
Schon seit 1988 lenkt die FIFA jedes Jahr im September die Aufmerksamkeit besonders auf den Gedanken des Fairplay. Auch darüber hinaus stehen Fairness und Sportsgeist natürlich das ganze Jahr über im Mittelpunkt.
Schließlich wird bei jedem FIFA-Turnier eine FIFA Fairplay-Auszeichnung vergeben und bei der FIFA-Gala Ballon d'Or zudem jedes Jahr eine Person, ein Verband oder ein Klub für besondere Fairness ausgezeichnet. Der Monat September wird indes stets besonders unter das Motto der Fairness gestellt.
Zum 15. Jubiläum des FIFA Fairplay-Tages, der erstmals 1997 ausgerufen wurde, hat FIFA.com die Archive durchsucht und 15 ganz besondere Beispiele für Fairness und Sportsgeist herausgesucht.
Die folgende Zusammenstellung ist natürlich keineswegs vollständig, denn jeden Tag zeigen Fussballspieler rund um die Welt zahllose Beispiele für Fairness. Mit der folgenden Auswahl soll lediglich dieser enorm wichtige Aspekt des Fussballs besonders beleuchtet werden.
13. Februar 1999, FA Cup, FC Arsenal - Sheffield United
Arsenals Trainer Arsene Wenger schlug eine Wiederholung des FA Cup-Spiels zwischen den beiden Teams vor, da Arsenals Sieg durch ein umstrittenes Tor zustande gekommen war. Nachdem der Ball absichtlich ins Aus gespielt worden war, damit Lee Morris von Sheffield United wegen einer Verletzung behandelt werden konnte, spielte Nwankwo Kanu die Kugel nicht zum Gegner zurück. Stattdessen leitete er den Spielzug ein, den Marc Overmars mit dem Siegtreffer für den FC Arsenal abschloss. Das Wiederholungsspiel zehn Tage später gewann der FC Arsenal erneut mit 2:1.
23. Mai 2001, UEFA Champions League, Bayern München - FC Valencia
Oliver Kahn hatte gerade im Elfmeterschießen das Finale der UEFA Champions League gewonnen. Doch statt sofort mit seinen Teamkameraden zu feiern, ging der deutsche Torhüter zu seinem Gegenüber Santiago Canizares, nahm den Spanier in den Arm und tröstete ihn. Die UEFA zeichnete Kahn wegen dieser vorbildlichen Kameradschaft mit einem Fairplay-Preis aus. Ein Jahr später war es dann Kahn selbst, der getröstet wurde, nachdem er im Finale der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Korea/Japan 2002™ mit mehreren Fehlern zur Niederlage der deutschen Mannschaft beigetragen hatte. Diesmal war es der brasilianische Torjäger Ronaldo, der dem Gegner Trost spendete.
1. Februar 2003, Carlsberg Cup, Dänische Ligaauswahl - Iran
Morten Wieghorst schoss in der Partie einer dänischen Ligaauswahl gegen Iran einen Elfmeter absichtlich am Tor vorbei. Ein iranischer Spieler hatte einen Pfiff gehört, diesen irrtümlich für den Halbzeitpfiff des Schiedsrichters gehalten und daraufhin den Ball im Strafraum in die Hand genommen. Doch der Pfiff war von den Tribünen gekommen. Nach der Partie sagte Wieghorst: "Es wäre unfair gewesen, daraus einen Vorteil zu ziehen." Der Mittelfeldspieler wurde 2003 zu Dänemarks Fussballer des Jahres gewählt und zudem mit einer Fairplay-Auszeichnung des Olympischen Komitees geehrt.
30. April 2005, Bundesliga, Werder Bremen - Arminia Bielefeld
Miroslav Klose ging im Zweikampf mit Bielefelds Schlussmann Mathias Hain im Strafraum zu Boden, der Torhüter bekam die Gelbe Karte und der Angreifer einen Elfmeter. Doch Klose überzeugte den Schiedsrichter, dass Hain zuerst den Ball gespielt habe und dass der Elfmeter daher unberechtigt wäre. Der Schiedsrichter zog daraufhin seine Elfmeterentscheidung und die Gelbe Karte zurück. Klose erhielt dafür eine Fairplay-Auszeichnung und meinte bei der Verleihung: "Es ist eine große Ehre für mich, dass ich diesen Preis erhalte. Aber es wundert mich schon ein bisschen. Für mich war das selbstverständlich. Ich würde es jederzeit wieder tun."
20. September 2005, KNVB Cup, Ajax Amsterdam II - Cambuur Leeuwarden
Jan Vertonghen wollte den Ball nach einer Spielunterbrechung zum Gegner zurückspielen, doch der als Rückpass gedachte Ball flog über den Torhüter hinweg und landete im Netz. Damit lag Ajax mit 3:0 in Führung. Ajax ließ Cambuur daraufhin ohne ernsthafte Gegenwehr ebenfalls ein Tor erzielen. Die Partie endete mit einem 3:1-Sieg Amsterdams.
28. August 2007, Englischer Ligapokal, Nottingham Forest - Leicester City
Der vom Premier-League-Club AFC Sunderland an Leicester City ausgeliehene Verteidiger Clive Clarke erlitt während der Halbzeitpause des Ligapokalspiels einen Herzstillstand. Clarke wurde sofort ins Krankenhaus gebracht und die Partie wurde abgebrochen. Zur Halbzeit hatte Nottingham Forest mit 1:0 in Führung gelegen. Bei der Wiederholung des Spiels ließen die Verteidiger von Leicester den gegnerischen Torhüter Paul Smith unbehelligt durch die Abwehr spazieren, so dass er den Spielstand bei Clarkes Herzstillstand wieder herstellen konnte.
28. August 2007, UEFA Champions League, FC Liverpool - FC Toulouse
Die Rivalität zwischen den Liverpooler Klubs FC Everton und FC Liverpool gehört zu den intensivsten im englischen Fussball. Doch nach einem tragischen Ereignis in der Stadt rückte dies für einen Moment in den Hintergrund. Wenige Tage vor dem UEFA Champions-League-Spiel des FC Liverpool gegen den FC Toulouse war der elfjährige Everton-Fan Rhys Jones bei einer Schießerei in der Stadt ums Leben gekommen. Daraufhin gab es vor der Partie gegen Toulouse eine beispiellose Geste der Reds: Statt der üblichen Liverpooler Stadionhymne You’ll Never Walk Alone wurde an der Anfield Road die Melodie der englischen Fernsehserie Z-Cars gespielt, die traditionelle Musik des FC Everton. Mit dieser Geste wollte man an das tragische Schicksal von Rhys erinnern. Zudem trugen die Spieler beider Mannschaften zu Ehren des jungen Everton-Fans schwarzen Trauerflor.
23. Dezember 2009, Ligue 1, Olympique Marseille - AJ Auxerre
Nachdem der slowenische Stürmer Valter Birsa bei einem Zweikampf mit Bakary Kone zu Boden gegangen war, gab es einen Platzverweis gegen Kone. Doch der Stürmer wandte sich an den Schiedsrichter und forderte ihn auf, die Entscheidung zurückzunehmen, was auch geschah. Nach der Partie erklärte Birsa: "Er hat nichts Verbotenes getan, sondern nur seine Hand auf meinen Rücken gelegt. Dabei war keinerlei böser Vorsatz bei Kone vorhanden. Wir kämpften um den Ball und er fiel auf mich. Doch es war kein Foul, und so habe ich den Schiedsrichter aufgefordert, ihn nicht des Feldes zu verweisen."
28. Januar 2010, Pro League Iran, Moghamvemat - Steel Azin
In einem für beide Teams enorm wichtigen Spiel warf sich Torhüter Hamid Neshatjoo von Steel Azin bei einem gegnerischen Angriff mit vollem Einsatz mitten ins Gewühl und wurde am Kopf getroffen. Unmittelbar danach kam Amin Motevaselzadeh außerhalb des Strafraums an den Ball und umspielte einen Verteidiger, als er sah, dass der gegnerische Torhüter am Boden lag. Statt nun das Leder ins leere Gehäuse zu schießen, spielte er den Ball ins Aus. Moghamvemat verlor die Partie mit 1:2 und Motevaselzadeh erhielt die Fairplay-Auszeichnung für die Ligasaison 2010.
8. Dezember 2010, Torneo Descentralizado (Peru), Leon de Huanuco - Universidad San Martin
Gustavo Rodas sah im Final-Hinspiel zwischen diesen beiden Kontrahenten die Rote Karte. Die Disziplinarkommission des peruanischen Fussballverbandes hob diese Entscheidung allerdings nachträglich wieder auf. Doch Huanucos Trainer Franco Navarro hielt diese Begnadigung für falsch. Daher teilte er dem Trainer von Universidad mit, dass er Rodas im Rückspiel nicht einsetzen werde, um seinen Respekt für die ursprüngliche Entscheidung und die Sperre zu zeigen. Universidad San Martin gewann das Rückspiel und damit das Turnier. Navarro seinerseits erhielt die Fairplay-Auszeichnung 2010 und wurde außerdem als bester Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er sagte: "Ich werde regelrecht mit Komplimenten überhäuft. Ich nehme diese Auszeichnung mit großer Freude entgegen und ich weiß, dass unsere Spieler stolz auf diese Geste sind."
22. Dezember 2010, DFB-Pokal, VfB Stuttgart – FC Bayern München
Khalid Boulahrouz sah nach einem harten Einsteigen gegen Bayerns Bastian Schweinsteiger die zweite Gelbe Karte, woraufhin der Mittelfeldspieler der Bayern Protest einlegte und versuchte, den Schiedsrichter zu einer Meinungsänderung zu bewegen. Dieser blieb jedoch bei der einmal getroffenen Entscheidung. Bayern München gewann die Partie am Ende mit 6:3 und der damalige DFB-Präsident Theo Zwanziger erklärte nach der Partie: "Glückwunsch, Bastian Schweinsteiger! So verhält sich ein Nationalspieler. In angemessener Form hat er den Schiedsrichter darauf aufmerksam gemacht, dass er möglicherweise zu hart urteilt. Diese Aktion war eine wichtige Botschaft."
20. Juni 2011, Finale des Iraurgi-Sommerturniers, Espanyol Barcelona (Junioren) – FC Sevilla (Junioren)
Die Junioren des FC Sevilla gewannen dieses Sommerturnier nach Elfmeterschießen gegen Espanyol Barcelona, nachdem die Partie mit einem 4:4-Unentschieden geendet hatte. Sevillas Trainer Ernesto Chao war jedoch der Ansicht, dass Espanyol im Spielverlauf viel besser gespielt und damit die Trophäe verdient hatte. Nach einem Gespräch mit seinen Schützlingen beschloss das Team, Espanyol den Pokal zu geben.
31. August 2011, Brasileiro-Meisterschaft, Vasco da Gama - Ceara
Nachdem Vasco da Gamas Trainer Ricardo Gomes während einer Partie gegen Flamengo einen Herzinfarkt erlitten hatte und im Krankenhaus lag, bestritt Vasco das nächste Spiel gegen Ceara. Dabei zeigten nicht nur Vascos Spieler ein Transparent mit Genesungswünschen für ihren Trainer, sondern auch die Spieler von Ceara. Vor dem Spiel versammelten sich die Akteure beider Teams rund um den Mittelkreis, umarmten sich und beteten für eine schnelle Genesung des Trainers.
12. Februar 2012, Mexikanisches U-20-Turnier, Pachuca - Estudiantes Tecos
Nach einer Spielunterbrechung sollte das Spiel mit einem Schiedsrichterball fortgesetzt werden, wobei der Ball von Estudiantes zurück zu Pachuca gehen sollte. Doch stattdessen folgte ein Dribbling eines Estudiantes-Spielers in Richtung des Tores und nach einem Foul von Pachucas Torhüter am Angreifer gab es einen Elfmeter für Tecos. Estudiantes-Trainer Mauricio Gallaga war angesichts des unsportlichen Verhaltens seiner jungen Schützlinge bestürzt und gab die Anweisung, den Elfmeter am Tor vorbei zu schießen. Nach der Partie sagte Gallaga: "Ich werde immer wieder gefragt, was ich gemacht hätte, wenn es unentschieden gestanden hätte. Die Antwort ist: Ich hätte genau das Gleiche gemacht."
10. April 2012, Zweite Bundesliga, St. Pauli - Union Berlin
St. Paulis Stürmer Marius Ebbers hatte in der Partie eine Riesenchance auf den Führungstreffer, doch der Ball berührte seine Hand und das Tor war somit regelwidrig. Das allerdings hatte der Schiedsrichter nicht klar erkennen können und erkannte den Treffer an. Doch Ebbers informierte den Unparteiischen über das Handspiel, so dass der vermeintliche Treffer wieder gestrichen wurde. FIFA-Präsident Joseph S. Blatter twitterte hierzu: "Großartiges Beispiel von Marius Ebbers. Das zeigt, dass Fairplay im Fussball immer noch möglich ist und dich auch nicht vom Gewinnen abhält."