Der griechische Vereinsfussball hat mit dem unangefochtenen Rekordmeister Olympiakos Piräus wahrlich ein prächtiges Aushängeschild, doch wer nun annimmt, dass es neben der Thrylos (zu deutsch: Legende) keinen echten Konkurrenten gibt, der irrt.

Panathinaikos Athen nämlich ist der größte Gegner und hat in der 100-jährigen Klub-Geschichte zahlreiche Rekorde erzielt, die bis heute im griechischen Fussball noch Bestand haben.

Die Geburtsstunde einer Institution
Es war vor allem einem Brüderpaar zu verdanken, dass der Hauptstadt-Klub Anfang des 20. Jahrhunderts aus der Taufe gehoben wurde. Am 3. Februar 1908 gründeten Giorgios, der erste Trainer und Kapitän des Vereins, und Alexandros Kalafatis, erster Klub-Präsident, gemeinsam mit 14 anderen Männern den Panhellenic Football Club, kurz POA. Doch erst nach einer weiteren Umbenennung in Panhellenic Football Club (PPO) fand man 1924 mit Panathinaikos Athletikos Omilos (PAO) den endgültigen Namen.

Dazu wurde aus weiß (Trikot) und schwarz (Hose) ein einheitliches Grün. Als Wappen wurde 1918 das dreiblättrige Kleeblatt eingeführt, dass der damalige Generalsekretär des Klubs, Michalis Papazoglou, auf einer Reise ins damalige Konstatinopel (Istanbul) entdeckt hatte.

Die Entstehung einer Legende
Schon in den 20er Jahren konnte Panathinaikos gemeinsam mit dem Stadtrivalen AEK die Vormachtstellung in Athen ausbauen und festigen. Gleich sechs Athener Stadtmeisterschaften in Folge konnten die Grünen für sich entscheiden.

Interessant: Genau wie damals ist das heutige Bild des griechischen Fussballs von drei Städten mit je zwei Vereinen geprägt. Neben den beiden Hauptstadt-Klubs sind es Olympiakos und Ethnikos in Piräus sowie Aris und PAOK in Thessaloniki.

Die Grünen jedenfalls erwarben sich dank der beachtlichen Erfolge ihrer Anfangszeit Respekt und Anerkennung über die Landesgrenzen hinaus. Bereits 1925 bestritt man das erste internationale Spiel. 1:1-Unentschieden hieß es gegen den jugoslawischen Klub Vittoria Zagreb.

Die erste Meisterschaft feierte der Hauptstadtklub 1930 unter dem ungarischen Trainer Joseph Kinsler. Zehn Jahre später durfte man auch erstmals den Sieg im griechischen Pokal feiern. Die erfolgreichste Zeit kam dann nach dem Zweiten Weltkrieg. Bis 1965 holte Panathinaikos sieben Meisterschaften und zwei Pokale, 1963/64 blieb das Team sogar ungeschlagen.

Unter einem weiteren Ungarn, dem legendären Ferenc Puskás, zog das Trifylli (zu deutsch: Kleeblatt) 1971 ins Finale des Europapokals der Landesmeister ein, wo man allerdings gegen Ajax Amsterdam mit Johan Neeskens, Johan Cruyff und Arie Haan mit 0:2 den Kürzeren zog.

Auch in der Folgezeit bliebe PAO auf europäischer Ebene das Aushängeschild Griechenlands und erzielte in der UEFA Champions League sowie dem UEFA-Pokal regelmäßig Achtungserfolge. Unter anderem war 1996 in der Königsklasse das Endspiel schon zum Greifen nahe, als man beim Finalgegner von 1971 in Amsterdam in der Runde der letzten Vier mit 1:0 siegte, doch im Rückspiel kam durch eine 0:3-Pleite das Aus.

Verständlicherweise spielte in der Vergangenheit bei Panathinaikos auch ein Großteil der Nationalmannschaft der Hellenen. Bei der UEFA EURO 2008 stellten die Athener mit zehn Spielern gemeinsam mit Olympique Lyon die meisten Akteure. Im Playoff-Spiel zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ kamen gar 14 Grüne zum Einsatz.

Doch dies hat sich inzwischen grundlegend gewandelt. Bei der UEFA EURO 2012 standen mit Kostas Katsouranis, Sotiris Ninis sowie Kapitän Giorgos Karagounis lediglich drei Spieler im griechischen EM-Kader.

Die Gegenwart
Wie bereits eingangs erwähnt hat Olympiakos Piräus in den letzten Jahrzehnten den Grünen den Rang zumindestens national mehr oder minder abgelaufen. Ein Beleg dafür? Zwischen 1997 und 2012 holte Olympiakos 14 der möglichen 16 Meisterschaften. Einzig 2004 und 2010 konnte Panathinaikos die Dominanz kurzzeitig durchbrechen. Immerhin schafften die Hauptstädter in jenen Jahren zum siebten bzw. achten Mal das Double.

2008 war angesichts des 100-jährigen Bestehens ein bedeutendes Datum für den Hauptstadt-Klub. Ein besonderes Trikot, dazu zahlreiche Veranstaltungen sowie Freundschaftsspiele im ganzen Jahr ließen die ruhmreiche Vergangenheit noch einmal aufleben. Sogar das seit 1918 bestehende Vereinswappen änderte man kurzzeitig. In einem offenen Wettbewerb wurde aufgerufen, ein spezielles Jubiläumsemblem zu entwerfen. Am Ende gewann ein aus mehreren Herzen bestehendes Kleeblatt das an die Zahl 100 erinnert. Dies wird seither auf den Trikots zusammen mit dem traditionellen Wappen abgebildet.

Stolz kann man auf den Klub aus der Haupstadt zweifelsohne sein, denn es ist nicht nur eine Bestmarke, die die Erfolgsgeschichte des Trifylli pflastert. Unter anderem stehen da der griechische Rekord mit 75.473 Zuschauern in einem Spiel (1986), der beste Zuschauerschnitt (1985/86), der Rekord für die meisten Unentschieden (15; 1979/80) sowie die wenigsten Unentschieden in einer Saison (1; 1997/98) oder die meistverkauften Dauerkarten (2010/11) zu Buche - die Beliebheit der Fans übertrifft die des Rivalen aus Piräus also um Längen.

Das Ziel der Grünen für die Zukunft ist klar: Die nationale Vorherrschaft von Olympiakos baldmöglichst zu brechen. Und dafür wurde bzw. wird kräftig investiert. Allein im Jubiläumsjahr wurden rund 23 Millionen Euro für Neuzugänge ausgegeben – so viel wie kein griechischer Verein zuvor.

Für den Fussball im Land des Europameisters von 2004 kann es zweifelsohne nicht Besseres geben als zwei gleichwertige Top-Klubs, die um die Meisterschaft kämpfen. So darf man gespannt sein, wie der Angriff der Hauptstädter auf den Rekordmeister in den nächsten Jahren vonstatten gehen wird.

Das Stadion
Die Geschichte zwischen Verein und Stadion verdient eigentlich einen eigenen Artikel. Erst 1922, und damit fast 14 Jahre nach Gründung, bekam Panathinaikos mit dem Apostolos-Nikolaidis-Stadion ihre erste richtige "Heimat". Immer wieder wurde die Arena in den folgenden Jahren modernisiert, ehe sich der Verein 2007 entschloss, endgültig dem Leoforos den Rücken zu kehren und fortan die Spiele im Olympiastadion von Athen gemeinsam mit AEK (ca. 71.000 Sitzplätze) auszutragen. Dies sollte eigentlich nur eine Übergangslösung sein, denn Pläne für eine eigene Arena sind bereits präsentiert worden. Doch wann einer der prestigeträchtigsten Vereine Griechenlands dort einziehen wird, steht noch nicht fest.