Anant Singh zählt zu den renommiertesten Filmproduzenten Südafrikas. Er war unter anderem an Filmen wie Sarafina!, Cry, the Beloved Country, Red Dust, I Capture the Castle und dem Oscar-nominierten Yesterday beteiligt.

Sein jüngstes Projekt ist ein Film über die Makana Football Association, ein Fussballverband, der während der durch das System der südafrikanischen Apartheid politisch bedingten Gefangenschaft auf Robben Island eine Fussballliga organisierte. Der Film heißt More Than Just a Game und ist ein Doku-Drama über die Macht des Fussballs auf dieser Insel, welche den Häftlingen Hoffnung und Stärke gab. Singh sprach mit FIFA.com über Nelson Mandela, den Fussball und über seine jüngste Produktion.

Anant Singh, wie kamen Sie zu dieser Geschichte?
Von meinen Reisen nach Robben Island nach Madibas [Nelson Mandelas] Freilassung wusste ich, dass die Gefangenen dort Fussball spielten. Doch erst der Sporthistoriker Chuck Korr, der zu mir kam und mich mit Hintergrundinformationen versorgte, entfachte meine Begeisterung für diese Geschichte, die ich daraufhin unbedingt auf die Leinwand bringen wollte.

Warum ist diese Geschichte so erzählenswert?
Auf der Insel waren Hunderte von Menschen, die alle aus demselben Grund inhaftiert waren: Sie kämpften für unsere Freiheit. Sie wurden auf einer Insel eingesperrt, von der aus man eine wunderschöne Aussicht auf Kapstadt hat, wo sich der Sitz der Regierungsgewalt der weißen Minderheit befand. Diese Häftlinge versuchten, ihr Leben in Würde und im Geiste von guten Menschen zu leben und kämpften für ein harmonisches Miteinander, was unter diesen Bedingungen ein enorm schwieriges Unterfangen darstellte. Ihr einziges Anliegen war es, aus Südafrika ein besseres Land zu machen, in dem jeder Mensch das Wahlrecht genießt. Der wichtigste Aspekt dabei war, dass der Fussball als Katalysator dieser Angelegenheit fungierte.

Welche Themen oder Botschaften wird diese Geschichte Ihrer Meinung nach vermitteln?
Auf der Insel (Robben Island) gab es Menschen unterschiedlicher politischer Überzeugungen, unterschiedlicher Religionen und mit unterschiedlichen ethnischen Hintergründen. Sie alle hielten zusammen und versuchten, unter menschenunwürdigsten Bedingungen zu überleben, indem sie den Fussball als Instrument zum Aufbau von Moral und gegenseitigem Respekt benutzten.

Sie waren an vielen Filmen und Dokumentationen über das Südafrika nach der Apartheid beteiligt. Was ist Ihrer Meinung nach das Besondere an der Makana Football Association?
Die Makana Football Association ist einzigartig, da sie innerhalb eines der brutalsten Gefängnisse der Welt bestehen konnte. Wir produzierten auch einen anderen Film auf Robben Island , "Prisoners of Hope", der von den 1.200 ehemaligen politischen Gefangenen handelt, von denen viele Fussballspieler waren, sowie von der Tatsache, dass Fussball mehr als nur ein Spiel ist.

Was haben Sie bei den Dreharbeiten über den menschlichen Geist gelernt? Wie passt der Fussball Ihrer Meinung nach zu dieser Idee?
Viele meiner Filme drehen sich um die höchsten Werte des menschlichen Geistes. Sie zeigen, wie Menschen selbst unter den widrigsten Umständen bestehen können. Sport - in diesem Fall der Fussball - kann Menschen zusammenführen und gleichzeitig diese Werte aufrechterhalten, welche beweisen, dass der Mensch bestehen kann.

Sie hatten sehr viel Kontakt mit Nelson Mandela. Denken Sie, dieser Film würde ihm gefallen?
Nelson Mandela würde dieser Film mit Sicherheit gefallen, da er vom Fussball auf Robben Island handelt, wo er selbst 27 Jahre seines Lebens verbringen musste. Im Film gibt es eine Szene, in der die Häftlinge während eines Fussballspiels ihre politischen Anführer im Abschnitt B sehen (die Einzelzellen, in denen einflussreiche politische Gefangene wie Nelson Mandela inhaftiert waren) und mit diesen in Kontakt treten. Als die Behörden herausfanden, dass Mandela und andere Häftlinge bei den Spielen zusahen, errichteten sie eine Mauer, um das zu unterbinden.

Warum, glauben Sie, unterstützte die FIFA diesen Film?
Die Liga auf Robben Island wurde gemäß den FIFA-Statuten organisiert. Das ist mit Sicherheit eine große Errungenschaft, da die Häftlinge die Regeln der FIFA recherchierten und sie unter den widrigsten Umständen anwandten. Das verkörpert auch den Geist der FIFA, wonach im Sport - und vor allem im Fussball - kein Platz für Rassismus sein darf.

Warum lautet der Titel More Than Just a Game? Hat das eine symbolische Bedeutung für Sie?
Für die Häftlinge von Robben Island war der Fussball überlebenswichtig. Er gab ihnen die Möglichkeit, zusammenzukommen und auf dem Platz Freunde zu sein, selbst wenn sie unterschiedliche politische Auffassungen hatten. Bei den Werten des Fussballsports und den Spielen auf Robben Island ging es um viel mehr als bei anderen Aktivitäten.