Ronaldo: Ich sehe Messi leicht im Vorteil
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"Der FIFA Ballon d'Or ist zwar nicht ganz mit dem Oscar vergleichbar, viel fehlt aber nicht" - Mit diesen Worten beschrieb FIFA-Präsident Joseph S. Blatter den FIFA Ballon d'Or anlässlich der Pressekonferenz, die am Donnerstag in São Paulo stattfand und in deren Verlauf die drei Nominierten für die Auszeichnungen FIFA Ballon d'Or, FIFA-Weltfussballerin, FIFA-Männerfussballtrainer, FIFA-Frauenfussballtrainer/-trainerin und FIFA-Puskás-Preis bekanntgegeben wurden.

FIFA-Präsident Blatter wurde auf der Bühne von FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke, dem CEO der Amaury Group François Moriniere sowie den brasilianischen Sturmlegenden Ronaldo und Marta unterstützt. Im Anschluss standen sie der Presse Rede und Antwort. FIFA.com hat einige ihrer Äußerungen zusammengestellt.

War es ein wichtiges Jahr für den Frauenfussball?
Joseph S. Blatter, FIFA-Präsident:
2012 war ein geradezu fantastisches Jahr für den Frauenfussball. Wir hatten die FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft in Japan und die FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft in Aserbaidschan, wo zum ersten Mal in der Geschichte der FIFA ein Frauenturnier von einem islamischen Staat ausgerichtet wurde. Das war ein Meilenstein für die Entwicklung des Frauenfussballs und der weltweiten Frauenrechte. Und dann war da noch das Olympische Fussballturnier [der Frauen] mit zwölf Mannschaften. Können Sie sich vorstellen, dass 70.000 Zuschauer im Wembley-Stadion das Endspiel des Frauenturniers verfolgt haben? Können Sie sich vorstellen, dass während der Olympischen Spiele insgesamt 660.000 Zuschauer die Spiele der Frauen gesehen haben? Und das in England, wo es eine große Fussballtradition gibt. Ich würde sagen, dass der Frauenfussball ein sehr erfolgreiches Jahr hinter sich hat.

Welchen Eindruck hatten Sie von der ersten Kandidatenliste zur Wahl der FIFA-Weltfussballerin?
Marta:
Ich würde gerne die Mannschaft sehen, die diese ganzen Spielerinnen vereint. Sie alle haben in starken Ligen das ganze Jahr lang überragende Leistungen abgerufen. Die Liste hätte folglich nicht besser sein können. Ich würde gerne mehr Brasilianerinnen darauf sehen, aber zumindest sind wir durch eine Spielerin vertreten.

Wer hat Ihrer Meinung nach von den drei Nominierten den Ballon d'Or verdient?
Ronaldo:
Ich denke, dass Messi und Ronaldo vor Iniesta liegen, der aber zweifelsfrei auch ein guter Spieler ist und es verdient hat, dort zu stehen. Ich könnte mir vorstellen, dass Ronaldo den Ballon d'Or [erneut] gewinnen wird. Er ist ein fantastischer Spieler. Ich glaube aber, dass Messi verglichen mit Cristiano Ronaldo weiterhin leicht im Vorteil ist. Doch warten wir mal den 7. Januar ab.

Viele Brasilianer sind der Meinung, dass Neymar unter den drei Nominierten sein müsste. Weshalb hat es Ihrer Meinung nach nicht ganz gereicht und was kann er tun, um in Zukunft nominiert zu werden?
Ronaldo:
Neymar war in der Vorauswahl mit 23 Spielern. Das ist schon eine große Leistung für jemanden, der in Brasilien spielt. Ich glaube, dass Neymar nach Europa gehen oder 2014, wenn er sich der ganzen Welt präsentieren kann, eine überragende WM spielen muss, um unter die letzen Drei zu kommen. Neymar ist Brasiliens bester Fussballer. Wir alle kennen sein Potenzial und wissen, dass er es verdient hätte, unter die letzten Drei zu kommen. Der Rest der Welt sieht ihn aber zu selten, um das auch zu erkennen. Je nachdem, wie ehrgeizig er ist, ist der kürzeste Weg [auf die Liste] ein Engagement in Europa.

Sie selbst, Zinédine Zidane und Lionel Messi halten den Rekord mit jeweils drei Auszeichnungen. Was wäre das für ein Gefühl, wenn Messi an Ihnen vorbeiziehen würde?
Ronaldo:
Ich glaube, dass es bei dieser Auszeichnung auf einen Zweikampf zwischen Messi und Cristiano Ronaldo hinausläuft. Damals musste ich mich gegen Zidane, Figo, Rivaldo, Ronaldinho und David Beckham behaupten. Jedes Jahr gab es zehn potentielle Gewinner und jeder davon hätte die Auszeichnung verdient gehabt. Ich habe aber kein Problem damit, wenn Messi den Titel zum vierten Mal gewinnt. Ich bin nicht eingebildet und habe folglich nichts dagegen, wenn er meinen Rekord bricht. Ich liebe es, ihn Fussball spielen zu sehen. Es ist eine wahre Freude, und ich wünsche ihm alles Gute.