Im ecuadorianischen Fussball holten gewöhnlich Barcelona de Guayaquil, Emelec und Nacional die Titel, bis ein weiterer Gigant sich einen Ehrenplatz eroberte: Liga Deportiva Universitaria de Quito, kurz Liga de Quito.

Das Team in den weißen Trikots holte in den ersten 33 Jahren des offiziellen Wettbewerbs nur drei Titel, machte sich allerdings als einzige Mannschaft einen Namen, der es gelang, sowohl die Copa Libertadores als auch die Recopa Sudamericana zu gewinnen. FIFA.com lässt die Geschichte des Traditionsklubs Revue passieren.

Die Geburtsstunde einer Institution
Genau wie einige andere Klubs der Region wurde auch Quito ursprünglich unter einem anderen Namen gegründet, nämlich Universitario. Das Projekt wurde auf Wunsch der "Doctorcitos" ins Leben gerufen, einer Gruppe von Studenten der Universidad Central del Ecuador, die in der populärsten Sportart des Landes am Wettbewerb teilnehmen wollte. Bereits im Oktober 1918 wurde von den Studenten eine erste Fussballmannschaft gegründet, die im Januar 1930 Vereinsform annahm. Schon damals umfasste der unter der Leitung von Vereinspräsident Doktor Bolívar León stehende Klub diverse Sportarten.

Es heißt, dass besagter Bolívar León die erste Mannschaft des Klubs selbst anführte und gleichzeitig für das Design der Trikots verantwortlich war. Diese waren weiß mit einem "U" in derselben Farbe, das mit zwei Dreiecken in den Farben Blau und Rot unterlegt war. Die Mannschaft setzte sich ausschließlich aus Studenten zusammen, die alle Kosten logischerweise selbst tragen mussten.

Größter Widersacher war ursprünglich Aucas, derzeit ist es allerdings Deportivo Quito. Die Lokalderbys zwischen den beiden Teams sind inzwischen zu einem Klassiker geworden, verbunden mit der bei den fussballbegeisterten Nationen des Kontinents üblichen Rivalität. Im Laufe der Vereinsgeschichte haben bereits diverse Helden des ecuadorianischen Fussballs das Trikot des Klubs übergestreift, unter anderem Alex Aguinaga und Agustín Delgado.

Die Entstehung einer Legende
Quito errang den ersten Titel im Profifussball der Provinz Pichincha 24 Jahre nach der Vereinsgründung. Die großen Erfolge sollte der Klub allerdings erst viele Jahre später feiern.

Die erste Liga der ecuadorianischen Meisterschaft wurde offiziell 1957 ins Leben gerufen. Quito brauchte jedoch einige Zeit, um dort Fuß zu fassen, und feierte erst 1969 den ersten Titelgewinn, in einem Jahrzehnt, das wohl als einer der Höhepunkte der Vereinsgeschichte gelten kann. Es stand ganz im Zeichen des Erfolgsteams, das auch den Beinamen La Bordadora erhielt. Der Meistertrainer war kein geringerer als der Brasilianer José Gomes Nogueira, der von den Ecuadorianern als "meisterhafter und weiser Fussballlehrer" bezeichnet wurde. Kurze Zeit später mussten die Albos allerdings einen herben Rückschlag hinnehmen.

Nur den Besten gelingt es, nach Tiefschlägen sofort wieder Fuß zu fassen, und Quito stellte unter Beweis, dass man zu dieser Kategorie zählte. Nachdem der Klub 1972 in die zweite Liga abgestiegen war, waren viele überzeugt davon, dass man wohl einige Zeit dort bleiben würde. Sie sollten sich täuschen: Der Verein schaffte nicht nur den direkten Wiederaufstieg, sondern blieb dabei auch noch unbesiegt und legte eine Saison hin, mit der man alle Rekorde der damaligen Zeit brach.

Während der nachfolgenden Jahrzehnte waren Nacional, Barcelona und Emelec die Erfolgsteams, wobei Quito 1974 und 1975 zwei Meistertitel in Folge verbuchen konnte. Drei Titel in den 90er Jahren, einer wichtigen Epoche in der Vereinsgeschichte, boten bereits einen Vorgeschmack auf das, was im 21. Jahrhundert folgen sollte. 1998 gelang ein 7:0 gegen den großen Ligakonkurrenten Emelec, ein Ergebnis, das noch immer als einer der glorreichsten Augenblicke des Vereins gilt. Zu dieser Zeit ging der Stern zahlreicher Spieler von internationalem Renommee auf. Zu nennen sind unter anderem Ulises De la Cruz, Eduardo Hurtado, Neicer Reasco und Byron Tenorio.

Im Jahr 2000 folgte ein weiterer überraschender Abstieg, aber auch dieses Mal stellten die Albos ihre Klasse mit dem direkten Wiederaufstieg unter Beweis. Das Beste stand noch bevor.

Die Gegenwart
Das Beste sollte für Quito aber noch kommen, und zwar im Jahr 2008. Unter der Leitung des argentinischen Trainers Edgardo Bauza sicherte sich das Team die Copa Libertadores durch einen Sieg im Elfmeterschießen gegen Fluminense im Hexenkessel des Maracanã-Stadions. Diesen Erfolg durften sich viele brillante Akteure auf die Fahnen schreiben, unter anderem Torwart Francisco Cevallos, Patricio Urrutia und Luis Bolaños, die im Mittelfeld unermüdlich die Bälle verteilten, sowie die gefährlichen Offensivkräfte Joffre Guerrón und Claudio Bieler. Sie alle gingen in die Fussballgeschichte des Landes ein, indem sie zum ersten Mal einem ecuadorianischen Verein zum Sieg in diesem prestigeträchtigen kontinentalen Wettbewerb verhalfen. Einige Monate später musste man sich im Finale der FIFA Klub-Weltmeisterschaft in Japan nur knapp gegen Manchester United geschlagen geben (0:1) und zeigte auf dem Spielfeld viel Klasse.

2009 baute Quito seinen guten Ruf dann mit dem Titelgewinn in der Recopa Sudamericana weiter aus. Dieses Mal setzte man sich gegen Internacional Porto Alegre durch. Noch nie hatte eine Mannschaft aus Ecuador so viel gewonnen, und die Erfolge zogen eine Einladung zum Peace Cup nach sich, wo man gegen Mannschaften wie Real Madrid, Juventus Turin, den FC Porto, Aston Villa und Olympique Lyon antrat.

Das Stadion
Das Casa-Blanca-Stadion ist eines der neuesten in Südamerika und gerade einmal zwölf Jahre alt. Baubeginn war 1995, die Einweihung erfolgte am 6. März 1997. In der Arena finden 55.400 Zuschauer Platz, die bei den Heimspielen für eine großartige Atmosphäre sorgen und jedes Mal eine wichtige Stütze für die Mannschaft sind.