Seit ihrem Beitritt zur FIFA im Jahr 2005 geht es für die Komoren in Riesenschritten vorwärts. Noch vor vier Jahren verfügte der komorische Fussballverband (FCF) über keinerlei Infrastruktur. Inzwischen hat sich die Organisation indes so weit fortentwickelt, dass 2009 nach Einführung eines digitalen Registrierungssystems für Fussballer sogar das moderne Informationszeitalter eingeläutet werden konnte. Trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die das Land zurzeit durchlebt, gelingt es dem komorischen Fussball, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und den jungen Menschen vor Ort eine wichtige Ausdrucksmöglichkeit zu geben.
Wenn vom Fussball auf den Komoren die Rede ist, kommen einem zwei Bilder in den Sinn. Das erste erinnert an eine Postkarte: Ein Fussballspiel auf einem Platz am Rande des Meeres. Das zweite Bild vermittelt einen anderen Eindruck: Ein nagelneuer Kunstrasenplatz, wie von einem anderen Ort. Doch die Realität des Postkartenmotivs ist, dass die Spieler mit einem unebenen Spielfeld voller Steine, Sand, Schmutz und mit wenig Rasen zurechtkommen müssen. Das zweite Bild zeigt, wie diese Situation verbessert wurde, indem den komorischen Fussballern ein Platz zur Verfügung gestellt werden konnte, der für das tägliche Training und für die Entwicklung des Spiels geeignet ist. Eine Änderung, die dank der Bemühungen des komorischen Fussballverbands um stetige Entwicklung möglich wurde.
Salim Tourqui, Präsident des komorischen Fussballverbands, ist hingegen der Ansicht, dass es noch viel zu tun gibt. "Es muss damit weitergehen, dass die Spielfelder und die Bedingungen für den komorischen Fussball verbessert werden. Wir müssen den Talenten auf den Komoren die Möglichkeit geben, sich auszudrücken", erklärte der bereits vor zehn Jahren in sein Amt gewählte Vorsitzende. "Und besonders erwartungsvoll und voller Freude sehen wir der Eröffnung unserer zukünftigen Akademie entgegen."
Es ist erstaunlich, welchen Weg die Komoren seit dem Beitritt zur FIFA im Jahr 2005 zurückgelegt haben. In diesen vier Jahren hat das Land seine Bemühungen vervielfältigt und profitiert deshalb von der Hilfe der FIFA, da es dem Motto "if you do, FIFA does", das die Entwicklungsphilosophie der FIFA charakterisiert, mustergültig nachkommt. Daher verfügt die FCF inzwischen über einen zentralen Verwaltungssitz, ein nationales Technisches Zentrum, einen Kunstrasenplatz mit Zuschauerrängen, das internationalen Anforderungen entspricht, Büros auf den jeweiligen Inseln, um die einheimischen Ligen zu organisieren, sowie über mehrere Spielfelder, die den Anforderungen der ersten Liga entsprechend saniert wurden. Die FIFA stellte über 120.000 U.S.-Dollar für Ausrüstung bereit und adidas liefert im Rahmen des Programms adidas Goal Ball regelmäßig Fussbälle.
"Heute sind wir der einzige Sportverband des Landes, der so gut strukturiert ist. Das macht einen enormen Unterschied", vertraute uns Präsident Tourqui an. 2009 machte diese vorbildliche Neustrukturierung einen weiteren großen Schritt nach vorne: Im Rahmen des Programms In Afrika mit Afrika gewinnen konnte ein digitales Registrierungssystem für Fussballer mit einer Datenbank eingeführt werden, mit dessen Hilfe persönliche Spielerlizenzen hergestellt werden können.
Hinter diesem Fachjargon verbirgt sich ein wesentlicher Fortschritt. Denn eine persönliche Lizenz, die für alle Spieler und Trainer in der komorischen ersten Liga obligatorisch ist und nach Vorlage eines Ausweisdokuments ausgestellt wird, ist nicht einfach nur ein viereckiges Stück Plastik. "Es ist ein wesentliches Instrument für eine professionelle Organisation der komorischen Meisterschaft", schätzt Mshangama Monaward, die mit der Leitung dieses Systems für die FCF betraut ist. "Bisher konnten alle Mannschaften irgendwelche Spieler aufstellen, niemand konnte nachprüfen, ob sie diesem Klub angehörten oder nicht. Dank der fälschungssicheren Lizenzen können Schiedsrichter nun Spielern, die nicht registriert sind, die Teilnahme verweigern."
Über 700 Fussballer der höchsten Spielklasse haben ihre Lizenz bereits erhalten, nun soll das Programm auf die unteren Ligen ausgeweitet werden. In diesem ersten Jahr nach der Einführung stellt der Verband die Lizenz gratis aus, "damit die Spieler sich an das System gewöhnen" erklärte Msahazi Soilihi, Manager der FCF. "Doch ab dem kommenden Jahr wird die Lizenz kostenpflichtig sein, und es wäre vorstellbar, einen Vertrag für Sponsoring auf der Lizenzkarte abzuschließen, wodurch das System zu einer doppelten Einnahmequelle für den Verband werden könnte."
Somit kann die Entwicklung des komorischen Fussballs weiter intensiviert werden, der bisher stark von der Unterstützung der FIFA abhängig ist. Eine Hilfe, die indes nicht nur dem Fussball zugute kommt: "Hier haben wir nicht viel und es wird jede Hilfe benötigt, die wir finden können. Wir erhalten Unterstützung von der FIFA, aber auch von der Cooperation Française und anderen ausländischen Institutionen, weil der Fussball für die Jugend auf den Komoren ein hervorragender Kanalisator ist, um angesichts der herrschenden Lebensbedingungen ein Abrutschen in die Kriminalität zu vermeiden", so die Analyse Tourquis.
Die FCF aber kann stolz auf das bisher Erreichte zurückblicken: Eine beispiellose Entwicklung der Infrastruktur, Neustrukturierung und Rationalisierung der einheimischen Meisterschaften, Anschub eines dauerhaften Finanzierungsmodells, Schaffung der erforderlichen Bedingungen für eine Erhöhung der Einkünfte, und dies alles gekrönt durch die Ausrichtung des allerersten offiziellen Länderspiels der komorischen Auswahl gegen die Nationalmannschaft Madagaskars am 17. November 2007 im Rahmen der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft in Südafrika 2010.
Doch Selbstzufriedenheit passt nicht zu den Verantwortlichen auf den Komoren. Ganz im Gegenteil freut man sich bereits auf die nächsten Herausforderungen: Die Entwicklung des Jugendfussballs, Breitensportprojekte, kontinuierliche Verbesserung der Infrastruktur und natürlich auch mehr Länderspiele.
"Diese Partie gegen Madagaskar, die auf diesem hervorragenden Kunstrasenplatz bestritten wurde - mit einer Organisation, die eines Länderspiels würdig war - unsere Verwaltungszentrale, unser Technisches Zentrum, unser Lizenzsystem... Das alles zeigt, dass die Komoren im Weltfussball einen Platz haben. Es liegt nun an uns, diese Arbeit fortzuführen und im Klassement der FIFA weiter nach oben zu klettern!", so Präsident Tourqui, der sich längst wieder in den Startlöchern befindet.
