Die gemeinsame Kampagne von UNICEF und FIFA "Tore für Mädchen " wurde am 7. September in Shanghai während einer Pressekonferenz vor dem Start der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft China 2007 offiziell gestartet. Diese Kampagne wurde initiiert, um die Bildung, die Gleichberechtigung und die Rechte von Frauen und Mädchen zu stärken.

Auf der Pressekonferenz unterstrich Richard Bridle, der stellvertretende UNICEF Regionaldirektor für Asien und den Pazifik, dass "Kinder überall in der Welt ein Recht auf Bildung haben. Mädchen auszubilden ist ein Schlüssel im Kampf gegen Armut, um sie gegen Gewalt und Ausbeutung zu schützen, und sie über den Kampf gegen AIDS zu informieren. Sport kann in dieser Beziehung wirklich helfen. Wir sind deshalb sehr froh, die Kampagne zusammen mit unserem langjährigen Partner FIFA zu lancieren. Wir sind besonders glücklich darüber, dies hier in China zu tun, in einem Land, das sich enorm weiterentwickelt hat in Punkto Kinder-Ausbildung sowie Bedingungen für Frauen im letzten Jahrzehnt."

Lesen Sie über die Ziele und die Aktionen dieser Kampagne.

Hintergrund und Motiv
Wie der vor kurzem veröffentlichte UNICEF-Bericht "Zur Situation der Kinder in der Welt 2007" gezeigt hat, sind die Gleichstellung von Mann und Frau und die Förderung der Frauen eng mit den Überlebenschancen und dem Wohlergehen der Kinder verknüpft.

Gleichberechtigung kommt somit nicht nur den Frauen, sondern auch den Kindern zugute und ist deshalb für das Wohl und die Entwicklung von Familien, Gemeinden und Nationen von grundlegender Bedeutung. Wenn sich Frauen verwirklichen können, geht es auch ihren Kindern und Familien besser.

Zu diesem Zweck stellt der UNICEF-Bericht 2007 eine Reihe dringender Massnahmen vor, die insbesondere unter dem Motto "Hilfe zur Selbsthilfe" stehen, da gerade Frauen enorm viel bewegen können. Wenn sie alle im Kleinen gegen festgefahrene Rollenbilder und Diskriminierung ankämpfen, ist für die Sache und die Rechte der Frauen viel gewonnen.

Vor diesem Hintergrund engagiert sich UNICEF zusammen mit zahlreichen weiteren Organisationen auch massgeblich bei der UN-Bildungsinitiative für Mädchen "Girls' Education Initiative" (UNGEI), die bei der Gleichberechtigung schon in der Schule ansetzt und bis 2015 sowohl Knaben als auch Mädchen Zugang zu einer hochwertigen, kostenlosen Grundschulausbildung gewährleisten will. Eng damit verknüpft sind auch die von UNICEF konzipierten " kinderfreundlichen Schulen" (KFS), die mit ihrem ganzheitlichen Unterricht, ihrem spielerischen Element und ihrer schützenden Hand weltweit immer mehr Anhänger finden. Die KFS bieten den Kindern ein gesundes und sicheres Umfeld, in dem sie sich frei entfalten können. Zu diesem Zweck gewährleisten alle Schulen medizinische Betreuung, Verpflegung, praxisnahen Unterricht sowie Zugang zu Wasser und sanitären Einrichtungen. Ebenso ist der Schutz der Kinder vor körperlicher und seelischer Gewalt garantiert.

Kinderfreundliche Schulen fördern Knaben und Mädchen gleichermassen und gehen dabei weit über die reine Wissensvermittlung hinaus, indem sie die Kinder für persönliche und soziale Anliegen sowie für die zahlreichen Extrapflichten der Mädchen, sei es im Haushalt oder bei der Betreuung jüngerer Geschwister oder älterer Familienangehöriger, sensibilisieren. An kinderfreundlichen Schulen, die stets über getrennte sanitäre Einrichtungen verfügen, lernen die Knaben zudem, wie sie sich anderen gegenüber, insbesondere Mädchen, zu verhalten haben.

UNICEF sieht in Sport und Spiel schon lange ein eigenständiges Recht und wichtige Verbündete bei der sozialen Entwicklung, der Konfliktlösung und der Umsetzung der Millenniums-Entwicklungsziele. Gerade auch zur Überwindung traditioneller Rollenbilder, die die Mädchen und Frauen nach wie vor an ihrer vollen persönlichen und gesellschaftlichen Entfaltung hindern, kann der Sport wesentlich beitragen.

"Über den Sport können sich Mädchen und Frauen den Platz in der Gesellschaft erkämpfen, der ihnen zusteht. Er gewährleistet Mädchen, die oft früh in eine Frauen- und Mutterrolle gedrängt werden, mehr Selbstbestimmung. Er verschafft Mädchen Respekt für ihren Körper und Selbstbewusstsein. Er knüpft Freundschaften. Er weist den Weg zu einem selbständigen, unabhängigen und verantwortungsvollen Leben. Mit seinen Akteurinnen beweist er, dass Mädchen entgegen einem gängigen Vorurteil nicht schwächer sind als Knaben, und animiert die Mädchen dazu, auch in anderen Lebensbereichen nach Höherem zu streben." [1]

Sportlerinnen als Vorbilder und Vorreiterinnen
In den vergangenen Jahren haben die Sportlerinnen das traditionelle Frauenbild ein ums andere Mal widerlegt und die Mädchen dazu angespornt, sich aus ihrem gesellschaftlichen Korsett zu befreien und höhere Ziele zu verfolgen.

Ein solches Vorbild ist Mia Hamm. Sie spielte 17 Jahre für die US-amerikanische Auswahl und erzielte dabei mehr Tore als jeder andere Spieler auf der Welt. Sie gehört zu den grössten Figuren, die der Frauensport je hervorgebracht hat, und ist noch heute weltweit ein Idol.

Eine weitere Bannerträgerin des Frauensports ist Nawal El Moutawekel, die 1984 über 400 Meter Hürden als erste Muslimin eine Olympiamedaille gewann. Für Marokko war es gar die erste Goldmedaille überhaupt. Auf ihrer Ehrenrunde mit der riesigen marokkanischen Fahne weckte sie den Stolz und die Sehnsüchte einer ganzen Nation. Noch heute kämpft sie über den Sport und mithilfe zahlreicher Projekte in ihrer Heimat, in Afrika und im arabischen Raum für die Anliegen der Frauen.

Auch Cathy Freeman schrieb über die 400 Meter Hürden Geschichte. Als die Aborigine am 25. September 2000 in Sydney Olympiagold gewann, war eine neue Volksheldin und ein strahlendes Symbol für die nationale Versöhnung Australiens geboren.

Als eines von 24 Geschwistern ist auch die Kenianerin Tegla Loroupe zu einer Symbolfigur geworden. Bereits mit sieben Jahren lief sie jeden Tag zehn Kilometer zur Schule und wieder zurück. 1994 gewann sie in New York ihren ersten Marathon und in der Folge fast alle wichtigen Rennen über diese Distanz. Loroupe sah sich aber nie nur als Läuferin, sondern immer auch als Vorkämpferin für den Frieden und die Unterstützung notleidender und schwacher Menschen auf der Welt.

Dank den Medien, die heute über alle wichtigen Sportveranstaltungen berichten, gehen die Bilder dieser Frauen und ihrer Mitstreiterinnen mittlerweile um die ganze Welt. Sie alle haben in ihrem Sport Männerdomänen erobert und damit bewiesen, dass traditionelle Vorurteile überwunden werden können. Als solche sind sie für die Sache der Frau geradezu ein Glücksfall.

Wieso Sport?
Wie auf Bildung hat ein Kind auch das Recht zu spielen. Genauso wie Bildung können Spiel und Sport das Leben der Kinder positiv beeinflussen, indem sie ihnen wichtige Werte wie Zusammenarbeit, Selbstwertgefühl, Fairness und Respekt mit auf den Weg geben und sie in ihrer physischen und mentalen Entwicklung unterstützen. Aus diesem Grund setzen Organisationen wie UNICEF bei der Förderung von Entwicklung und Frieden zunehmend auf den Sport.

Sport, Bildung und Mädchen
Der Sport schlägt eine Brücke zu den Mädchen und bietet ihnen die Möglichkeit, mehr über sich und ihren Körper (Gesundheit, Hygiene etc.) zu erfahren. Darüber hinaus ermöglicht er ihnen die sozialen Kontakte, die ihnen ob der zahlreichen Haushalts- und Familienpflichten nur zu oft verwehrt bleiben. Beim Sport können die Mädchen genau wie in der Schule beweisen, dass sie den Knaben in nichts nachstehen, und sich so einen gleichwertigen Platz in der Gesellschaft erkämpfen.

Der Sport als Plattform
Jede Kampagne ist auf wirksame Informationskanäle angewiesen. Der Sport und insbesondere der Fussball sind mit ihrer weltweiten Ausstrahlung ein geradezu idealer Kanal. Bei Sportveranstaltungen wie der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft, die weltweit ein grosses Medieninteresse auf sich ziehen, lassen sich Tausende, wenn nicht gar Millionen erreichen.

Wieso China?
Die ganze Welt blickt in Richtung Volksrepublik China, die mit ihrer Wirtschaftsmacht, der weltweit grössten Bevölkerung und ihrem reichen kulturellen Erbe international längst den Takt vorgibt. UNICEF ist in China deshalb an vorderster Front präsent und arbeitet vor Ort eng mit verlässlichen Partnern zusammen. Die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2007 in China bietet UNICEF die einmalige Chance, nicht nur die Anliegen der Mädchen und Frauen allgemein, sondern auch die diesbezüglichen Projekte in China, allen voran die kinderfreundlichen Schulen, die auf Gleichberechtigung, Sport und körperlicher Betätigung aufbauen, in den Fokus zu stellen. UNICEF kann dabei auf die Mithilfe der Teams, Spielerinnen und Trainer zählen, die bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft im Einsatz stehen werden.

Bildung und Sport als Sprungbrett für Mädchen

"Tore für Mädchen!": eine gemeinsame Initiative von UNICEF und der FIFA

Ziel
Diese weltweite Kampagne will Mädchen und Frauen neue Chancen eröffnen. Dabei setzt sie einerseits auf die Stärke und die internationale Ausstrahlung des Fussballs sowie der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft und andererseits auf Bildungsangebote und kinderfreundliche Schulen.

Schwerpunkt der weltweiten Kampagne ist die VR China, in der 20 % aller Mädchen und Frauen leben.

Ziele der Kampagne
1) Frauen und Mädchen sollen über den Sport mehr Respekt und Wertschätzung erfahren, was ganz im Sinne der Millenniums-Entwicklungsziele, insbesondere Ziel Nr. 3 (Gleichstellung der Geschlechter), ist.

2) Entscheidungsträger, Medien, Sponsoren und Vorbilder von Frauen und Mädchen sollen sich für kinderfreundliche Schulen und einen uneingeschränkten Zugang zu einer kostenlosen, hochwertigen Ausbildung sowohl für Knaben als auch für Mädchen engagieren.

3) Die bestehenden Bemühungen zur Schaffung neuer kinderfreundlicher Schulen in China und weltweit sollen unterstützt werden.

4) Die Kampagne soll nach Möglichkeit auf die Länder der Teilnehmer der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2007 (u. a. Australien, Kanada, Dänemark, England, Deutschland, Japan, Neuseeland, Norwegen, Schweden, USA) und die chinesischen Gemeinden weltweit ausgedehnt werden.

"Nu"-Logo und Motto
"Nu" ist ein chinesisches Zeichen und steht für "weiblich". Als solches bildet es den Kern der gemeinsamen Kommunikationskampagne von UNICEF und der FIFA mit dem Titel "Tore für Mädchen!".

Das Logo stellt eine laufende, tanzende Frau dar, die ihren Weg geht. Genau solche Mädchen und Frauen sind das Ziel der Partnerschaft von UNICEF und der FIFA.

"Tore für Mädchen!" ist das weltweite Motto der Kampagne. Darüber hinaus werden weitere Slogans lanciert, die auf das Zielpublikum in den einzelnen Ländern zugeschnitten sind. So ist "Gleichberechtigung schafft Chancen" auf Chinesisch etwa das Motto für China.

1Sport, Recreation and Play, UNICEF, 2004