und singen voller Inbrunst mit.
Das Gründungsmitglied der Bundesliga blickt auf eine mehr als 100-jährige Geschichte zurück. Darüber hinaus ist der HSV der einzige Verein, der noch nie abgestiegen ist und somit als einziger Klub alle Bundesliga-Spielzeiten miterlebte. FIFA.com nimmt den Klub von der Elbe genauer unter die Lupe.
Die Geburtsstunde einer Institution
Der Hamburger SV ist einer der ältesten Sportvereine Deutschlands und wurde laut Vereinssatzung am 29. September 1887 gegründet. Begonnen hatte die Erfolgsgeschichte damals mit dem Zusammenschluss zweier Sportklubs aus Hohenfelde und Wandsbek-Marienthal zum SC Germania von 1887.
Nach weiteren Fusionen, unter anderem mit dem FC Falke 1906 und dem Hamburger FC, einigte man sich 1919 letztendlich auf den bis heute bekannten Namen Hamburger Sportverein. Als Vereinsfarben wählte man blau-weiß-schwarz - zusammengesetzt aus den Farben der fusionierten Vereine. Als Spielfarben wählte man die Farben der Stadt Hamburg: Rote Hose und weißes Hemd.
Bereits kurz nach dem Zusammenschluss feierten die Rot-Hosen mit den deutschen Meisterschaften 1922/23 und 1927/28 die ersten Erfolge. Im Laufe der nächsten Jahre entwickelten sich die Hamburger zu einer der Top-Adressen in Norddeutschland. Einer, der wie kein Zweiter für den Klub von der Elbe steht, ist Uwe Seeler. Er wurde 1960 Deutschlands erster "Fussballer des Jahres" und hatte großen Anteil am Gewinn der vierten Meisterschaft des HSV. Uns Uwe wurde 1964 und 1970 noch zwei weitere Male "Fussballer des Jahres" und beendete 1972 seine aktive Karriere.
"Ich bin Ur-Hamburger und trage die Raute des HSV im Herzen. Ich bin begeisterter Fan. Der HSV ist mein Verein", erklärt der ehemalige HSV-Präsident im Interview mit FIFA.com.
Die Entstehung einer Legende
Kein Wunder also, dass der Hamburger SV auch zu den Gründungsmitgliedern der 1963 gegründeten Fussball-Bundesliga gehörte. Doch im Gegensatz zu vorher mussten sich die Hanseaten in der Anfangszeit vielfach mit Plätzen im Tabellen-Mittelfeld zufrieden geben. Ein Rekord aus dieser Zeit ist aber bis heute ungebrochen. Am 22. Spieltag der Saison 1965/66 erreichte der HSV mit 8:0 gegen den Karlsruher SC den bis heute höchsten Heimsieg.
Die erste deutsche Meisterschaft in der Bundesliga folgte 1979 zu Zeiten, in denen der Hamburger SV von Trainerlegenden Branko Zebec und Ernst Happel zu einer Spitzenmannschaft geformt wurde. Es folgten zwei Vize-Meisterschaften, ehe 1982 der nächste deutsche Meistertitel in den Norden geholt wurde. Anschließend gelang die Titelverteidigung dank der besseren Torbilanz gegenüber dem punktgleichen Nordrivalen Werder Bremen. Vom 16. Januar 1982 bis zum 29. Januar 1983 blieben die Hanseaten in 36 Spielen hintereinander ungeschlagen - bis heute Bundesliga-Rekord.
Doch nicht nur national, sondern auch auf dem internationalen Parkett sorgte der HSV zu dieser Zeit für Furore. 1982 unterlag man erst im UEFA-Pokalfinale gegen IFK Göteborg (0:1, 0:3). Ein Jahr später folgte der größte internationale Triumph: Gegen das hochfavorisierte Juventus Turin war es Felix Magath, der den Hamburgern mit seinem Tor den 1:0-Finalsieg im Europapokal der Landesmeister bescherte. Den bislang letzten großen Titel gewannen die Hamburger 1987, als sie sich im DFB-Pokalfinale mit 3:1 gegen die Stuttgarter Kickers durchsetzten.
Die Gegenwart
Seitdem wartet die Hansestadt auf einen weiteren Triumph. Jahre im Mittelmaß folgten, ehe der Verein Anfang des neuen Jahrtausends Vierter (2002/03), Dritter (2005/06) und erneut Vierter (2007/08) wurde. In der Saison 2008/2009 schien der Bundesliga-"Dino" endgültig in der deutschen Vereins-Spitze zurückgekehrt zu sein. Unter ihrem Trainer Martin Jol erreichte das Team das Halbfinale im DFB- und UEFA-Pokal und kämpfte bis wenige Spieltage vor Schluss um die deutsche Meisterschaft. Am Ende erreichte man nur dank eines Treffers von Nationalspieler Piotr Trochowski Treffer in der 90. Minute des 34. Spieltages bei Eintracht Frankfurt die UEFA Europa League.
Übrigens: Auch das Maskottchen des HSV erinnert an die lange Tradition der Hamburger. "Hermann", ein Dinosaurier, der nach dem langjährigen Masseur Hermann Rieger benannt ist, wurde im August 2003 im Zuge des 40-jährigen Bundesligajubiläums beim Spiel HSV gegen den FC Bayern München im August 2003 der Öffentlichkeit vorgestellt, indem es aus einem Ei schlüpfte. Seine Rückennummer 87 ist dem Jahr der Vereinsgründung (1887) geschuldet.
Das Stadion
Die Heimstätte des Hamburger SV im Bahrenfelder Volkspark hat ebenfalls eine lange Tradition. Begonnen hat alles mit dem "Altonaer Stadion", das am 11. September 1925 vor gut 50.000 Zuschauern eingeweiht wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1953 das Volksparkstadion, das unter anderem Schauplatz der WM-Endrunde 1974 war, an gleicher Stelle errichtet.
1998 entstand dann aus eines der unbeliebtesten Stadien Deutschlands eine der schönsten Arenen des Landes. Der Neubau wurde um 90 Grad gedreht und soll nach mehreren Umbauten ab dem kommenden Jahr eine Zuschauerkapazität von mehr als 60.000 Zuschauern haben. 2010 wird hier das Finale der UEFA Europa League stattfinden.



