In Zeiten, in denen Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger oder Franck Ribéry gerade erst das Licht der Welt erblickten, stand Koch Alfons Schuhbeck längst bei Bayern München unter Vertrag.

Seit nunmehr 27 Jahren ist der Ur-Bayer für den deutschen Rekordmeister tätig und reist zu fast allen Auswärtsspielen im Europapokal mit, um sich vor Ort selbst um das leibliche Wohl der Stars zu kümmern. Dazu ist er seit mehreren Jahren auch für die Verpflegung des Leistungszentrums des Vereins an der Säbener Straße zuständig.

Seit Jahrzehnten gehört Schuhbeck zu den besten Köchen und hat dabei zahlreiche internationale Auszeichnungen erhalten: Ein Stern im Guide Michelin (seit 1983), 17 Punkte mit 3 Hauben im Gault-Millau oder der Five Star Diamond Award - die Kochkünste des 63-Jährigen sind legendär und hochdekoriert.

Kochen ist seine Berufung - der Fussball zweifelsohne seine Leidenschaft. FIFA.com sprach exklusiv mit dem vierfachen Vater über "seinen" Klub Bayern München, die Gala FIFA Ballon d'Or 2012 sowie die Gemeinsamkeiten zwischen Kochen und Fussball.

Herr Schuhbeck, wie ist Ihre persönliche Beziehung zum Fussball?
Ich war mein ganzes Leben Fussball- bzw. Bayern-Fan. Damals waren die noch wesentlich schlechter als Stadtrivale 1860, und es war noch alles anders. Man hatte noch keinen Fernseher zu Hause, sondern man ging bei Länderspielen immer in die Gaststätte. Oder wir sind auf die Wiese gegangen und haben barfuß gespielt, wenn der Bauer alles gerade gemäht hatte.

Kochen und Fussball - gibt es Parallelen?

Wenn man es vereinfacht darstellt, hat man im Fussball und beim Kochen immer die Möglichkeit, von Neuem zu starten. Man kann es immer gleich wieder gutmachen, und schnell ein neues Erfolgserlebnis haben. Beim Kochen ist es auch so. Wenn Mittags etwas schief gelaufen ist, kann man es schon Abends besser machen. Wenn man im Leben etwas erreichen will, muss man sehr diszipliniert und leidenschaftlich arbeiten, sonst geht es nicht. Das ist beim Fussball und auch beim Kochen so.

Im Januar wird der neue FIFA Weltfussballer gekrönt. Wer ist, Ihrer Meinung nach, der aktuell beste Fussballer der Welt?

Ganz klar Lionel Messi. Er ist einfach geschmeidiger und flinker als alle anderen. Er hat diesen Instinkt, immer dort zu stehen, wo er stehen muss, obwohl der Ball noch gar nicht da ist. Er hat auch so eine Schlitzohrigkeit und einen ganz besonderen Charme. Bei ihm sieht alles so spielerisch aus. Nicht wie einer, der schuftet, der pustet und bläst. Er hat immer den Schalk im Nacken - so sieht es jedenfalls aus.

Was wäre Ihre persönliche FIFA/FIFPro World XI?
Im Tor würde ich Manuel Neuer nehmen, in der Abwehr Philipp Lahm, Sergio Ramos, Nemanja Vidic und Jordi Alba, im Mittelfeld Andres Iniesta, Bastian Schweinsteiger, Franck Ribéry, David Silva und Cristiano Ronaldo sowie im 
Sturm Lionel Messi.

Was wäre Ihr Dream Team mit aktuellen, aber auch ehemaligen Fussballern?
Tor: Lew Jaschin (Sowjetunion) oder Sepp Maier (Deutschland); Abwehr: Franz Beckenbauer (Deutschland), Paolo Maldini (Italien), Daniel Passarella (Argentinien); Mittelfeld: Uli Hoeneß, Lothar Matthäus (beide Deutschland), Johan Cruyff (Niederlande), Michel Platini (Frankreich); Sturm: Gerd Müller (Deutschland), Pelé (Brasilien), Lionel Messi (Argentinien).

Sie selbst haben eine nahe Beziehung zum FC Bayern. Plaudern Sie doch mal aus dem Nähkästchen...
Wir sind dazu da, dass der FC Bayern immer Essen in deutscher Qualität bekommt. Ich bin immer dabei, außer es geht mal wirklich nicht. Ich fahre heutzutage genauso gerne mit wie vor 27 Jahren. Das ist stets ein Erlebnis, diese Spannung und die Konzentration vor dem Spiel zu erleben. Nach dem Spiel ist immer das traditionelle Bankett. In meiner Anfangszeit war es schon schwer, als man irgendwo hinkam und die Köche vielleicht eher dem Gegner zugeneigt waren. Heute ist alles viel einfacher.

Was war der schönste und traurigste Anlass, bei dem Sie für den FCB gekocht haben?
Der traurigste Anlass ist immer, wenn man verloren hat, beispielsweise das CL-Finale 1999. Die ganze Nacht sitzt man dann da mit den Spielern und keiner kann es so richtig fassen. Aber das Leben geht weiter. Keiner ist gestorben, keiner ist umgebracht worden. Furchtbar war natürlich auch das letzte Mal in München. Am Tag danach war die Stadt wie gelähmt, fast schon ausgestorben. Jeder war angefressen. Die Feierlichkeiten waren ja geplant, und dann war die Niederlage natürlich ein Paukenschlag. 
Auf der anderen Seite war natürlich das Finale 2001 in Mailand, das die Bayern gewonnen haben.

Es gibt Spieler, die begründen einen Höhenflug auch mit einer veränderten Ernährung. Kann das sein?
Eine Ernährungsumstellung bringt erst etwas, wenn man das über einen langen Zeitraum macht. Der Körper braucht seine Zeit, um sich umzustellen. Es ist aber heutzutage sehr professionell im Profi-Fussball, da ist der Spielraum für neue Sachen gering.

Wie wichtig ist Kochen bzw. gutes Essen für Leistungsportler?
Ich denke, es wird unterschätzt, wie wichtig gutes Essen für die Stimmung der Spieler ist. Daher machen wir auch Kochkurse mit den Spielerfrauen und erklären denen Sachen, die sie zu Hause machen können, wie man in 30 Minuten schnell was zaubert. Die Spieler selbst kommen auch zum Kochkurs. Thomas Müller, Bastian Schweinsteiger mit seiner Freundin, Mario Gomez mit seiner Frau oder schon früher Mehmet Scholl oder Claudio Pizarro. Denen zeige ich, wie ein guter Braten oder eine leckere Gans gelingt - gerade jetzt zu den Festtagen.
Besonders bei den Spielerfrauen herrscht großes Interesse, daher bieten wir alle vier Wochen einen Kochkurs an, den wir auch an die Jahreszeiten anpassen.

Worauf kommt es beim Kochen für Leistungssportler an?

Für mich ist es wichtig, dass wir die Lebensmittel so gesund kochen, dass es den Spielern auch was nützt. Das Öl darf nicht zu heiß sein, das Gemüse muss gedünstet anstatt gekocht werden, damit die Vitamine nicht verloren gehen. Da gibt es Techniken, die kannten wir früher nicht so. Aber: Gesundes Essen muss in erster Linie schmecken. Früher haben die Bayern Filetsteak mit Pommes vor dem Spiel bekommen, davor eine Tomatensuppe - und haben trotzdem gewonnen. 
Heutzutage hat sich das Essen, aber auch der Fussball an sich verändert. Es ist alles viel schneller geworden, medientechnisch ist ein ganz anderer Rummel vorhanden und die Belastung ist größer. Der Essensraum ist aber ein Raum der Ruhe, wo sich die Spieler wohlfühlen sollen. Essen ist für die Spieler sehr wichtig, denn sie brauchen Kraft. Entscheidend ist immer die Zubereitung. Damit kann man alles zerstören oder alles richtig machen. Wir machen auf dem Teller gute Stimmung.

Im Vorwort Ihres "FC Bayern Kochbuches" steht: "Eine gute Küche ist wie eine gute Fussballelf." Erklären Sie uns das doch bitte...
Das, was wir machen, ist Teamarbeit. Einer alleine kann nicht kochen. Wir sind auch eine Mannschaft. Wenn einer in der Kette hängt, zum Beispiel derjenige, der das Gemüse anrichten müsste, dann kann man alles andere vergessen. Dann können alle anderen nicht stattfinden, weil einer fehlt. Wenn ein Spieler nicht gut vorbereitet ist, nicht gut geschlafen hat, dann geht es auch im Spiel schief.

Welche Zutaten müssten in das perfekte Fussball-Gewürz?
Gewürze sind immer anregend, entschlackend, enftgiftend, antibakteriell und helfen. Das kann man mit einem Gewürz nicht schaffen. Da braucht man wie bei einer Fussballmannschaft mehrere. Wenn man elf Gewürze mischt, dann bekommt man bestimmt eine gute Mischung. Aber es gehört auch dazu, wann man welches Gewürz hinzugibt. 
Schmecken, Wohlfühlen und sich fit fühlen - so muss es sein.