Nicht nur bei den FIFA Fussball-Weltmeisterschaften kann man sehen, was der Sport Fussball bewirken kann. Menschen aus allen Teilen der Welt feiern ein gemeinsames großes Fest und fördern damit den Zusammenhalt sowie die sozialen Kontakte untereinander. Das runde Leder baut Brücken zwischen Menschen und bietet allen Beteiligten, egal ob aktiv als Spieler oder passiv als Fan, die Möglichkeit zur Zusammengehörigkeit und Zugehörigkeit.
Ein Verein, der das Prinzip Integration vorbildlich lebt, ist der deutsche Viertligist Türkiyemspor Berlin. 1978 ging der heutige Oberligist aus der Spielervereinigung "Kreuzberg Gençler Birliği" hervor. Dort spielten hauptsächlich Migranten türkischer Herkunft miteinander Fussball. Nachdem man die ersten Jahre in einer Berliner Freizeitliga aktiv war, änderte sich dies 1983. Als "BFC Izmirspor" trat man in der niedrigsten deutschen Liga, der C-Klasse, an und wurde direkt Meister. Auch in den Folgejahren setzte sich der sportliche Erfolg fort und schnell bildete sich eine für die Spielklasse ungewöhnlich große Anhängerschaft. Oft besuchten mehr als 1000 Zuschauer die Spiele des Migrantenvereins.
Im Januar 1987 wurde der "BFC Izmirspor" in
Türkiyemspor Berlin e.V. umbenannt, da schon lange nicht mehr nur
Migranten aus dem Raum Izmir aktiv waren. Türkiyemspor schaffte
Jahr für Jahr den Aufstieg und schließlich den Sprung in die
vierthöchste Spielklasse Deutschlands. Neben Hertha BSC und Tennis
Borussia wurde der türkische Verein zur dritten Kraft im damaligen
West-Berlin und spielte regelmäßig vor mehreren tausend Zuschauern.
Bei einem Spiel gegen Hertha BSC Berlin strömten gar mehr als 12000
Fans ins Stadion.
Seit der Saison 1999/2000 spielt man nun in der NOFV-Oberliga
Staffel Nord, nachdem man zwischenzeitlich sowohl eine Klasse höher
in der Regionalliga (1994/95) als auch eine Liga niedriger in der
Verbandsliga (1998/99) aktiv war. Nach der Hinrunde belegt die
Mannschaft von Trainer Thomas Herbst den zweiten Platz und hat gute
Chancen auf den Aufstieg in die Regionalliga.
Soziale Verantwortung wird gelebt
Soviel zum beeindruckenden sportlichen Weg, den Türkiyemspor
gegangen ist. Noch viel eindrucksvoller ist jedoch die Art und
Weise, wie der heutige Oberligist das Thema Integration von
Migranten lebt. Der mittlerweile bekannteste türkisch-stämmige
Verein Deutschlands besteht heute aus drei Männer-, 14 Jungen- und
drei Mädchenmannschaften. Dabei setzt der Klub auf eine
multiethnische Mitgliederstruktur. Alleine im Oberliga-Kader sind
Akteure aus sieben verschiedenen Nationen vertreten, der Trainer
ist deutscher Abstammung. Außerdem entstanden in den vergangenen
Jahren intensive Kooperationen mit Schulen, Jugendklubs und
Moscheen sowie ein Netzwerk aus Projekten gegen Rassismus. Und die
Förderung des Mädchenfussballs sendet ein weiteres wichtiges
Zeichen in Richtung der türkischen Gemeinschaft.
"Diese Sparte hatte uns gefehlt, und wir haben uns vor drei bis vier Jahren dazu entschieden, diese Lücke zu schließen. Jetzt sind wir soweit, dass wir im kommenden Jahr unsere erste Frauen-Mannschaft haben werden", zeigt sich Firat Tuncay, Geschäftsführer des Berliner Amateurklubs gegenüber FIFA.com stolz.
Diese Tatsache und viele andere soziale Projekte sind auch die Gründe für die Verleihung des ersten Integrationspreises des Deutschen Fussball-Bundes (DFB) an Türkiyemspor Berlin. Im Januar verlieh die Jury, der unter anderem DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger und Nationalmannschaftmanager Oliver Bierhoff angehörten, den Preis an den Klub, der im April diesen Jahres sein 30-jähriges Bestehen feiert. "Es ist beeindruckend, zu sehen, mit welch großem Engagement und Einfallsreichtum Initiative ergriffen wird, um das friedliche und faire Miteinander in unserem Land zu fördern", sagte Dr. Theo Zwanziger im Rahmen der Verleihung.
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Und so wundert es nicht, dass der Geschäftsführer bereits Pläne für 2008 geschmiedet hat. "Unabhängig von den zahlreichen Kooperations-Angeboten, die uns in den vergangenen Wochen erreicht haben, werden wir sehr eng mit der Berliner Polizei zusammenarbeiten. Es sind vier bis fünf gemeinsame Seminare für unsere rund 500-köpfige Jugendabteilung geplant, in denen wir Aufklärungsarbeit und Prävention leisten wollen", blickt der Türkiyemspor-Verantwortliche nach vorne.
Profi-Klubs übernehmen auch Verantwortung
Auch in höheren Fussball-Gefilden wird wert auf die
wichtige soziale Komponente gelegt. Bundesligist Borussia Dortmund
beispielsweise engagiert sich mit dem "Lernzentrum für
Problemschülerinnen und -schüler" sowie dem Streetkick-Angebot
in Problemstadtteilen (in Kooperation mit dem Stadtsportbund und
dem Fanprojekt Dortmund) . Und die Deutsche Fussball Liga (DFL)
leitet mit den jüngsten Aktionen (700.000 Spieler, Schiedsrichter
und Fans zeigen Rassismus die Rote Karte, etc.) eine Entwicklung zu
mehr Partizipation an gesellschaftlichen und sozialen Feldern
ein.
Internationale Top-Klubs engagieren sich auch auf diesen sozialen Ebenen. So widmete sich Spaniens Rekordmeister Real Madrid im Rahmen seiner Aktion "Just Causes" im vergangenen Monat der "sozialen Integration von Immigranten. Erzrivale FC Barcelona veranstaltet ein jährliches Futsal-Turnier, das helfen soll, Immigranten und Randgruppen in die soziale Gesellschaft Spaniens zu integrieren.
In Schottland ist es beispielsweise Celtic Glasgow, das sich um die Integration ausländischer Bürger und im speziellen der Asiaten bemüht. Nachdem man sich im 19. Jahrhundert, kurz nach der Gründung des Klubs, den irischen Einwanderen annahm, gelten nun die Bemühungen des 41-fachen schottischen Meisters dem asiatischen Teil der Bevölkerung. Trainer-Seminare, Besichtigungen und Diskussionen rund um die Heimat der Bhoys, dem Celtic Park, gehören zu den Angeboten des UEFA Champions League-Achtelfinalisten.
Der Fussball verbindet Menschen jedes Geschlechts sowie aller Kulturen, Hautfarben und sozialen Hintergründen. Dass man diese Tatsache nicht nur bei Großereignissen, wie Welt- und Europameisterschaften beobachten kann, macht den Sport umso wertvoller. Es sind jedoch vor allem die kleinen Vereine wie Türkiyemspor Berlin aus der deutschen Hauptstadt, die dafür sorgen, dass im Hintergrund und an der Basis diese wichtige soziale Arbeit verrichtet wird.
