In einem Land, in dem rund zwei Millionen Menschen dem Krieg und dem Hunger zum Opfer fielen, ist die Gne Kom Sorths Lebensgeschichte nichts Ungewöhnliches. An dem Tag, an dem sie zur Welt kam, wurde ihr Vater von den Roten Khmer ermordet. Das junge Mädchen wuchs in einer von Furcht geprägten Umgebung auf und entkam mehrfach nur knapp dem Tod, als sie auf der Flucht von einem Dorf zum anderen Minenfelder durchqueren musste.  Doch heute, dreißig Jahre danach, erfüllt Gne Kom ein Versprechen, dass sie ihrem Vater gab, den sie niemals kennengelernt hat: Sie bringt Freude und Hoffnung zurück auf genau die Felder, die während des langen Bürgerkriegs in Kambodscha so viel Schrecken gesehen haben.

Im diesem Jahr erhielt sie als eine von nur zwei kambodschanischen Frauen die von der FIFA anerkannte, offizielle D-Fussballtrainerlizenz. Als einer von sechs Fussball-Instruktoren, die von der Organisation Spirit of Soccer eingestellt wurden - ein Ausführender Partner der FIFA-Initiative Football for Hope und Mitglied des Streetfootballworld-Netzwerks -, gibt sie heute ihr Wissen über den Fussball und die Gefahren von Landminen an eine neue Generation von Kindern weiter, die zwar nach dem Fall der Roten Khmer geboren wurden, aber noch immer in großer Zahl durch Landminen getötet oder verstümmelt werden.

"Ich fühle mich privilegiert", so Gne Kom, heute Hausfrau und Mutter. "Wenn es mir gelingt, das Leben eines Kindes dadurch zu retten, dass ich ihm vermitteln kann, wie gefährlich das Berühren oder Spielen mit Landminen ist, dann hat mein Leben einen Sinn. Ich bin sehr stolz."

Die Geschichte von Lee Heang ist eine ganz andere: Der 23-jährige talentierte und leidenschaftliche Fussballer spielte auf Provinzebene, als er vor etwa einem Jahr nach einem Match von Scotty Lee, dem Gründer und Geschäftsführer von Spirit of Soccer, angesprochen wurde.  "Er fragte mich, ob ich Kinder mag, und fünf Minuten später hatte ich bereits zugesagt, Fussball an einigen Orten zu lehren, die ich normalerweise nicht in meinen kühnsten Träumen besucht hätte", erzählt der aus Wat Leap stammende Heang.

Ein paar Monate später bereiste Lee Heang, mit seiner D-Trainerlizenz im Gepäck, Schulen in abgelegenen Dörfern nahe der thailändischen Grenze. Dabei handelt es sich um eine Region, in der 65 Prozent aller Landminen in Kambodscha zu finden sind und wo sich bis heute viele ehemalige Kämpfer der Roten Khmer verbergen.

"Als ich die Kinder fragte, wer von ihnen schon einmal mit Landminen in Berührung gekommen war, erwartete ich eigentlich, dass ein oder zwei die Hände heben würden. Statt dessen gingen fast alle Arme hoch, und da erkannte ich plötzlich, wie wichtig diese Arbeit ist", erzählt Lee, der inzwischen im kambodschanischen Nordwesten über 10.000 Kinder unterrichtet hat. "Es macht mich glücklich zu wissen, dass ich mit meiner Arbeit das Leben von Kindern retten kann."

Phorn So Pha, die zweite Frau mit einer Fussballtrainer-Lizenz in Kambodscha, kam auch durch ihre Liebe zum Fussball zu ihrer neuen Aufgabe. Nachdem sie sich beim Erziehungsministerium für die Arbeit bei Spirit of Soccer beworben hatte, möchte die 33-jährige Sportlehrerin auch nach dem Ende ihrer Tätigkeit in der Landminenprävention weiterhin dem Fussball verbunden bleiben.

"Ich kann nicht in einem Land leben, in dem Kinder nicht spielen dürfen oder Unschuldige verstümmelt werden, nur weil sie etwas Vergnügen haben wollen", so die heutige Fussballdozentin, die später gern Schiedsrichterin werden will. "Und Fussball ist nun einmal der ideale Weg, Kindern etwas zu vermitteln."

Im Norden Kambodschas sind Trauer und Schmerz nach wie vor alltägliche Begleiter - davon kann auch Sokhorn Soun, der Projektmanager von Spirit of Soccer berichten. Die Frau des 47-Jährigen verlor während des Bürgerkriegs ihre ganze Familie. "Ich liebe sie sehr, und sie unterstützt mich mit ganzem Herzen bei meiner Arbeit", erzählt Sokhorn, der zuvor für die Mines Advisory Group seines Landes tätig war.  "Ich sehe genau, welchen positiven Einfluss der Fussball in dieser Region hat. Und ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen, als wenn unsere kommende Generation überall in Kambodscha gefahrlos Fussball spielen kann."

Mit ihrer Mischung aus Lebenserfahrung und Fussballkenntnissen gehören Gne, Lee Heang, Phorn und Sokhorn zu den ersten Streitern in einem vermutlich sehr langen Kampf zur Befreiung Südostasiens von den Gefahren der Landminen.  Im Augenblick bereisen die vier die Grundschulen der Distrikte Kosh Krolor, Banan und Moung Russey in der Provinz Battambang und unterrichten dabei pro Tag rund 240 Kinder.

Vom 23. bis zum 26. September füllten einige etwas größere Schüler ihre Klassen auf: Federico Addiechi, Leiter der FIFA-Abteilung für Soziale Verantwortung, und Jürgen Griesbeck, Leitender Geschäftsführer von Streetfootballworld - strategischer Verbündeter der FIFA bei der Aktion Football For Hope - besuchten das "Spirit of Soccer"-Projekt in Battambang, einer Provinz, die etwa vier Autostunden nördlich der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh liegt.

Spirit of Soccer nutzt das Medium des Fussballtrainings, um in ehemaligen Kriegsgebieten Kinder über die Gefahren von Landminen und nicht explodierten Kampfmitteln (UXO) aufzuklären.  Nach knapp einem Jahrzehnt erfolgreicher Arbeit in Bosnien konzentriert sich die Arbeit dieser Organisation seit dem letzten Jahr vornehmlich auf Kambodscha. Spirit of Soccer gehört seit 2006 zum Streetfootballworld-Netztwerk und ist eine von 27 Organisationen, die im Rahmen der Aktion Football For Hope von Streetfootballworld und FIFA im Rahmen der Verpflichtung zu sozialer Verantwortung unterstützt werden.