Willy Sagnol hat im Verlauf seiner Spielerkarriere, die er 1995 begann und 2008 beendete, lediglich zwei Ligen kennengelernt. Dafür hat er mit den drei Klubs, für die er aktiv war, so ziemlich alles gewonnen, was während der Karriere eines Profifussballers überhaupt möglich ist.

Nach seinem Wechsel von seinem Heimatverein AS Saint-Etienne zum AS Monaco wurde er in der Saison 1999/2000 französischer Meister. Seine größten Erfolge feierte er danach mit Bayern München. Im Trikot des deutschen Rekordmeisters gewann er fünf Mal die Meisterschaft, 2001 die UEFA Champions League und im gleichen Jahr den Interkontinental-Pokal sowie zahlreiche weitere Titel und Trophäen.

Darüber hinaus war der zu seiner Zeit als einer der besten Außenverteidiger und Flankengeber der Welt geltende Sagnol mit 58 Länderspieleinsätzen auch als Nationalspieler erfolgreich. Nach zwei Turniersiegen beim FIFA Konföderationen-Pokal 2001 und 2003 hatte er den WM-Titel 2006 in Deutschland schon dicht vor Augen, unterlag dann aber im Finale gegen Italien. Ironie des Schicksals: die gleiche Enttäuschung erlebte der Niederländer Willy van de Kerkhof, der den gleichen Vornamen wie Sagnol trägt, sogar zwei Mal in Folge, nämlich 1974 und 1978, als die Niederlande jeweils im WM-Finale standen und dort scheiterten.

Doch dem Flankengott, wie Sagnol von den deutschen Fans genannt wurde, mangelt es außer an einem Triumph bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ in seiner Fussball-Vita auch an individuellen Auszeichnungen. "Die Tatsache, dass die Auszeichnung zum FIFA Weltfussballer des Jahres stets an Offensivspieler ging, hat mich als Abwehrspieler nie frustriert", so Sagnol im Rückblick gegenüber FIFA.com. "Der Fussball ist nicht nur den Leistungssportlern vorbehalten, denn er ist in erster Linie für Amateure gedacht. Die Profis fungieren dabei als eine Art soziale Triebfeder. Als Sport soll der Fussball bei den Menschen Träume wecken. Und ein Abwehrspieler ist nun mal nicht geeignet, die Leute zum Träumen zu bringen. Das ist völlig normal."

"Daher sollten mit dem FIFA Ballon d'Or auch jene Spieler geehrt werden, die über diese Fähigkeit und diese Berufung verfügen. Lionel Messi ist so einer, ebenso wie Cristiano Ronaldo. Es ist also richtig, diese Auszeichnung nur an Spieler wie sie zu vergeben", beharrt Sagnol. Und das sagt ausgerechnet einer, der den Portugiesen im Halbfinale der FIFA WM 2006 komplett abgemeldet hat.

Bei der Frage nach dem aussichtsreichsten Kandidaten für den FIFA Ballon d'Or 2012 traf der frühere Bayern-Profi dann doch noch eine persönliche Wahl. "Im heutigen Fussball ist bei der Bewertung eines Spielers seine Qualität und sein reines Talent entscheidend. In dieser Hinsicht ist Messi unerreicht. Doch wenn man noch weitere Kriterien berücksichtigt wie die Ergebnisse im Klub und in der Nationalmannschaft, wird das Ganze wieder etwas offener. Aber rein vom Talent her kommt niemand an Messi heran."

Derzeit macht Sagnol seinen Trainerschein. Er macht kein Hehl daraus, einmal die sportliche Verantwortung für eine Mannschaft übernehmen zu wollen. "Nicht heute oder morgen, aber mittelfristig schon", betont er.

Was die bevorstehende Ehrung für den Trainer des Jahres im Männerfussball anbelangt, hat er bereits eine klare Vorstellung. "Das Niveau eines Trainers ist einzig an seiner Erfolgsbilanz messbar. Ein erfolgreicher Trainer ist immer auch ein guter Trainer. Aus dieser Sicht sind Alex Ferguson, José Mourinho und Pep Guardiola weltweit die besten ihrer Zunft. Wenn ich einen von ihnen auswählen müsste, würde ich Mourinho den Vorzug geben, auch wenn er einem mit seinem Verhalten ganz schön auf die Nerven gehen kann! [lacht] Er ist in der Lage, die Leistung seiner Spieler zu 100 Prozent abzurufen, und er ist überall, wo er auftaucht, sehr erfolgreich. Davor kann man nur den Hut ziehen."

Der für ein Lob stets aufgeschlossene Willy Sagnol ist aktuell als Sportdirektor des französischen Fussballverbands für die Nachwuchsteams seines Landes zuständig. In dieser Eigenschaft war er vor wenigen Wochen nach Baku gereist, um die Bleuettes persönlich zu ihrem Triumph bei der FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft Aserbaidschan 2012 zu beglückwünschen.

"Ich verfolge den Frauenfussball aufgrund meiner Funktion", gestand er damals. Für uns ein Grund mehr, ihn nach seiner Prognose für die Wahl zur FIFA Fussballerin des Jahres zu fragen. "Vor ein paar Jahren gab es eine Birgit Prinz, die die Tore wie am Fließband schoss. Von ihr hatte ich den Eindruck, dass sie nur für den Fussball lebt! Sie war wirklich eine überragende Spielerin. Die Brasilianerin Marta ist noch immer aktiv. Sie könnte auch mit den Männern spielen, da würde man keinen Unterschied erkennen. Inzwischen ist das Niveau im Frauenfussball weitgehend ausgeglichen. In Frankreich gibt es mit Gaëtane Thiney eine Spielerin, die mir sehr gut gefällt. Abgesehen davon, dass sie eine großartige Fussballerin ist, verfügt sie auch über herausragende menschliche Qualitäten."

Ein großartiger Fussballer und ein toller Mensch - diese Attribute treffen auch voll und ganz auf Willy Sagnol zu.