Als wir Raimana Li Fung Kuee fragen, warum die Beach-Soccer-Auswahl Tahitis bei der Bevölkerung von Espinho so ungeheuer beliebt ist, wird die Antwort schon deutlich, bevor er das erste Wort gesagt hat. Auf seinem Gesicht macht sich nämlich ein enormes Lächeln breit. Es sind die sympathische Ausstrahlung und Herzlichkeit, gepaart mit viel Talent auf Sand, die dafür sorgen, dass die Tiki Toa, die sich seit gut einem Monat in der Stadt aufhalten, fast schon zu Ehrenbürgern Espinhos geworden sind. Sie waren zur Turniervorbereitung und Akklimatisierung bereits einige Wochen vor Beginn der FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft angereist. 

"Das ist der größte Reichtum unseres Landes: die Freundlichkeit, das Lächeln. Das ist unser Markenzeichen. Die Reisen ins Ausland und diese Dinge mit anderen Völkern teilen zu können – das sind die schönsten Dinge, die der Sport uns in den letzten Jahren gebracht hat", berichtet Kuee im Gespräch mit FIFA.com. Er wurde bei der letzten WM-Auflage, die in seinem Heimatland Tahiti stattfand und bei der er mit seinem Team ins Halbfinale einzog, als drittbester Spieler des Turniers mit dem Bronzenen Ball von adidas ausgezeichnet. "Espinho ist für uns schon zur zweiten Heimat geworden. Wir trainieren immer am Strand, besuchen die Surf-Schulen – denn die gibt es bei uns zu Hause auch –, wir waren schon in Porto, haben Geschenke ausgetauscht. Die Leute haben sich an uns gewöhnt. Und nach dem Turnier werde ich mit meiner Familie noch einige Tage hier verbringen und mir die Region anschauen."

Die Tahitianer haben sich an der Costa Verde von Anfang an wohl gefühlt. Einer ihrer Ausflüge führte sie auch an einen Ort, der nicht gerade das beliebteste Touristenziel ist. Torhüter Jonathan Torohia ist zu Hause nämlich Feuerwehrmann und wollte die Reise auch zum Besuch der Feuerwache seiner Kollegen von der freiwilligen Feuerwehr Espinho nutzen. "Für mich ist das eine Attraktion: meine Kollegen kennenzulernen, zu sehen, wie sie arbeiten und welche Ausrüstung in einem anderen Teil der Welt verwendet wird", erklärt der Mann mit der Trikotnummer eins und dass er dabei lacht, versteht sich von selbst.

Favoriten mit Sympathiepunkten
Die sympathischen Tahitianer hatten bei anderen Gelegenheiten bereits mit ähnlichen Geschichten von sich reden gemacht, insbesondere bei ihrer historischen Teilnahme am FIFA Konföderationen-Pokal 2013, wo das brasilianische Publikum sich sofort für den Repräsentanten der Ozeanien-Zone begeistern konnte. Der große Unterschied ist, dass es sich bei der Beach-Soccer-Auswahl hier in Portugal nicht etwa um ein Team handelt, dass schon damit zufrieden ist, überhaupt an diesem Turnier teilzunehmen. Tatsächlich zählen die Tahitianer hier zum Favoritenkreis.

In Tahiti gab es in den letzten Jahren nämlich eine gewaltige Entwicklung zu verzeichnen. 2009 nahm das Land anlässlich der FIFA U-20-Weltmeisterschaft der Rasenvariante zum ersten Mal an einem FIFA-Turnier teil. Es folgte die Qualifikation für die Beach-Soccer-WM 2011 in Ravenna und anschließend der brillante Auftritt zwei Jahre später vor heimischem Publikum.

"Das ist alles sehr schnell gegangen und im Falle des Beach Soccer haben wir uns tatsächlich zu einer Mannschaft entwickelt, die mit den Besten der Welt mithalten kann. Und das, obwohl wir nur eine kleine Pazifikinsel sind", meint Kuee kurz nach dem Sieg gegen Paraguay, mit dem die Tahitianer sich bereits am vorletzten Tag der Gruppenphase einen Startplatz im Viertelfinale des Turniers sicherten. "Wir sind jetzt keine Überraschungsmannschaft mehr, und die Leute erwarten viel von uns. Aber ich glaube, wir haben gelernt, mit dieser Erwartungshaltung umzugehen. Und eines steht fest: Ob wir nun der große Unbekannte oder Titelanwärter sind, wir dürfen nie aufhören zu lächeln. So ist Tahiti nun einmal."