In ihrer Sportart dreht sich zwar alles um einen ganz anderen Ball, aber die führende Golferin Laura Davies ist dennoch eine kompetente Ansprechpartnerin, wenn es um Fussball geht.

Die 49-Jährige ist schon ihr ganzes Leben lang Fan des FC Liverpool und zudem eine begeisterte Anhängerin der englischen Nationalmannschaft - eine Obsession, die sie zumindest ein Mal in eine abenteuerliche Situation gebracht hat.

Davies, die in ihrer mehr als 25-jährigen Karriere in Großbritannien und anderswo eine Fülle von Titeln und Auszeichnungen angesammelt hat, berichtet im Exklusiv-Interview mit FIFA.com darüber, gibt ihre Stimme für den besten Spieler der Welt ab und blickt auf ihren schönsten Moment im Fussball zurück.

Wie hat Ihre Fussball-Leidenschaft begonnen?
Ich habe einen etwas älteren Bruder. Er ist nur wenige Jahre älter als ich, und wir sahen uns jeden Samstag und Sonntag seine Spiele an. Ich kickte dann immer ein bisschen an der Seitenauslinie herum. Damals war ich gerade einmal vier, fünf oder sechs Jahre alt. Es hat mir Spaß gemacht zu spielen, und dann habe ich natürlich auch angefangen, mir Spiele anzuschauen. Und das war's schon - ich war süchtig.

Wie kam es, dass Sie Liverpool-Fan geworden sind?
Ich war damals sieben Jahre alt, vielleicht acht, als sie im Finale des FA Cup durch dieses Tor von Charlie George gegen Arsenal verloren haben. Sie taten mir leid und trugen rote Trikots, und ich glaube, für eine Achtjährige war das schon ausreichend. Seitdem bin ich Liverpool-Fan, mittlerweile seit über 40 Jahren. Ich würde mir am liebsten jedes Spiel ansehen. Wann immer ich die Möglichkeit habe, [bin ich im Anfield-Stadion]. Meistens bin ich unterwegs, aber ich verpasse kein Spiel. Ich höre entweder Übertragungen im Radio oder im Fanradio der Liverpool-Website oder schaue mir die Partien online an. Ich verfolge praktisch jedes Spiel, in allen Wettbewerben - ob es nun die Europa League, Premier League oder was auch immer ist. Wenn ich auf dem Golfplatz bin, lasse ich mir die aktuellen Meldungen auf mein Mobiltelefon schicken. Das ist schon irgendwie eine Obsession. Ich war nicht oft genug im Stadion, habe die tollen Europapokal-Abende verpasst. Paradoxerweise war ich noch nie bei einem Spiel des europäischen Wettbewerbs dabei. Es ist allein schon grandios, bei jedem Spiel vor dem Einlaufen 'You’ll Never Walk Alone' zu hören. Ich finde, die Atmosphäre ist einfach anders als in vielen anderen Stadien, die ich schon besucht habe.

Welche Spieler waren in diesem Zeitraum Ihre Lieblingsspieler beim FC Liverpool?
Die offenkundigsten: [Kevin] Keegan, [Kenny] Dalglish, Steven Gerrard und Michael Owen. Torjäger eben. Ich denke, sie entscheiden letztlich darüber, ob man gewinnt oder verliert. Im Laufe der Jahre habe ich vor allem die Geschicke der Angreifer verfolgt, aber es gibt nicht einen Liverpool-Spieler, den ich nicht gern spielen gesehen habe.

Haben Sie im Laufe Ihrer Karriere auch einige von ihnen persönlich kennengelernt?
Ich habe einmal mit Kenny [Dalglish] Golf gespielt, bei einem Turnier im schottischen Gleneagles. Kennengelernt habe ich einige von ihnen. Michael Owen hat in Irland gespielt und ich habe mich kurz mit ihm über Golf und Fussball unterhalten. Viele Fussballer scheinen sehr gern Golf zu spielen. Sie haben Zeit dazu, nicht wahr? Sie absolvieren ihr Training und dann haben sie am Nachmittag Zeit für die Familie und Freizeitbeschäftigungen. Ich denke, von den jüngeren Spielern gehen dann viele auf den Golfplatz. Das scheint eine geplante Sache zu sein, denn Golf nimmt naturgemäß viel Zeit in Anspruch, und diese Zeit scheinen sie zu haben.

Können Sie uns erzählen, wie das war, als Sie sich über das Spielgeschehen bei der UEFA EURO 1996 auf dem Laufenden gehalten haben, während Sie ein Turnier spielten?
Ich war bei allen anderen Spielen dabei gewesen, weil ich Tickets für das gesamte Turnier hatte. Die Spiele fanden im Wembley-Stadion statt. Leider hatte ich bei dem besagten Spiel [England gegen Spanien] gleichzeitig ein Turnier. Ich hatte fünf Schläge Vorsprung als das Fussballspiel begann, und ich habe das Turnier am Ende auch mit fünf Schlägen Vorsprung gewonnen. Aber zwischen den Schlägen haben ich und mein Cousin, der damals mein Caddy war, uns immer wieder über den Spielverlauf informiert. Es ging 0:0 aus, und ich habe das Elfmeterschießen verpasst, weil ich bei der Preisverleihung war. Aber ich konnte an der Stimmung der Leute im Klubhaus ablesen, dass wir vorn lagen. Das war wahrscheinlich das letzte Elfmeterschießen, das wir jemals gewonnen haben!

Was würde Ihnen mehr bedeuten, wenn England 2014 die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft gewinnt oder wenn Europa sich den Ryder Cup sichert?
England soll die Weltmeisterschaft gewinnen, das ist ganz klar. Ich liebe den Golfsport, aber Fussball ist meine große Leidenschaft abseits vom Golf. Ich war zwar 1966 schon auf der Welt, aber ich war gerade einmal drei Jahre alt - ich habe keinerlei Erinnerung an das Ganze. Es war schön, wenn ich einmal selbst miterleben könnte, wie wir die WM gewinnen.

Wer ist Ihrer Meinung nach der beste Spieler der Welt?
Ich glaube, Lionel Messi hat eine Nasenlänge Vorsprung. Ich weiß, Ronaldo macht unglaubliche Dinge, und es gibt auch noch viele andere sehr gute Spieler, aber ich würde mich für Lionel Messi entscheiden. Barcelona ist der zweite Klub, dessen Spiele ich mir gern anschaue. Meiner Meinung nach ist er einfach unglaublich.

Verfolgen Sie den Frauenfussball?
Leider nicht, denn das könnte ich nur im Fernsehen tun und es werden kaum Spiele übertragen. Ich habe mir die Olympischen Spiele angeschaut, und es gibt großes Interesse an der Nationalmannschaft. Ich glaube nicht, dass Liverpool eine besonders gute Mannschaft hat, und ich kann Arsenal nun mal nicht ausstehen. Arsenal hat das beste Frauenfussball-Team, also halte ich mich eher fern. Es macht dennoch Spaß zuzuschauen. Ich habe viel Zeit in Amerika verbracht, und dort gab es eine Frauen-Profiliga. Ich weiß, dass sie inzwischen aufgelöst wurde, aber das Niveau war ziemlich hoch. Das ist natürlich nicht dasselbe wie Männerfussball, weil der Männerfussball dynamischer ist, aber das technische Niveau scheint mir auf jeden Fall vergleichbar zu sein.

Welches war der schönste Moment, den Sie live im Stadion erlebt haben?
Das war bei der EURO 96, als wir Schottland im Wembley-Stadion geschlagen haben, und dort auf jeden Fall das Tor von Gazza [Paul Gascoigne]. Ich war bei vielen Spielen der englischen Nationalmannschaft im Stadion und bin auch auswärts so oft wie möglich dabei. Ich war bei zwei Weltmeisterschaften und schon an diversen Orten. Aber bei diesem Spiel hat unser Torhüter erst einen Elfmeter gehalten und dann hat Gazza dieses Tor geschossen. Ich glaube, das ist das Tollste, was ich je in einem Stadion erlebt habe - weltweit.