Die schottische Sängerin und Songwriterin Amy Macdonald feierte 2007 ihren internationalen Durchbruch. Die Autodidaktin mit der ausdrucksstarken Stimme sorgte damals für viel frischen Wind in der Musikszene. Mit ihren authentischen Songs hat sie sich in die Herzen der Fans gesungen und mittlerweile in 17 Ländern 25 Mal Platin- und Gold-Status erreicht.

Zwei der Songs auf ihrem aktuellen Album Life in a Beautiful Light sind durch den Fussball inspiriert. FIFA.com hatte die Gelegenheit, mit Amy Macdonald über ihre Liebe zum Fussball und ihren Auftritt bei der FIFA-Gala Ballon d'Or zu sprechen.

Amy, Du bist bekanntermaßen ein großer Fussballfan. Woher kommt Deine Leidenschaft für den Fussball?
Das begann schon, als ich noch zur Schule ging. Die erste WM, an die ich mich erinnere, war Frankreich 1998. Da habe ich richtig mitgefiebert. Es war das letzte Mal, dass Schottland bei einem großen Turnier dabei war. Damals hat es angefangen. Es hat mir einfach Riesenspaß gemacht, zuzusehen. Damals habe ich mich mit dem Fussball-Virus infiziert. Ich war völlig vernarrt in den Fussball und bin es bis heute.

Der Song The Green and the Blue auf Deinem aktuellen Album ist dem Fussball gewidmet. Was verbindest Du persönlich mit dem Glasgower Old Firm-Derby?
Ich komme aus Glasgow und dort weiß natürlich jeder um die Rivalität zwischen Celtic und den Rangers. Das spielt im Leben der meisten Leute wirklich eine große Rolle. Auch ich bin immer ganz aufgeregt. Ich bin Rangers-Fan. Immer wenn ein Old-Firm-Derby bevorsteht, reden die Leute über nichts anderes mehr. Die Vorfreude ist immer sehr groß. Außerdem bringt es die Menschen zusammen. Diese Stimmung wollte ich in den Song The Green and the Blue hinein packen.

Kannst Du die Atmosphäre bei einem Old-Firm-Derby beschreiben?
Die Stimmung ist mit nichts zu vergleichen. Es ist die unglaublichste Atmosphäre, die ich je bei einem Fussballspiel erlebt habe. Manchmal ist es sogar ein bisschen furchteinflößend, weil schon einige ziemlich verrückte Leute dort sind (lacht). Aber die meisten Leute gehen glücklicherweise wegen des Fussballs hin und es macht einfach großen Spaß, dabei zu sein.

Du hast gesagt, dass Du Rangers-Fan bist. Wie sieht Dein Tipp für diese Saison aus? Wie wirkt sich der Zwangsabstieg der Rangers in die Third Division auf den Klub aus?
Es ist eine ziemlich schwierige Situation. Das ganze Jahr 2012 war für den Klub und die Fans nicht gerade toll. Wir mussten in der untersten Liga neu anfangen, und es scheint zumindest zu klappen. Ich freue mich schon auf den Sommer. Hoffentlich schaffen wir den Aufstieg in die Second Division. Zumindest hat diese Sache die Fans zusammengeschweißt. Es gibt ein neues Gefühl der Zusammengehörigkeit. Selbst in der Third Division kommen regelmäßig knapp 50.000 Zuschauer. Ich finde das wirklich bemerkenswert.

An welches Fussballspiel erinnerst Du Dich am liebsten?
An das Auftaktspiel Schottlands bei der WM 1998 in Frankreich. Leider waren wir mit Brasilien in einer Gruppe gelandet. Alle rechneten damit, dass wir hoch verlieren würden. Aber irgendwie haben wir es geschafft, im Spiel zu bleiben. Das Team geriet mit 0:1 in Rückstand. Dann bekamen wir einen Elfmeter. Ich erinnere mich noch, dass meine Schwester aus dem Zimmer gehen musste. Sie konnte es einfach nicht ertragen. Ich blieb im Zimmer, aber auch ich habe nur zwischen den Fingern hindurch gelinst. Und dann haben wir haben den Elfmeter verwandelt! Ich konnte es nicht fassen! Leider haben wir dann eine Viertelstunde vor Schluss ein Eigentor fabriziert und am Ende knapp mit 1:2 verloren. Rein technisch haben wir aber mehr Tore als Brasilien geschossen (lacht).

Bei der FIFA-Gala Ballon d'Or wirst Du vor den besten Fussballern der Welt auftreten. Ist das für Dich etwas Besonderes?
Ja, auf jeden Fall. Schließlich bin ich ja ein sehr großer Fussballfan. Ich werde das Gefühl haben, für die wichtigsten Leute der Welt zu singen. In meiner Band sind alle große Fussballfans. Wir sind sehr, sehr aufgeregt. Das Gefühl ist ganz anders als bei allen anderen Auftritten. Ich fühle mich sehr geehrt, dabei zu sein.

Heute werden auch die besten Spielerinnen geehrt. Was hältst Du vom Frauenfussball?
Ich finde es toll, dass auch die besten Frauen ausgezeichnet werden. Schließlich gibt es eine ganze Reihe starker Frauenteams und es ist gut, dass auch sie Anerkennung finden. Ich selbst war im Fussball immer schrecklich schlecht. Eigentlich bin ich sogar ein bisschen neidisch auf das Können dieser Spielerinnen.

Was haben Musik und Fussball gemeinsam?
Ich bin nicht sicher, ob sie direkt etwas gemeinsam haben. Jedenfalls sind die Leute bei beiden mit viel Leidenschaft dabei. Viele Menschen lieben Fussball und Musik. Es ist toll, dass sich beides kombinieren lässt, insbesondere für mich, weil ich beides liebe. Ich bin sehr glücklich, dass ich hier mit meiner Musik auftreten kann und gleichzeitig Teil einer fantastischen Fussball-Veranstaltung bin.

Wenn Du die Welt der Musik mit der des Fussballs vergleichen solltest: Was wäre das musikalische Gegenstück zu einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft?
Das wäre wohl so etwas wie der Gewinn eines Grammys oder vielleicht der Halbzeitauftritt beim Super Bowl. Das ist eine sehr große Sache, die jeder einmal machen möchte.