Ben Ainslie holte 2012 in London die vierte Goldmedaille und die fünfte olympische Medaille seiner Karriere und wurde damit zum erfolgreichsten Segler in der Geschichte der Spiele. Der Triumph im eigenen Land war etwas ganz Besonderes für den britischen Olympioniken, dazu noch vor den Fans in Cornwall, wo er aufgewachsen war.

Der 35-Jährige hat mittlerweile zwar beschlossen, 2016 in Rio de Janeiro nicht mehr dabei zu sein, doch der eingefleischte Fussballfan hofft, das englische Team in Brasilien bei der FIFA WM 2014 zu sehen. Außerdem sprach er über seine Liebe zum FC Chelsea und das aufregende Finale der UEFA Champions League.

Sie sind Chelsea-Fan. Wie kam es dazu?
Nun, ich bin in Cornwall aufgewachsen, und dort gibt es nicht viele Vereine, zumindest nicht solche, die in der Premier League spielen. Als ich 15 Jahre alt war, zog meine Familie nach Southampton und einer meiner allerbesten Freunde war ein großer Fan von Tottenham Hotspur. Damals, Mitte der 90er Jahre, waren Chelsea und Spurs Vereine, die im Mittelfeld der Tabelle rangierten. Ich dachte also, wenn ich nun Chelsea unterstütze, bin ich ja dann auf Augenhöhe mit meinem Kumpel! Im Lauf der Zeit ist es dann ein ziemlich erbitterter Kampf zwischen uns beiden geworden. In meiner Familie hat sich niemand besonders für Fussball interessiert oder gar einen Verein unterstützt. Ich habe also erst nach unserem Umzug damit angefangen. Ich liebte es, Gianfranco Zola und Gianluca Vialli zu sehen, insbesondere Zola.

Welches waren die schönsten Spiele, die Sie bisher besucht haben?
Ich hatte das Glück, ein paar Mal eingeladen zu werden. Ich war dann mit Freunden da, und es war wirklich toll. Stamford Bridge ist ein schönes Stadion, und dann liegt es noch mitten in London, wir hatten also viel Spaß. Mein erstes Spiel war eine Partie um den Charity Shield vor etwa zehn Jahren, aber das Beste, was ich bislang gesehen habe, war ein Spiel zwischen Chelsea und Tottenham im Wembley-Stadion. Ich war mit meinem Freund aus Kindheitstagen dort, über den ich zum Fussball kam und Chelsea-Anhänger wurde, und es gab doch einige Sticheleien zwischen uns.

Wie haben Sie die Veränderung der Mannschaft im letzten Jahrzehnt miterlebt?
Man hört immer wieder Leute sagen, dass die Mannschaft nur erfolgreich ist, weil viel Geld dahinter steckt. Da ist sicherlich etwas dran, aber anderseits ist das Geld auch gut eingesetzt worden und gerade in der letzten Saison haben wir sehen können, wie wichtig es ist, dass auch der Zusammenhalt im Team stimmt. Nur eine Menge teurer Spieler zu kaufen, bedeutet nicht automatisch, erfolgreich zu sein. Es ist wichtig, eine Mannschaft zu formen, die Respekt erfährt, und gerade die letzte Saison war ein Paradebeispiel hierfür.

Hat Sie das letzte Jahr überrascht, denn zunächst sah es ja gar nicht gut aus?
Ich glaube, dass gerade deswegen die vergangene Saison so etwas ganz Besonderes war. Zunächst sah es nicht gut aus, aber dann haben wir den Schalter umgelegt und gegen alle Prognosen noch den FA Cup und die Champions League gewonnen. Es war nach allen Maßstäben ein sehr erfolgreiches Jahr. In der Liga lief es nicht ganz so gut, aber es war schon unglaublich, dass wir das Ganze noch drehen und so erfolgreich sein konnten.

Wie war das Finale? Waren Sie nervös?
Aber ja, natürlich. Nach den Duellen gegen Barcelona hatte man aber das Gefühl, dass sie es noch einmal schaffen könnten, denn im Halbfinale waren wir klarer Außenseiter. Ebenso im Finale. Aber irgendwie spürte man, dass es noch einmal gut gehen könnte.

Was war für Sie schlimmer, beim Elfmeterschießen zuzusehen oder die Teilnahme bei der letzten Wettfahrt bei Olympia, als es um die Goldmedaille ging?
In Augenblicken, in denen der Druck so groß ist, da spielt es keine Rolle, ob man segelt oder Fussball sieht, es ist auf jeden Fall nervenaufreibend. Natürlich war ich noch nie in der Situation, in einem Champions-League-Finale vor 70.000 Zuschauern ein Elfmeterschießen bestreiten zu müssen. Das muss in der Tat furchtbar sein. Bei Olympia ging es um mich für sehr viel. Ich war voll konzentriert. Vieles ist aber auch Routine, man ist gut vorbereitet, und wenn man sozusagen seine Hausaufgaben gemacht hat, dann kann man mit so einer Situation psychologisch ganz gut umgehen, ob es nun ein Elfmeterschießen oder eine Segelregatta ist.

Wenn Sie die Wahl hätten zwischen einem Platz in der Elf, die im Endspiel stand, und dem Gewinn Ihrer Goldmedaille in London 2012, wie würden Sie sich entscheiden?
Die Goldmedaille von London würde ich nicht aufgeben. Schon eher eine der anderen, die ich gewonnen habe! Aber London war so etwas Besonderes. Es war eine Gelegenheit, die man nur einmal im Leben bekommt.

Sprechen wir von der englischen Auswahl. Wie sehen Sie die Chancen für Brasilien 2014?
Da bin ich ganz guter Dinge. man neigt bei England immer dazu, zu denken, dass die Mannschaft nicht alles aus sich herausholt. Aber da sollte man auch realistisch sein und die Entwicklung des Teams sehen. Mit den personellen Veränderungen und den jungen Leuten im Team ist es eine Art Neuanfang. Der scheint gelungen zu sein. Wenn das Team nun im Turnier noch einen guten Start hinlegt, könnte man diesen Schwung nutzen, und dann werden wir weiter sehen.