Seit dem 29. Juli läuft im dänischen Kopenhagen die fünfte Obdachlosen-Weltmeisterschaft. Die einwöchige Veranstaltung ist dabei nicht nur ein internationales Turnier für Obdachlose, sondern richtet sich auch gegen die mit Obdachlosigkeit oft einher gehende soziale Ausgrenzung. Um den Titel bei der Obdachlosen-Weltmeisterschaft spielen in diesem Jahr 500 Spieler aus 48 Ländern.
Viele Personen der Öffentlichkeit unterstützen die Veranstaltung, die an Größe immer mehr zunimmt und sich anschickt, im internationalen Kalender ein Fixpunkt zu werden. Im vergangenen Jahr besuchte Pelé das Turnier im südafrikanischen Kapstadt, und dieses Jahr hat sich die französische Fussballlegende Eric Cantona bereit erklärt, in Kopenhagen als Botschafter zu fungieren.
Ziele sind wichtig
Cantona bezeichnete die Obdachlosigkeit als
"großes Problem in Frankreich und weltweit". Seine
Beteiligung hielt er entsprechend für eine "großartige
Idee". Der Mann, der in den 90er Jahren maßgeblichen Anteil an
der Vormachtstellung Manchester Uniteds im englischen Fussball
hatte, zeigte keinerlei Berührungsängste, gab den Obdachlosen eine
kurze Trainingseinheit und stand ihnen auch danach bei Fragen
jederzeit hilfreich zur Seite.
Cantonas eigenes Erfolgsrezept scheint dabei vergleichsweise simpel: Ein Ziel zu haben. "Als Spieler geht man jeden Tag zum Training und versucht, sich in die Mannschaft fürs Wochenende zu spielen. Am wichtigsten ist, dass man morgens aufsteht, ein Ziel hat und zu helfen versucht. Das ist allgemeingültig. Dafür braucht man den Fussball nicht."
Die Statistik belegt Cantona. Nach der Veranstaltung in Kapstadt im vergangenen Jahr gaben 92 Prozent der Teilnehmer an, neue Motivation für ihr Leben zu haben, und 73 Prozent konnten ihre Lebenssituation verbessern. Es ist also klar, worauf Cantona abzielt.
Neue Stärke
Auf die dänischen Spieler hatte das Erlebnis und
die Möglichkeit, Fussball zu spielen, gewaltigen Einfluss. Ken Bell
Rasmussen etwa, der Toptorschütze der Dänen, feierte nach 17 Jahren
der Trennung ein Wiedersehen mit seiner Mutter, und Ex-Junkie Kenny
Christensen (42) konnte am zweiten Tag der
Obdachlosen-Weltmeisterschaft stolz auf zwei drogenfreie Jahre
zurück blicken.
Ihm hat der Fussball eine ganz neue Sicht auf sein Leben
verschafft. Dank seines Mitwirkens bei der
Obdachlosen-Weltmeisterschaft habe er nun "etwas Neues und
Bedeutendes in meinem Leben, nicht nur Drogen", sagt
Christensen. "Deshalb will ich nicht aufhören, Fussball zu
spielen. Dazu liebe ich den Fussball einfach zu sehr."
Auch sein Mannschaftskamerad Frank Clifforth war früher von Alkohol und Drogen abhängig. Er hatte ein Leben voller Tiefen und Rückschläge, fand durch den Fussball jedoch zu neuer Stärke. "Als kleiner Junge hat es mich glücklich gemacht, Fussball zu spielen, aber dann war der Spaß vorbei", so Clifforth gegenüber FIFA.com. "Wenn ich heute spiele, fühle ich mich als Sieger - als Sieger über meine Aggressionen. Heute bin ich ruhig und gelassen. Das hätte ich mir nie träumen lassen."
