
150 Länderspiele und fünf Teilnahmen an FIFA Fussball-Weltmeisterschaften™ hat der deutsche Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus auf seinem Konto. Der mittlerweile 51-Jährige führte sein Heimatland 1990 in Italien als Kapitän zum WM-Titel und wurde im darauffolgenden Jahr als Weltfussballer ausgezeichnet.
Die ehemalige Nummer 10 gilt als einer der größten Führungsspieler, die die Fussballnation Deutschland je hervorgebracht hat. Vor der mit Spannung erwarteten Gala FIFA Ballon d'Or 2012, die am 7. Januar 2013 im Kongresshaus Zürich stattfinden wird, sprach Matthäus exklusiv mit FIFA.com.
Herr Matthäus, was macht die Gala FIFA Ballon d'Or so besonders?
Alleine wenn man einen Blick auf die Kandidatenliste wirft, wird einem klar, wie besonders diese Gala ist. Wer von den Journalisten und Experten dort zum Weltfussballer oder Welttrainer gekürt wird, hat es auch verdient und wird eine Auszeichnung für seine erbrachten Leistungen erhalten, die ihm keiner mehr nehmen kann. Dort auf der Bühne im Kreise der besten Fussballer auf der ganzen Welt diese Trophäe zu erhalten, ist eine ganz besondere Anerkennung und Wertschätzung der eigenen Leistung, auf die man ganz besonders stolz sein kann.
Welche Erinnerungen und Emotionen verbinden Sie mit Ihrer Auszeichnung als Weltfussballer des Jahres 1991?
Wenn ich an diese Auszeichnung zurückdenke, erfüllt es mich natürlich immer noch mit sehr großem Stolz. Ich gehöre damit zu einem sehr auserlesenem Kreis der besten Fussballer aller Zeiten. Man steht in einer Reihe mit den größten und besten Sportlern, den der Fussball je hervorgebracht hat. Deshalb bin ich sehr froh und sehr dankbar, dass ich diese Auszeichnung erhalten habe.
Wer hat in Ihren Augen den FIFA Ballon d'Or 2012 verdient?
Es gibt in meinen Augen derzeit so viele außergewöhnlich gute Fussballer, denen dieser Titel gut zu Gesicht stehen würde. Natürlich haben uns im letzten Jahr vor allem auf Klub-Ebene Lionel Messi und Cristiano Ronaldo verzaubert und mit ihren Toren unglaubliche Bestmarken aufgestellt. Allerdings haben beide mit ihren Nationalteams nicht an diese Erfolge und großen Leistungen anknüpfen können. Deswegen bin ich der Meinung, dass ein Spanier den FIFA Ballon d'Or gewinnen sollte. Meine beiden Favoriten heißen Xavi und Iniesta. Sie fallen vielleicht nicht durch diese Menge an Toren auf, wie es Ronaldo und Messi tun. Aber sie eilen sowohl im Klub als auch im Natinaltrikot von Titel zu Titel, sind in beiden Teams das absolute Herzstück der Mannschaft und haben die Fäden in der Hand, was sie gerade wieder bei der letzten UEFA EURO eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben.
Und wer ist für Sie der Trainer des Jahres?
Trainer werden nun einmal an Titeln gemessen. Und je mehr Titel und je bedeutendere Titel, desto besser. Deshalb hat auch hier für mich ein Spanier die Nase vorn. Vicente Del Bosque schafft es mit der spanischen Nationalmannschaft, alles zu gewinnen, was es zu gewinnen gibt, und ist deshalb mein Favorit. Auch José Mourinho konnte mit Real Madrid in der spanischen Primera División triumphieren und ist deshalb für mich ebenfalls ein Mitfavorit. Als Geheimfavoriten würde ich Jürgen Klopp nennen, der mit Borussia Dortmund die Bayern-Dominanz in Deutschland etwas durchbrochen hat und im letzten Jahr sogar das Double mit dem nationalen Pokalsieg und der Meisterschaft holte. Auch Roberto Di Matteo kommt für mich in Frage, da er mit dem FC Chelsea die UEFA Champions League gewinnen konnte und auch in der aktuellen Spielzeit mit den Blues wieder an der Spitze der englischen Premier League mitspielt. Pep Guardiola hat sicherlich mit dem FC Barcelona den modernen Fussball in den letzten Jahren geprägt. Allerdings hat er im Jahr 2012 nur sechs Monate aktiv als Trainer gearbeitet, weshalb er für mich keine Chance auf einen Platz unter den ersten Drei hat.
Wie schätzen Sie die Chancen der deutschen Kandidaten (Mesut Özil, Manuel Neuer, Jürgen Klopp, Jupp Heynckes und Joachim Löw) ein?
Mesut Özil und Manuel Neuer sind hervorragende Spieler, doch für diese Auszeichnung sind sie noch nicht weit genug. Ein Platz in den Top Ten wäre angesichts dieser herausragenden Nominiertenliste schon ein großer Erfolg. Der deutschen Nummer 1, Neuer, fehlen einfach die Titel, um eine wirkliche Rolle bei dieser Wahl spielen zu können. Und in letzter Zeit hat auch Neuer gezeigt, dass er ab und an noch durch gewisse Leistungstäler schreitet. Er kassierte gerade mit der DFB-Elf zu viele Gegentore. Özil konnte mit Real zumindest die spanische Meisterschaft gewinnen und hat, denke ich, deshalb bessere Chancen, unter die besten Zehn zu rutschen.



