Der Club Deportivo Saprissa ist zweifelsohne der gegenwärtig stärkste Verein in Mittelamerika. Das sogenannte Monstruo Morado (Lila Monster) hat seit Jahren die Liga Costa Ricas unerbittlich im Griff und hat außer verschiedenen Titeln in der CONCACAF-Zone auch schon einen beachtlichen dritten Platz bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2005 geholt.
Die Geschichte Saprissas geht viele Jahrzehnte zurück. Dabei kann man auf zahllose Siege und Jubelfeiern, aber auch auf ganz bescheidene Anfänge und Krisen zurückblicken, in denen der Verein fast von der Bildfläche verschwunden wäre. Nicht zu vergessen die Millionen von Fans, für die die violette Farbe des Vereins in Costa Rica eine Art Religion geworden ist.
Die Geburtsstunde einer Institution
Der Verein Deportivo Saprissa wurde im Jahr 1935 gegründet, dank der Bemühungen eines gewissen Roberto Beto Fernández. Dieser bescheidene Schuster und fanatische Anhänger des Fussballs bat seine Freunde, mit ihm eine Mannschaft zu bilden, um an Turnieren in Costa Rica teilnehmen zu können. Darüber hinaus überzeugte er einen Unternehmer aus San José, Ricardo Saprissa, davon, ihnen einen Satz Trikots zu kaufen. Im Gegenzug würde der Verein seinen Namen tragen.
Don Ricardo stellte die Bedingung, dass die Farben des Trikots blau und rot sein mussten, wie die des Polo-Teams von Barcelona, der Stadt, aus der er stammte. Durch einen Fehler in der Wäscherei verliefen jedoch die Farben, so dass die Trikots eine lila Färbung annahmen, die seitdem zu einem Markenzeichen des Vereins geworden sind.
Die Entstehung einer Legende
Ganz allmählich begann Saprissa, die Leiter im Fussball Costa Ricas empor zu klettern. Ab 1947 nahm dieser Aufstieg dann ein schwindelerregendes Tempo an. In diesem Jahr übernahm Francisco Pachico García die technische Leitung des Vereins. Jetzt holte man endlich den heiß ersehnten Titel in der dritten Liga. Es sollte noch nicht alles sein. Ein Jahr später schaffte die Mannschaft den Aufstieg in die höchste Liga des Landes, nachdem man die Meisterschaft in der zweiten Division ohne Niederlage geholt hatte.
Knapp vier Jahre später, in der Spielzeit 1952/1953, holten die Morados ihren ersten Ligatitel unter Trainer Otto Pedro Bumbel, was ihnen noch zwei weitere Male in den 50er Jahren gelingen sollte. Am Ende des Jahrzehnts unternahm Saprissa als erster Verein Mittelamerikas eine Welttournee. Dabei bereiste das Team 25 Länder und bestritt 22 Partien, von denen man 14 gewann, ein Mal unentschieden spielte und sieben Mal verlor, das alles bei einem Torverhältnis von 66 zu 46.
In den 60er und 70er Jahren war die Dominanz Saprissas erdrückend. Die Morados holten nicht weniger als zwölf Titel in zwanzig Jahren. Dabei entstand eine eingefleischte Rivalität mit einem anderen großen Verein aus San José, nämlich Liga Deportiva Alajuelense. Spieler wie Mario Cordero, Guillermo Coco Hernández, Édgar Marín, Fernando Príncipe Hernández, Carlos Solano und Gerardo Ureña waren Beleg für eine Generation herausragender Fussballer.
Obwohl in den 80er Jahren die Erfolge ein wenig ausblieben, war es doch das Jahrzehnt des besten Stürmers in der Geschichte des Vereins, des großen Evaristo Coronado, der 14 Jahre lang das lila Trikot trug, in dem er nicht weniger als 181 Tore erzielte. Man bezeichnete ihn auch als El Caballero del Fútbol (Gentleman des Fussballs). Nur ein einziges Mal wurde er vom Platz gestellt, und das aufgrund eines Fehlers des Schiedsrichters, wie dieser später einräumte.
In den 90er Jahren gab es Höhen und Tiefen. Vier Mal holte man den Titel, doch im Laufe der Jahre wurde die sportliche wie auch finanzielle Krise des Vereins immer bedrohlicher. Obwohl man als populärster Verein des Landes galt, stand Saprissa zu Beginn des 21. Jahrhunderts kurz davor, von der Fussballlandkarte zu verschwinden.
Die Gegenwart
Der Retter in der Not hieß Jorge Vergara. Im März 2003 kaufte der mexikanische Unternehmer, Eigentümer der Mannschaft von Chivas Guadalajara in Mexiko, das lila Team und verkündete die Entscheidung, nur noch mit Spielern aus Costa Rica weiterzumachen. Die Skepsis, mit der die Presse und auch die Fans die Veränderungen aufnahmen, wich bald einem breiten Enthusiasmus. Saprissa wurde wieder ein großer Verein.
Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends dominiert in Costa Rica wieder die Farbe Lila. Mit Ausnahme der Saison 2004/05 hat der Verein sämtliche Meisterschaften seit der Übernahme durch Vergara gewonnen. Auch 2008 wurde der Titel geholt. Darüber hinaus gewann man 2005 den CONCACAF Champions Cup und holte einige Monate später den dritten Platz bei der Klub-Weltmeisterschaft in Japan.
Das Stadion
Das Estadio Ricardo Saprissa ist das beste Fussballstadion Mittelamerikas. Es wurde 1972 eingeweiht und hat ein Fassungsvermögen von 23.112 Zuschauern. Es war das erste Stadion mit einem Kunstrasen-Spielfeld und ist offizieller Austragungsort der Partien der Nationalmannschaft Costa Ricas.



