Überraschungen auf südamerikanischem Sand

Auf den ersten Blick mag es vielleicht nicht ganz gerechtfertigt erscheinen, den Ausgang eines Turniers als überraschend einzustufen, bei dem die Favoriten ihr Minimalziel erreicht haben. Dennoch ist es angebracht, einige Ergebnisse dieser Qualifikation einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Und wenn wir schon einmal dabei sind, liefern wir Ihnen gleich eine komplette Analyse der fünften Auflage des CONMEBOL-Qualifikationswettbewerbs zur FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft, bei dem Argentinien zum ersten Mal den Titel holte. Außerdem gab es die erste Niederlage Brasiliens in der Wettbewerbsgeschichte zu verzeichnen, und Paraguay vollbrachte eine Meisterleistung und wird 2013 in Tahiti zum ersten Mal bei einer FIFA Beach-Soccer-WM vertreten sein.

Die Albiceleste und die brasilianische Auswahl waren genauso wie Japan bei allen WM-Endrunden vertreten, die in dieser Sportart bis dato ausgetragen wurden. Nachfolgend auf FIFA.com der Rückblick auf einen Qualifikationswettbewerb, der in Merlo in der argentinischen Provinz San Luis stattfand.

Die WM-Teilnehmer
Obwohl Argentinien vor eigenem Publikum antrat und sicher auch zu den Anwärtern gehörte, schien ein Titelgewinn im Vorfeld nicht gerade wahrscheinlich. Bisher war dem Team nämlich immer der Erzrivale und viermalige Weltmeister Brasilien zum Verhängnis geworden. In der Gruppenphase taten sich die Argentinier dann auch noch ziemlich schwer. Mit mehr Verteidigung als Angriff holte das Team zwei knappe Siege zum Auftakt und einen weiteren nach Neunmeterschießen gegen die Chilenen, die die Albiceleste an den Rand der Niederlage gebracht hatten. Erst als dem Team der erste Platz in Gruppe A nicht mehr zu nehmen war und damit die gefürchtete Begegnung mit Brasilien im Halbfinale vermieden werden konnte, landete man einen Kantersieg gegen Kolumbien.

Stattdessen hieß der Gegner Ecuador, und der Druck war enorm. Brasilien war nämlich im ersten Halbfinale überraschend gegen Paraguay unterlegen. Somit war klar, dass man im Falle einer Niederlage im Spiel um Platz drei gegen den Angstgegner antreten und gewinnen müsste, um sich das letzte WM-Ticket zu sichern. Die Schützlinge von Héctor Petrasso schlugen jedoch Kapital daraus, dass sie die erfahrenere Mannschaft waren, und setzten sich klar mit 5:3 durch. Im Finale gegen Paraguay spielten sie dann befreit auf und sicherten sich mit einem 6:2-Sieg verdient den Titel. Außerdem wurden Luciano Franceschini als wertvollster Spieler und Marcelo Salgueiro als bester Torhüter des Turniers ausgezeichnet.

Paraguay musste am Ende zwar mit dem zweiten Platz Vorlieb nehmen, bot jedoch im Turnierverlauf eine spektakuläre Leistung. Das Team steigerte sich von Spiel zu Spiel, setzte sich im letzten Gruppenspiel mit 9:6 gegen Chile durch und schnappte den Chilenen damit aufgrund der besseren Tordifferenz den Halbfinalplatz vor der Nase weg. Die Albirroja, die Brasilien zuvor bereits zwei Mal an den Rand der Niederlage gebracht hatte und erst nach Verlängerung unterlegen gewesen war, überwand diese mentale Hürde gerade zur rechten Zeit. Nach einem Spielstand von 6:6 setzte Paraguay sich im Neunmeterschießen mit 1:0 durch und brachte dem amtierenden Vizeweltmeister damit nach 31 Partien die erste Niederlage im kontinentalen Turnier bei.

Im Finale gegen Argentinien hatten die Guaraníes dann mental nichts mehr zuzusetzen. Sie gingen zwar zunächst in Führung, konnten diese aber nicht über die Zeit bringen. Schließlich hatten sie ihre Mission mit der WM-Qualifikation bereits erfüllt. Sie hatten das Versprechen gehalten, das sie Ende 2012 gegeben hatten, als sie sich den Titelgewinn bei den ersten Bolivarianischen Spielen im Beach Soccer gesichert und sich auf dem Weg dorthin unter anderem gegen El Salvador durchgesetzt hatten, den Viertplatzierten der WM 2011.

Brasilien setzte sich in seiner Gruppe derweil relativ problemlos durch, das einzige knappe Ergebnis war ein 6:4 im Auftaktspiel gegen Ecuador. Die beeindruckende Bilanz von drei Siegen und 24 Toren nützte im Halbfinale allerdings nichts, wo man in einer denkwürdigen Partie auf die bis in die Haarspitzen motivierten Paraguayer traf. So musste die Canarinha im Spiel um Platz drei erneut gegen Ecuador antreten, stand dieses Mal allerdings unter Hochdruck, denn zum ersten Mal lief man Gefahr, sich nicht für die WM zu qualifizieren. Eine Zeit lang schien das gar nicht so abwegig zu sein, aber dann machten die Brasilianer aus einem 5:4 noch ein klares 11:5 und verhinderten so das Debakel.

"Wir haben ein sehr starkes Team. Das haben wir gezeigt, als wir nach der bitteren Niederlage gegen Paraguay wieder zurückgekommen sind. Wir haben anderthalb Monate auf die WM-Qualifikation hingearbeitet und unser Ziel erreicht. Das werden wir feiern. Wir haben es verdient, dieses Trikot zu tragen", so Bruno Xavier nach der erfolgreichen Qualifikation. Der Stürmer, der gegen Paraguay den entscheidenden Neunmeter verschossen hatte, erzielte im "kleinen Finale" fünf Treffer und war am Ende mit 13 Toren erfolgreichster Torschütze des Turniers.

Die anderen Teams
Genau wie 2009 hielt Ecuador die Fussballmächte mit einem disziplinierten und gut organisierten Auftritt in Schach. Mit der WM-Qualifikation sollte es jedoch wieder nicht klappen, was dieses Mal noch etwas bitterer war als vor vier Jahren. Die Zukunft des Landes sieht jedoch genauso vielversprechend aus wie die von Chile, das nur ganz knapp an einem Sieg gegen Argentinien vorbeischrammte und am Ende nur aufgrund der schlechteren Tordifferenz nicht ins Halbfinale einzog. Daher ist der fünfte Platz sicher positiv zu bewerten.

Für Uruguay war dieser Qualifikationswettbewerb eine bittere Pille. Zum zweiten Mal in der Geschichte wird das Land nicht bei der WM vertreten sein. Mit dem sechsten Platz dürfte das Team genauso unzufrieden gewesen sein wie das neuntplatzierte Venezuela, das nach der WM-Teilnahme 2011 in Ravenna einen Rückschritt hinnehmen musste und punktlos auf dem letzten Platz landete.

Kolumbien (7.) und Peru (8.) konnten hingegen einige Erfolge verbuchen und dürfen angesichts der hier gesammelten Erfahrungen auf eine bessere Zukunft hoffen.

Endstand
Argentinien *
Paraguay *
Brasilien *
4° Ecuador
5° Chile
Uruguay
7° Kolumbien
8° Peru
9° Venezuela

* Qualifiziert für Tahití 2013

Wertvollster Spieler
Luciano Franceschini (ARG)

Bester Torhüter

Marcelo Salgueiro (ARG)

Fairplay-Preis
Peru

Beste Torschützen
Bruno Xavier (BRA), 13 Tore
Benjamín (BRA), 8
Castro (PER), 7
Carrasco (CHI), 6
Medero (ARG), 5
Valenzuela (CHI), 5
Moshamer (COL), 5
Rojas (COL), 5
López (PAR), 5
Matías (URU), 5

Tordurchschnitt: 8,41 (202 in 24 Partien)