Man muss nicht unbedingt auf eine Jahrhunderte alte Tradition zurückblicken, um im Fussball einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Beleg dafür ist der Club Bolívar, der in der 87-jährigen Vereinsgeschichte mit einer Spielweise überzeugt hat, die ihm den Beinahmen Academia einbrachte.
Dies ist vielleicht auch der Grund, warum einige der herausragendsten bolivianischen Fussballer in seinen Diensten standen und den Club Bolívar zum bekanntesten und erfolgreichsten Verein des Landes geführt haben.
FIFA.com wirft einen Blick auf die Geschichte des Club Bolívar.
Die Geburtsstunde einer Institution
Als eine Gruppe von Freunden aus der Mittelklasse von La Paz um das Jahr 1925 herum den Entschluss fasste, einen Fussballverein zu gründen, war eines von vorneherein klar: der Verein sollte einen spanischen Namen erhalten. Auf diese Weise wollten sie sich vom Trend der damaligen Zeit lossagen, wonach neu gegründete Vereine vornehmlich englische Namen erhielten.
Da das Land zu diesem Zeitpunkt die Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag der Unabhängigkeit beging, stieß der Vorschlag, den Verein nach dem bolivianischen Nationalhelden und ersten Präsidenten der Republik, Simón Bolívar, zu benennen, nur auf geringe Gegenwehr. Da der Vereinsname auch die Verbindung zwischen Sport und Kultur zum Ausdruck bringen sollte, wurde die Bezeichnung "Atlético Bolívar-Literario Musical" vorgeschlagen.
Aus praktischen Erwägungen entschloss man sich allerdings zu einer Verkürzung der Bezeichnung. So feierte am 12. April 1925 der Club Atlético Bolívar seine Geburtsstunde. Auf ähnliche Überlegungen ist auch die Wahl der zur damaligen Zeit sehr außergewöhnlichen Trikotfarbe zurückzuführen: das Himmelblau, das die Spieler des Vereins bis heute mit Stolz tragen.
Die Entstehung einer Legende
Bolívar wurde 1927 in den Fussballverband von La Paz aufgenommen und schloss gleich die erste Saison als Vizemeister ab. Academia begründete seinen Mythos als große Mannschaft vor allem im Amateurfussball, gewann zwischen 1932 und 1949 sechs Mal die regionale Meisterschaft und wurde fünf Mal Vizemeister.
Als der Klub in die halbprofessionelle Liga aufstieg, spielte dort bereits der unvergessliche Víctor Ugarte, der als einer der besten bolivianischen Fussballer aller Zeiten gilt. Angeführt vom Maestro gewann Bolívar in den 50er Jahren drei Meistertitel - zuletzt 1956. Dieses Jahr sollte aber vor allem aufgrund zahlreicher internationaler Begegnungen, die in Südamerika für großes Aufsehen sorgten, in Erinnerung bleiben.
Den absoluten Höhepunkt bildete der historische 7:2-Sieg in La Paz gegen River Plate, das sich 1957 zum dritten Mal in Folge den argentinischen Titel sichern sollte. An diesem Tag konnte sich alleine Ugarte drei Mal in die Torschützenliste eintragen.
1964 folgte schließlich mit dem Abstieg in die zweite Liga der Region La Paz der absolute Tiefpunkt. Zeitgleich mit dem Projekt Wiederaufstieg wurde aber auch eine neue Ära eingeläutet, die 1966 im Gewinn der Copa Simón Bolívar, die zum damaligen Zeitpunkt als Pendant der nationalen Meisterschaft galt, gipfelte.
In diesen Jahren wuchs auch die Rivalität zum Club The Strongest, dem anderen großen Verein aus La Paz. Diese Rivalität durchbrach die Grenzen der Hauptstadt, nachdem 1977 die Profiliga ins Leben gerufen worden war, wodurch die Begegnung zum Superclásico des Landes wurde.
Angeführt von Mario Mercado, dem einflussreichsten Präsidenten in der Geschichte des Klubs, hatte sich Bolívar wie kaum ein anderer Verein für die Einführung einer nationalen Meisterschaft ausgesprochen, die der Klub 1978 schließlich gewann. Die Vereinslegenden Carlos Aragonés und einige Jahre später Carlos Borja holten in den 80er Jahren weitere vier Titel.
Mit ihnen zusammen glänzten Spieler wie Erwin Romero, der Argentinier Carlos López und das Eigengewächs Vladimir Soria, der alleine aufgrund der Tatsache, dass er nie bei einem anderen Klub spielte, zu einem der größten Idole des Vereins avancierte. "Wie hätte ich mir jemals ein anderes Trikot anziehen können, nachdem ich dieses angehabt hatte?", sagte er einmal nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn.
Sie waren es, die Bolívar zu einer Pokalmannschaft machten, die sich in diesem Zeitraum fünf Mal für die Copa Libertadores qualifizierte. Zwischen 1983 und 1994 blieb der Klub in diesem Wettbewerb 24 Heimspiele in Folge ohne Niederlage. Den größten Erfolg feierte der Verein allerdings 1986 mit dem Einzug ins Halbfinale. Dort stießen sie auf Club Olimpia und América de Cali, das drei Mal in Folge im Endspiel gestanden hatte.
Zu besonderem Ruhm kam Academia in den 90ern, in denen der Verein dank der nationalen Vorherrschaft sieben Mal in der Copa Libertadores antreten durfte. Über das Viertelfinale kam die Mannschaft jedoch nie hinaus. Damals spielten bei Academia Stars wie Milton Melgar, Marco Antonio Sandy, Marco Etcheverry und Julio Valdivieso, die allesamt bei der WM 1994 auf dem Platz standen und zur "Goldenen Generation" des bolivianischen Fussballs gehörten.
Die Gegenwart
Sandy impfte der nachfolgenden Generation, der unter anderem Óscar Sánchez und Límberg Gutiérrez angehören, scheinbar das Sieger-Gen ein. Unter der Leitung von Soria verpasste Bolívar 2004 sogar nur knapp einen internationalen Titel, musste sich aber im Endspiel der Copa Sudamericana gegen die Boca Juniors geschlagen geben. Die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft im Jahr 2008 wirkte sich nicht nachteilig auf die Popularität aus, die Umfragen zufolge bei 35 Prozent liegt. Mit dem Titelgewinn 2011 kommt der Verein seit 1977 auf 17 Titel und damit fast doppelt so viele wie der ärgste Widersacher The Strongest (neun).
2012 war ein durchwachsenes Jahr für Bolívar: Auch wenn die Mannschaft als erstes bolivianisches Team seit dem eigenen Viertelfinaleinzug im Jahr 2000 das Achtelfinale der Copa Libertadores erreichte, kam die 0:8-Rückspielniederlage gegen den FC Santos auch dem Aus mit einer der höchsten Niederlagen in der Geschichte des Wettbewerbs gleich. Dennoch bleibt festzuhalten, dass keine andere Mannschaft des Landes 28 Teilnahmen an der Copa Libertadores vorzuweisen hat bzw. unter den zehn Teams mit den meisten Teilnahmen rangiert.
Das Stadion
Das 1976 eingeweihte Estadio Libertador Simón Bolívar bot ursprünglich Platz für 30.000 Zuschauer. Derzeit ist die Kapazität aufgrund baulicher Maßnahmen allerdings auf 15.000 reduziert. Aus diesem Grund trägt Academia seine Heimspiele im Estadio Hernando Siles de La Paz aus, dem größten Stadion des Landes. Die 1931 eingeweihte Sportstätte bietet Platz für 42.000 Personen und war bereits drei Mal Austragungsort einer Copa América, zahlreicher Ausscheidungsbegegnungen für FIFA Fussball-Weltmeisterschaften™ und Veranstaltungsort unterschiedlicher Events.










