Wer einen Blick auf die Ergebnisse der brasilianischen Beach-Soccer-Nationalmannschaft wirft, könnte leicht den Eindruck gewinnen, dass Nationaltrainer Alexandre Soares im Vergleich zu seinen Kollegen ein recht entspanntes Leben führen kann. Seit er für die Seleção im September 2005 die Verantwortung übernahm, sammelte er die Kleinigkeit von 75 Siegen in Folge. Eine Serie, in deren Verlauf die Mannschaft drei Weltmeistertitel hintereinander ohne Niederlage errang.
Man könnte des Weiteren annehmen, dass es in einer so erfolgreichen Mannschaft nicht viel zu verbessern oder ändern gäbe. Doch Soares versichert, dass das genaue Gegenteil davon wahr ist: gerade weil seine Auswahl stets der Favorit ist, auf die aller Augen gerichtet sind, muss sie sogar mehr als die Konkurrenz arbeiten, um den Titel bei der FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft Dubai 2009 zu erobern.
28 Tage Trainingslager
"Brasilien versucht immer, den anderen voraus zu sein und Standards zu setzen. Nach unseren Begegnungen kopieren die anderen Teams alles, was wir machen. Wir sind die am meisten studierte und analysierte Mannschaft der Welt", erklärte Soares. "In den letzten Jahren sind wir einer genau definierten Spielweise treu gewesen, doch nun müssen wir uns ein wenig verändern, einige Aspekte in den Bereichen Taktik, Technik und körperliche Vorbereitung weiterentwickeln. In unserer Position dürfen wir uns niemals zurücklehnen."
Um diese Veränderungen und Innovationen umzusetzen, verfügt Soares über einen größeren technischen Mitarbeiterstab als je zuvor, und es gelang ihm sogar, seine Schützlinge für eine 28-tägige Vorbereitung zu versammeln, länger als für jede vorherige Weltmeisterschaft. Seit dem 14. Oktober befindet sich der Kader von 16 Spielern in einem abgeschiedenen Trainingslager in der Stadt Arraial do Cabo, in 158 Kilometer Entfernung von Rio de Janeiro.
Im Verlauf der nächsten zwei Tagen wird Soares das endgültige Aufgebot festlegen, jene zwölf Akteure, die am Strand von Jumeirah in Dubai den vierten Titel in Folge gewinnen sollen. "Eines ist sicher: Das Grundgerüst der Mannschaft ist dasselbe wie 2008 beim Titelgewinn bei der Weltmeisterschaft in Marseille. Die Veränderungen betreffen unsere Spielweise", versicherte der Trainer, der tatsächlich nicht viele Gründe haben könnte, um sich von solch außergewöhnlichen Könnern wie Benjamin, Gewinner des silbernen Balls von adidas im Jahr 2008, oder Buru, der 2007 mit dem goldenen Ball und dem goldenen Schuh von adidas ausgezeichnet wurde, zu trennen.
Immer mehr Gegner
Dass Soares mit der Seleção mal nicht als Sieger vom Platz geht, passiert so selten, dass er sich genau daran erinnern kann, wie es zustande kam. Vor allem, weil er die einzigen zwei Niederlagen, die er seit seiner Amtsübernahme 2005 erlebte, in exakt derselben Situation hinnehmen musste: Im Finale des Mundialito im portugiesischen Portimão gegen die Gastgeber. 2008 unterlag Brasilien mit 4:5, und im vergangenen August kassierte das Team erneut gegen Madjer, Alan, Belchior und Co. eine Finalniederlage, in diesem Fall mit 4:6. Sind also die Portugiesen der heißeste Anwärter darauf, Brasilien vom Thron zu stoßen?
"Es wäre ungerecht, nur von Portugal zu sprechen und die anderen europäischen Mannschaften nicht zu erwähnen. Das Niveau in Europa wird von Tag zu Tag höher, und ein deutliches Beispiel dafür sind die Russen, die sich in wenigen Jahren zu einer wahren Macht entwickelt haben. Sie sind der amtierende Europameister, wir werden sehr auf sie achten müssen, und die Mannschaft verdient allen Respekt. Dasselbe gilt für Spanien", erklärte der Trainer, der seit 18 Spielen bei der FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft nicht mehr verloren hat. "Wenn man außerdem genauer hinsieht, stellt man fest, dass wir bei unseren Turniersiegen in jedem Finale einen anderen Kontrahenten hatten: zuerst Uruguay, anschließend Mexiko und dann Italien. Beach Soccer ist eine Disziplin, die sich in der Entwicklung befindet, und das heißt, dass es immer wieder Überraschungen geben wird: Nigeria zum Beispiel hat in den vergangenen Auflagen sehr viel Klasse gezeigt und verfügt über das Potenzial, weit zu kommen."
Nachdem er seine ersten beiden Weltmeisterschaften vor heimischem Publikum am legendären Strand der Copacabana gewann und den Titel im vergangenen Jahr auf europäischen Boden verteidigen konnte, erwartet Alexandre Soares in Dubai nun eine völlig andere Atmosphäre. "Dass die Weltmeisterschaft einer Disziplin, die bisher vor allem von Südamerikanern und Europäern dominiert wurde, auf einem anderen Kontinent ausgetragen wird, ist etwas sehr Positives und Interessantes", so der brasilianische Coach. "Auf jeden Fall wissen wir bereits, dass wir der Favorit sind, und sind darauf vorbereitet. Die Spieler haben sich an diese Verantwortung gewöhnt. Heute bedeutet die Favoritenrolle für uns keinen Druck mehr, sie ist unsere Motivation."



