Es gibt wohl kaum einen Zweifel daran, dass Andy Murray, die Nummer drei der Tennis-Weltrangliste, das Jahr 2012 in positiver Erinnerung behalten wird. Er gewann nämlich nicht nur seinen ersten Grand-Slam-Titel, sondern sicherte sich zudem auch noch die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in London.

Der schottische Star ist außerdem begeisterter Fussballfan. Daher hat FIFA.com den 25-Jährigen gebeten, unseren offiziellen Twitter-Feed @FIFAcom zu übernehmen und die Fragen seiner Fans zu beantworten.

Tausende von Fragen mit dem Hashtag #AskAndy wurden gestellt, und Murray bemühte sich, so viele wie möglich zu beantworten. Mit seinen Antworten deckte er in einem Zeitraum von 75 Minuten zahlreiche Facetten der Königssportart ab, vom FIFA Ballon d'Or und seinen Lieblingserinnerungen bis hin zu seinem Traum, eines Tages Profifussballer zu werden.

FIFA-Präsident Joseph S. Blatter war so freundlich, den Ball ins Rollen zu bringen. Murrays Großvater war in den 1950er Jahren Fussballprofi, und der Präsident des Weltfussballverbands wollte gern wissen, ob er sich zwischen den beiden Sportarten entscheiden musste. "Ich musste mich zwischen Fussball und Tennis entscheiden. Tennis hat gewonnen. Ich glaube, ich habe die richtige Wahl getroffen", witzelt Murray.

Im Alter von 15 Jahren erhielt er die Chance, bei den Glasgow Rangers mitzutrainieren, und er wusste auch schon genau, zu welchem Klub er im Falle einer Fortsetzung seiner Fussballkarriere gern gegangen wäre und welchem aktuellen Spieler er gern nachgeeifert hätte. "Es wäre toll gewesen, für Hibernian zu spielen, aber das Größte wäre Arsenal. [Ich würde gern spielen wie] Jack Wilshere. Im Mittelfeld die Fäden ziehen, und gleichzeitig keinen Zweikampf scheuen!"

Murray räumt ein, dass ihm als Vollzeit-Tennisprofi wenig Zeit bleibt, seine Fähigkeiten auf dem Fussballplatz zu zeigen. Ab und an bekommen er und die andern Spieler der ATP-Tour ab doch Gelegenheit, ein Spielchen zu bestreiten. "Es ist schwierig, noch andere Sportarten auszuüben, wegen des Verletzungsrisikos, aber wir spielen Fussball, wann immer wir die Gelegenheit bekommen. Wir einigen uns darauf, nicht zu hart in die Zweikämpfe zu gehen, aber dann vergessen wir es! [Jo-Wilfried] Tsonga ist ein sehr solider Rechtsverteidiger. Ich habe ein Spiel mit ihm bestritten, und er war sehr gut auf dieser Position", meint er.

Als FIFA.com den Wimbledon-Finalisten fragt, wer seiner Meinung nach den FIFA Ballon d'Or erhalten sollte, muss Murray nicht lange nachdenken: "Ich glaube, Messi, aus einer ganzen Reihe von Gründen. Aber die Anzahl der Tore, die er erzielt hat, macht dieses Jahr zu einem besonders spektakulären."

Obwohl es sein größter Wunsch war, einmal für Arsenal zu spielen, sammelte Murray seine ersten Erfahrungen als Fussballfan in der Fangemeinde der grün-weißen Hibs. Eines ihrer Spiele gehört noch heute zu seinen besten Fussballerinnerungen. "Ich war 13 oder 14 als Hibernian im UEFA-Pokal an der Easter Road gegen AEK Athen spielte. Die Partie ging in die Verlängerung. Hibernian gewann an diesem Abend, musste sich nach Hin- und Rückspiel aber mit 3:4 geschlagen geben. Die Stimmung war einfach fantastisch."

Während des Twitter-Chats nahm er eine Einladung der Hibs an, ein weiteres Spiel zu besuchen – gegen den Erzrivalen Heart of Midlothian. Er plant sogar, sich das England-Spiel in Wembley anzuschauen, nachdem der legendäre englische Nationalspieler und Weltmeister Sir Geoff Hurst ihn als persönlichen Gast eingeladen hat.

Murrey sympathisiert in Schottland zwar mit den in Edinburgh ansässigen Hibernians, zeigt sich aber dennoch beeindruckt von Celtic Glasgows Sieg gegen den FC Barcelona und vom Einzug ins Achtelfinale der UEFA Champions League.

"Das ist ein beeindruckender Erfolg", schreibt er. "Ich habe es von Miami aus verfolgt. Ich trainiere hier mit einem anderen britischen Spieler namens Jamie Baker, und wir haben es uns nach der ersten Trainingseinheit des Tages angeschaut. Jamie ist Rangers-Fan, das waren für ihn also keine leichten 90 Minuten!"

Sein eigener Erfolg hat dieses Jahr auch so manches Lächeln auf die Gesichter der sportbegeisterten Schotten gezaubert. Ihm selbst fällt es schwer zu sagen, welcher seiner beiden großen Triumphe eine größere Bedeutung hat. "Das sind zwei ganz unterschiedliche Dinge – vor britischem Publikum auf dem Center Court eine Goldmedaille zu gewinnen, war allerdings einzigartig. Das war ein fantastisches Gefühl. Aber dasselbe gilt für den Abschluss der US Open. Es ist wirklich schwer, da einem von beiden den Vorzug zu geben."

Als er gefragt wird, wer ihn dieses Jahr am stärksten inspiriert hat, wird jedoch deutlich, dass London 2012 einen starken Eindruck bei ihm hinterlassen hat. "Das britische Olympiateam. Das ist zwar keine Einzelperson, aber eine große Inspirationsquelle. Ich habe auf einem iPad auf dem Rasen von Wimbledon verfolgt, wie Mo Farah seine erste Goldmedaille geholt hat. Fantastisch."

Großen Anteil an seiner bisher besten Saison hat sicherlich auch sein neuer Trainer, der achtmalige Grand-Slam-Sieger Ivan Lendl. Obwohl Craig Leveins Amtszeit als schottischer Nationaltrainer kürzlich zu Ende gegangen ist, möchte Murray auf keinen Fall, dass der gebürtig aus Tschechien stammende Trainer sich für eine berufliche Veränderung entscheidet. "Bei seinen Fussballkenntnissen hoffe ich wirklich, dass er das nicht tun wird!"

Wer sollte den Job denn dann übernehmen? "Die schottischen Trainer in der Premier League leisten hervorragende Arbeit. Moyes, Ferguson, suchen Sie sich einen aus." Nicht ganz so sicher ist er sich, wer nun sein Lieblingstrainer ist. Hier ist er hin- und hergerissen zwischen zwei ganz Großen im Fussball. "Das ist so schwierig. José Mourinho gefällt mir wirklich gut, aber man muss einfach bewundern, was Fergie da erreicht hat. Sehr schwere Entscheidung."

Murray spielt auch selbst ganz gern mal ein bisschen Trainer, denn er widmet sich begeistert der virtuellen Variante des Spiels. In der Saison 2012/13 sieht es für ihn bisher ganz gut aus. "Es läuft im Augenblick sehr gut. Ich bin Tabellenführer und habe die Liga letztes Jahr gewonnen. Einige von uns spielen, und wir haben eine eigene Trophäe, in die wir den Namen des Siegers eingravieren lassen. Meine Stürmer sind dieses Jahr ein Riesenerfolg. RVP [Robin van Persie] erweist mir sehr gute Dienste. Er hat zwar einen Großteil meines Budgets verschlungen, aber das Geld war gut angelegt!"

Fasziniert will der britische Sportmoderator John 'Fenners' Findley wissen, welche Fähigkeiten ihm diesen Erfolg im virtuellen Spiel eingebracht haben. "Ich würde sagen, eingehende Recherche, die Auswahl von offensiven Spielern und ein Quäntchen Glück!"

Das war das erste Frage-und-Antwort-Interview von FIFA.com auf Twitter. Ohne die tollen Beiträge aller Follower von @FIFAcom und ohne Andy Murray selbst wäre es nicht möglich gewesen. Die Fans, die den Chat verfolgten, äußerten sich gleich im Anschluss sehr positiv zu #AskAndy:

@krismyth: hatte eine wunderbare Sitzung mit #AskAndy. Habe so viele Tweets wie möglich gelesen. Danke @andy_murray, @FIFAcom & alle anderen Beteiligten.

@mtrenhaile: Das war unterhaltsam zu lesen. Es ist immer schön, den Fussball aus unterschiedlichen Perspektiven zu sehen.

@Ancsika7: Ich fand es super! Besonders, dass Andy auf die Frage eines meiner besten Freunde geantwortet hat!!! #AskAndy #ThanksAndy

@chriscynar: Habe #AskAndy von @FIFAcom und@andy_murray die ganze Zeit verfolgt. Ich finde, das ist wirklich ein großartiges Interview. :)

Den gesamten Chat finden Sie bis zum 11. Januar auf dem Twitter-Feed von FIFA.com über den entsprechenden Link rechts neben diesem Artikel.

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