Lange Zeit herrschte hinsichtlich des besten Linksverteidigers der Welt allenthalben Einvernehmen. Nur selten fiel die Wahl nicht auf den Brasilianer Roberto Carlos.

Es ist durchaus bedauerlich, dass zum damaligen Zeitpunkt noch nicht die FIFA/FIFPro World XI-Auszeichnung verliehen wurde, um diese Tatsache anlässlich der jährlichen Gala gebührend zu würdigen.

Unter Umständen wäre so manchem die Wahl des besten Linksverteidigers auch um einiges leichter gefallen als Roberto Carlos die Zusammenstellung seiner - extrem offensiven Weltauswahl 2012, die er in einem äußerst amüsanten Gespräch gegenüber FIFA.com bekannt gab.

Um eine Frage kommt man derzeit nicht herum: Wer soll den FIFA Ballon d'Or 2012 gewinnen?
Natürlich ist überall von Messi die Rede. Ich glaube allerdings, dass er schon dermaßen viele Preise entgegennehmen musste, dass in seiner heimischen Vitrine kaum noch Platz sein dürfte. Folglich würde meine Wahl auf Cristiano Ronaldo fallen. Er ist ein Spieler, der auf unterschiedliche Weise und in verschiedenen Angriffssituationen spielentscheidend sein kann. Er hat eine weitere Auszeichnung schon lange verdient.

Apropos verdient: Viele sagen ja, dass Sie zu den großen Spielern Ihrer Generation gehörten, die diese Auszeichnung niemals erhalten haben. Sehen Sie das genauso?
Das stimmt. 2002 hat Ronaldo mir die Beine gebrochen und die Trophäe gestohlen [lacht]. Ich weiß auch nicht, was die Leute alle an mir fanden [lacht]. Aber mal im Ernst: Über sechs oder sieben Jahre war ich schon der Beste auf dieser Position, was mich mit großem Stolz erfüllt. Aber natürlich gab es in dieser Generation unglaublich viele talentierte Spieler, insbesondere im Offensivbereich, der ja oftmals eher im Mittelpunkt steht.

Wer weiß, ob Sie nicht jetzt, da sie die Trainerlaufbahn einschlagen, als FIFA Trainer des Jahres ausgezeichnet werden?
[lacht]. Ob das so kommen wird? Lassen Sie mich aber erst mal den ersten Schritt machen, da ich davon gedanklich noch sehr weit entfernt bin.

Wem würden Sie denn in dieser Kategorie Ihre Stimme geben?
Nun, da Guardiola nicht mehr in Barcelona tätig ist, würde ich den Preis wohl an José Mourinho vergeben. Es ist weitaus schwieriger, einen solchen Topverein zu führen als eine Nationalmannschaft. Das weiß ich nur allzu genau. Ich habe damals bei Real Madrid unter Fabio Capello gespielt, der hervorragende Arbeit geleistet hat. Man erkennt, dass Mourinho einen großen Anteil am Erfolg hat und dass er mit dieser Situation umzugehen weiß.

Kommen wir auf Ihre Auswahl für die FIFA/FIFPro World XI zu sprechen...
Da nehme ich [Iker] Casillas, Daniel Alves, Thiago Silva, David Luiz und Marcelo, im Mittelfeld Xavi, Xabi Alonso, [Franck] Ribéry und [Robin] van Persie sowie Neymar, Messi und Cristiano Ronaldo.

Das sind aber zwölf Spieler!
Gut, dann lasse ich Xabi Alonso eben als Ersatz auf der Bank und stelle dafür Cristiano Ronaldo auf. Jetzt habe ich doch glatt den Iniesta vergessen! Dann machen wir es so: Ich nehme David Luiz raus und spiele mit Daniel Alves, Thiago Silva und Marcelo. Barcelona spielt ja schließlich auch mit drei Verteidigern. Warum sollte ich das nicht dürfen? [lacht]

Dann hätten wir also Casillas, Daniel Alves, Thiago Silva und Marcelo, Xavi, Ribéry, Van Persie und Iniesta sowie Messi, Neymar und Cristiano Ronaldo, oder?
Ganz genau.

Es ist abzusehen, dass Roberto Carlos als Trainer doch eher offensiv spielen lassen würde, oder?
[lacht] Aber sicher. Jetzt brauche ich nur noch so eine Mannschaft, dann geht es mit meiner Karriere bestimmt steil bergauf.