
Am Sonntagabend entzauberte die russische Mannschaft von Trainer Likhachev im Stadio del Mare in Ravenna den viermaligen Weltmeister Brasilien und gewann ihren ersten Weltmeistertitel. Der Erfolg der Russen war nach dem Turnierverlauf zwar durchaus vorhersehbar, doch wie ruhig und geradlinig die Russen diesen Titel einfuhren, war dann doch erstaunlich. Auch der brasilianische Trainer Alexandre Soares gab zu, angesichts der Machtlosigkeit seines Teams gegenüber den bärenstarken Russen überrascht gewesen zu sein.
Auch einige wichtige individuelle Auszeichnungen gingen an die Russen. So gewann Torhüter Andrey Bukhlitskyi den Goldenen Handschuh von adidas, und Kapitän Ilya Leonov nimmt den Goldenen Ball von adidas mit nach Hause. Das russische Team präsentierte sich wie eine perfekt geölte Maschine, deren stärkste Waffen die physische Kraft und die Beständigkeit sind. Dies bestätigt auch der überaus gefährliche Flügelspieler Dmitryi Shishin: "Wir freuen uns riesig über unseren ersten Weltmeistertitel. Wir haben uns sehr intensiv vorbereitet und die Kompaktheit unserer Mannschaft zu unserem Erfolgsgeheimnis gemacht. Nach und nach zeigte sich, dass unsere Spielanlage, die wir uns während sehr intensiver Trainingseinheiten angeeignet haben, uns einen zusätzlichen Vorteil verschafft. Denn sie versetzt nicht nur die Angreifer, sondern uns alle in die Lage, Tore zu schießen. Ich denke, dass dies der entscheidende Faktor für unseren Erfolg war."
Bei einer perfekten Maschine greifen allerdings nicht nur die Zahnräder optimal ineinander. Shishin weiter: "Wir haben gezeigt, dass wir sehr offensiv spielen können. Kompakt zu stehen bedeutet nicht, sich einzuigeln. Gegen die Brasilianer haben wir heute allerdings hervorragend verteidigt. Trotzdem ziehen wir gern unser eigenes Offensivspiel auf."
Shishin ist dabei ein perfektes Beispiel für den Spielertyp, den der russische Trainer so erfolgreich entwickelt und gefördert hat: ein kompletter Spieler nach dem Vorbild des "totalen Fussballs" der Niederländer, der in der Lage ist, kompromisslos zu verteidigen, aber ebenso durchschlagskräftig anzugreifen. Der Flügelspieler des neuen Weltmeisters hat im gesamten Turnier nicht weniger als sieben Tore erzielt, ebenso auch Leonov und Eremeev. Shaykov gelangen sogar neun Turniertreffer.
Die Russen waren mit 44 Treffern die torgefährlichste Mannschaft des Turniers. Das macht deutlich, wie scheinbar mühelos die Spieler die Bälle im gegnerischen Tor unterbrachten. Nach den Worten Eremeevs war es allerdings keineswegs so leicht: "Es mag zwar leicht scheinen, aber in Wirklichkeit war das Spiel gegen Brasilien sehr schwer, übrigens ebenso wie alle anderen Partien. Wir haben zwar auf unsere Fähigkeiten vertraut und gute Ergebnisse eingefahren, aber im Beach Soccer ist nichts vorhersehbar, wenn ich auch sagen muss, dass wir am Ende tatsächlich die Besten waren."
Das Erfolgsgeheimnis der perfekten russischen Maschine sind gezielte Trainingseinheiten für jeden Aspekt des Spiels, so Eremeev weiter: "Nur dank unseres sehr intensiven Trainings konnten wir die entscheidenden Spielzüge umsetzen. Jeder weiß immer ganz genau, was zu tun ist. Individuell mögen die Brasilianer vielleicht stärker sein als wir, doch als Mannschaft waren wir besser als sie."
Auch der im Finale unterlegene brasilianische Trainer zollte den Siegern den verdienten Respekt und sprach nach dem Spiel von der Geburt einer neuen Macht im Beach Soccer. "Für uns war dies ein unglaubliches Jahr. Nach dem Sieg beim Superfinale im August jetzt dieser Erfolg hier in Ravenna", so Eremeev zum Schluss. Es wird ganz sicher nicht leicht, so etwas zu wiederholen, doch unser Ziel besteht natürlich darin, jetzt eine neue Serie zu beginnen und in den kommenden Jahren alles zu gewinnen, was es zu gewinnen gibt. Schließlich sind wir eine junge Mannschaft und können uns noch steigern. Wir sind noch nicht auf dem Gipfel angelangt."














