Die Jungs und Mädchen in Wayne-Rooney-T-Shirts scharen sich um ihren Lehrer, der ihnen erklärt, was sie zu tun haben, sollten sie auf eine Mine oder eine nicht explodierte Bombe treffen. Sie haben keine Ahnung, wer Wayne Rooney ist, und Sir Bobby Charlton kennen sie nur, weil er der Mann aus einem anderen Land war, der sie im vergangenen Jahr besuchte und ihnen Fussbälle zum Köpfen zuwarf.
Die Kinder in der Roka-Poeune-Schule kennen jedoch das Spiel in- und auswendig, nachdem eines Tages eine Frau kam und es ihnen beibrachte. Sie sagte ihnen, dass das Feld, dessen Betreten ihnen bisher immer untersagt gewesen war, nun sicher sei, um darauf zu spielen. Dann gab sie ihnen Bälle und brachte ihnen die Regeln und Technik bei. Die Frau ist eine von sechs Kambodschanerinnen, die "Spirit of Soccer" eingestellt und ausgebildet hat, um Fussballkurse abzuhalten und gleichzeitig Kinder über die Gefahren aufzuklären, die von Landminen und nicht explodierten Sprengkörpern ausgehen.
Nachdem er in Bosnien-Herzegowina ein fast zehn Jahre dauerndes Projekt abgeschlossen hatte, richtete Scotty Lee im vergangenen Jahr "Spirit of Soccer" in der Provinz Battambang in Nord-Kambodscha ein, einer der am stärksten verminten Regionen der Welt. Das CMAC ("Cambodian Mine Action Centre") schätzt, dass es in Kambodscha noch vier bis sechs Millionen Minen und nicht explodierte Sprengkörper gibt, und dass es beim gegenwärtigen Tempo 100 Jahre dauern würde, sie alle zu finden und zu entschärfen. Was die Situation noch verschlimmert, ist, dass die Minen während des fast drei Jahrzehnte dauernden Bürgerkrieges strategisch so platziert wurden, dass sie den größtmöglichen menschlichen Schaden anrichten. Mehr als 40.000 Kambodschanern fehlt ein Körperglied, und 40 Prozent der Opfer sind Jungen.
Scotty glaubt, dass das populärste Spiel der Welt ebenso dazu benutzt werden kann, Minenfelder in Fussballfelder zu verwandeln, wie die Botschaft zu vermitteln, dass Minen keineswegs sicher sind. Während die Statistik von 2006 zeigt, dass die durch Landminen verursachten Todesfälle im Vergleich zum Jahr davor um die Hälfte auf 450 gefallen waren, sind die Zahlen in diesem Jahr wieder gestiegen, insbesondere entlang der thailändischen Grenze, wo Minen als Altmetall verkauft werden.
Die sechs Hauptinstruktoren von "Spirit of Soccer" haben nun begonnen, mit Kindern von zehn Grundschulen in Kosh Krolor, Banan und Moung Russey, allesamt Bezirke der Provinz Battambang, zu arbeiten. Schon jetzt nehmen täglich 240 Kinder an den Ausbildungseinheiten der kombinierten Schulung zum Thema Fussball/Gefährdung durch Minen teil. Und die sollen hauptsächlich Vergnügen bereiten. Nach Fussball-Trainingseinheiten von einer Stunde oder mehr erklären die Trainer die Gefahren von Minen, oft anhand von Bildern mit Postern, Notizbüchern und Comic-Heften, die Lee selbst entworfen hat.
Die Arbeit von "Spirit of Soccer", sowohl in Bosnien, wo in den letzten beiden Jahren kein einziges Kind in einen Minenunfall verwickelt war, wie auch in Kambodscha, hat die Aufmerksamkeit der regionalen wie auch der globalen Presse geweckt. Und die Verbindung der Organisation zum Fussball ist auch der FIFA aufgefallen. "Spirit of Soccer" gehört zu den 27 zusätzlichen Projekten, die von der Aktion "Football For Hope" als Teil der Verpflichtung der FIFA zu sozialer Verantwortung unterstützt werden.
Und vom 23. bis zum 26. September empfangen die Kinder in der Provinz Battambang noch mehr Gäste, wenn Federico Addiechi, Leiter der FIFA-Abteilung für Soziale Verantwortung, und Jürgen Griesbeck, leitender Geschäftsführer von Streetfootballworld - strategischer Verbündeter der FIFA bei der Aktion "Football For Hope" - das Projekt besuchen. Auch von ihnen werden die Kinder noch nichts gehört haben, doch wie sie bald herausfinden werden, bedeuten mehr Besucher meist mehr Fussball.
