Nach einem unglaublich spannenden Spieltag am Donnerstag am Praia da Baía in Espinho stehen die Halbfinal-Partien der FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft nun fest: Russland trifft auf Portugal, Italien tritt gegen Tahiti an.

Gleich in der ersten Viertelfinal-Partie trafen die beiden siegreichsten Teams aller Zeiten aufeinander – ein ungemein vielversprechendes Duell. Und tatsächlich lieferten der amtierende Doppelweltmeister Russland und der viermalige Weltmeister Brasilien sich eine packende und denkwürdige Partie.

Die Osteuropäer gingen zunächst mit 2:0 in Führung, doch Brasilien drehte die Partie innerhalb von 50 Sekunden. Damit war dieser Klassiker der Superlative jedoch noch längst nicht entschieden. Tatsächlich bedurfte es einer Verlängerung, um den Sieger zu ermitteln, und am Ende hatten die Russen die Nase vorn. Der entscheidende Treffer fiel neun Sekunden vor Schluss. Damit ist Russland weiterhin auf Kurs und könnte zum dritten Mal in Folge Weltmeister werden. Brasilien steht hingegen seit Einführung des Turniers zum ersten Mal nicht im Halbfinale.

Der nächste Gegner Russlands hat es allerdings in sich: Es handelt sich nämlich um keinen Geringeren als den Gastgeber. Die Portugiesen setzten sich mit einem grandiosen Auftritt gegen die Schweiz durch und taten damit einen weiteren Schritt in Richtung des ersehnten ersten Weltmeistertitels. Der 7:3-Sieg sorgte für Begeisterungsstürme bei den Fans auf den Tribünen, die unter anderem ein geradezu unglaubliches Tor von Madjer zu sehen bekamen. Es war einer dieser Treffer, die in die Geschichte des Turniers und der gesamten Sportart eingehen werden.

Wesentlich taktischer geprägt war die Partie zwischen Italien und Japan, zwei Teams mit einer sehr soliden Abwehr. Die Italiener setzten sich schließlich mit 3:2 durch, wobei der entscheidende Treffer weniger als zwei Minuten vor dem Schlusspfiff fiel. Damit sind sie weiterhin eines von insgesamt zwei Teams, die bei dieser WM bislang alle Spiele gewinnen konnten.

Das zweite Team ist der nächste Gegner der Italiener. Tahiti musste wirklich alles geben, um sich gegen die kampfstarke iranische Auswahl durchzusetzen, die erst ganz am Schluss ins Wanken geriet und sich nach einer 4:5-Niederlage aus Portugal verabschieden muss.

Die Ergebnisse
Brasilien – Russland 5:6 (nach Verlängerung)
Portugal – Schweiz 7:3
Italien – Japan 3:2
Tahiti – Iran 5:4

Die besonderen Momente
Verletzung von Torres überschattet Portugals Sieg
Nicht alles lief gut bei Portugals Qualifikation für das Halbfinale. Torres zog sich nach einem Zusammenstoß mit seinem Teamkameraden Coimbra einen Kieferbruch zu und kann bei den nächsten Partien nicht mehr dabei sein. "Das ist sehr traurig, aber ich bin sicher, dass er auf der Tribüne sitzen und unser größter Fan sein wird", so Bruno Novo.

Mãos erster Torerfolg
Das erste Viertelfinale endete mit einer großen Enttäuschung für Brasilien, das zum ersten Mal in der WM-Geschichte nicht ins Halbfinale einzieht. Allerdings sahen wir noch einen großen Jubel des brasilianischen Torwarts Mão, der in seinem 40. Spiel bei einer WM-Endrunde seinen ersten Treffer erzielte.

Verrückte Fans
Da zum Auftakt des Viertelfinales Brasilien und Russland sowie Portugal und die Schweiz gegeneinander antraten, war es nicht verwunderlich, dass die Fans unbedingt live dabei sein wollten. Einige Leute standen bereits um 6:00 Uhr morgens Schlange vor dem Stadion, obwohl das erste Spiel erst um 14:30 Uhr begann. Das alles lohnt sich, um den besten Strandfussball der Welt zu sehen.

Die Statistik
25
– So viele Spiele wurden in Espinho bestritten, bis es zum ersten Mal zu einer Verlängerung kam. Nachdem sämtliche Partien der Gruppenphase in der regulären Spielzeit entschieden werden konnten, mussten Brasilien und Russland im Viertelfinale in die Verlängerung gehen. Lachender Sieger war am Ende der amtierende Doppelweltmeister.

Die Zitate
"Das Tor Russlands in der Verlängerung war eine große Enttäuschung. Jetzt werden wir Portugal unterstützen, denn das ist für uns ein ganz besonderes Land. Ich hoffe, die Portugiesen kommen ins Finale."
Mão (Torhüter, Brasilien)

"Es ist unglaublich, in der Verlängerung eines Viertelfinales gegen Brasilien zu gewinnen. Unglücklicherweise habe ich den entscheidenden Treffer nicht gesehen, weil ich gerade geschaut habe, wie viel Zeit noch blieb. Schön war es trotzdem."
Anton Shkarin (Verteidiger, Russland)

"Das Ergebnis spiegelt nicht wider, wie schwierig dieses Spiel gegen die Schweiz war. Allerdings bin ich sicher, dass es gegen Russland noch kniffliger werden wird. Wir müssen versuchen, keine Fehler zu machen."
Coimbra (Verteidiger, Portugal)

"Das war meine erste Weltmeisterschaft und natürlich ist es ein gutes Gefühl, unter den besten Torschützen zu sein. Schön wäre es nur, wenn die heutigen Tore auch den Sieg gebracht hätten."
Noel Ott (Pivot, Schweiz)

"Wir haben defensiv gut gespielt, aber sie waren gewiefter. Wir haben Erfahrungen gesammelt und werden noch stärker zurückkehren."
Shotaro Haraguchi (Flügelspieler, Japan)

"Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Wir haben in der Defensive gute Arbeit geleistet und stehen jetzt im Halbfinale."
Simone del Mestre (Torhüter, Italien)

"Ich habe vor Beginn des dritten Drittels mit den Jungs gesprochen und sie aufgefordert, gelassener zu sein. Wir wollten diesen Sieg so sehr, dass wir etwas nervös geworden sind. Jetzt wollen wir ins Finale einziehen." 
Naea Bennett (Pivot, Tahiti)

"Wir haben fantastisch gespielt und nur deshalb nicht gewonnen, weil wir unsere Chancen nicht genutzt haben. Jetzt werden wir noch mehr arbeiten, um bei der nächsten WM wieder anzugreifen."
Ali Naderi (Verteidiger, Iran) 

Der Spielplan
Halbfinale
Samstag, 18. Juli

Italien – Tahiti (17:00 Uhr)
Portugal – Russland (18:30 Uhr)

(Alle Anstoßzeiten in Ortszeit)