Pienaar: "Ich lebe für den Fussball"
© Getty Images

Steven Pienaar hat es geschafft, der Armut seiner Kindheit im Township Westbury bei Johannesburg zu entfliehen und im südafrikanischen Fussball eine echte Berühmtheit zu werden. Der schnelle Mittelfeldspieler führte mit FIFA.com ein Interview aus seinem Haus in Liverpool, wo er beim Premier League-Klub FC Everton glänzt.

Zu den Themen in dem ausführlichen Gespräch gehörten Pienaars harte Jugend, sein Aufstieg und sein Weg zum Ruhm, die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ und seine Freude darüber, dass er sich als FIFA Football For Hope–Botschafter mit ganzer Kraft in den Dienst einer guten Sache stellen kann.

Herr Pienaar, wie wichtig war der Fussball in Ihrer Kindheit?
Ich komme aus einer sehr armen Umgebung, in der Fussball eine sehr wichtige Rolle spielte. Der Fussball war etwas, worauf ich mich konzentrieren konnte, etwas, das ich lieben und schätzen konnte. Beim Fussball konnte ich die ganzen Probleme zu Hause verdrängen. Der Fussball hielt mich als Kind einfach beschäftigt und sorgte dafür, dass ich viele neue Freunde fand.

Wie war es, im Township Westbury aufzuwachsen?
Es war ziemlich schwierig, weil es an allen Ecken und Enden so viele Probleme gab und man selbst mittendrin steckte. Wie ich schon gesagt habe, der Fussball war meine große Antriebskraft und sorgte dafür, dass wir uns von vielen Problemen und Gefahren fernhielten.

Können Sie uns etwas über den Einfluss und die Bedeutung des Fussballs in Ihrem Leben erzählen?
So genau kann ich das ehrlich gesagt nicht, doch wenn ich zurückblicke, sind viele meiner Freunde wegen der Armut auf die schiefe Bahn geraten. Sie mussten irgendetwas tun, um über die Runden zu kommen. So wurden einige von ihnen zu Drogendealern oder sonstigen Kriminellen.

Wie kann der Fussball jungen Menschen helfen, ihre persönlichen Ziele zu erreichen?
Wenn man jeden Tag Fussball spielt, gibt einem das Selbstvertrauen und Hoffnung, was sehr wichtig ist. Wenn man jeden Tag spielt, dann kann man sich perfektionieren. Wenn man jeden Tag spielt und sechs, sieben Stunden mit dem Ball verbringt, dann wird man immer besser und erreicht schließlich einen Punkt an dem man überzeugt ist, dass man seine Ziele erreichen kann.

Der FIFA-Präsident nennt den Fussball eine "Schule des Lebens". Würden Sie dem zustimmen?
Ja, unbedingt. Man kann nicht immer gewinnen, doch andererseits kann man gar kein Spiel gewinnen, wenn man nicht spielt. Insofern reflektiert Fussball das wahre Leben. Viele Menschen leben einfach für den Fussball, und ich bin einer davon.

Was bedeutet Ihnen die Tätigkeit als FIFA Football for Hope-Botschafter?
Es ist eine große Ehre, als Botschafter für die FIFA zu arbeiten. Die FIFA hätte schließlich auch viele andere Persönlichkeiten fragen können, doch man hat mich ausgewählt und ich fühle mich wirklich sehr geehrt und werde alles tun was ich kann, um zu helfen.

Was ist Ihrer Ansicht nach das wichtigste Vermächtnis der WM in Südafrika?
Die Menschen in Südafrika lieben den Fussball. Ich denke, dass es daher ein so großartiges Turnier war. Außerdem hat es dem Rest der Welt gezeigt, dass der Fussball mitten im Leben steht. Man kann auf verschiedene Kontinente gehen und überall machen die Menschen das Beste aus der Gelegenheit, da der Fussball die Menschen zusammenbringt. Genau das hat der FIFA-Präsident getan und es hat Südafrika wieder vereint.

Die Vorbereitung auf die WM und diese Ehre fallen mit Ihrer Zeit in Everton zusammen. Was macht diesen Klub so besonders?
Nun, es ist ein wirklich geschichtsträchtiger Klub, wie wir alle wissen, mit großem Rückhalt bei den Menschen – und die Mannschaft ist definitiv wieder im Aufwind.

Denken Sie, dass das Team in den nächsten Jahren eine echte Herausforderung für die Big Four werden kann?
Ich denke, dass die Qualität dafür bei diesem Klub auf jeden Fall vorhanden ist. Das einzige Problem – und auch das scheint jeder zu wissen – ist das Geld. Wir bräuchten mehr Spieler. Hoffentlich ändert sich das in den nächsten Jahren. Dann kann das Team zu einem echten Herausforderer werden.

David Moyes hat schon zwei Mal die Auszeichnung als Trainer des Jahres gewonnen, seitdem er in Everton ist. Was macht ihn zu einem so guten Trainer?
Ich denke, er ist ein echter Workaholic – er arbeitet rund um die Uhr und er hat diese beiden Auszeichnungen auf jeden Fall verdient. Ich bin sicher, dass er noch eine ganze Menge mehr erreichen und einer der besten Trainer der Welt werden wird. Ich habe jedenfalls noch nie einen Trainer gesehen, der so hart arbeitet wie er.

Sie sind mittlerweile Vize-Kapitän der südafrikanischen Nationalmannschaft. Spüren Sie eine größere Verantwortung auf Ihren Schultern?
Allerdings. Ich fühle mich geehrt, Vize-Kapitän der Nationalmannschaft zu sein und muss nun etwas anders an manche Dinge herangehen. Bisher habe ich es vorgezogen, etwas mehr im Hintergrund zu bleiben, doch jetzt habe ich die Verantwortung, zur Führung der Mannschaft beizutragen. Man gewöhnt sich daran. Im Leben lernt man jeden Tag neue Dinge. Diese neue Stufe der Verantwortung zu übernehmen, war für mich eines dieser Dinge.

Südafrikas neuer Nationaltrainer Pitso Mosimane ist jetzt schon seit einiger Zeit im Amt. Was sagen Sie über ihn?
Er ist genau wie Moyes ein Workaholic. Er schläft nie. Er denkt an nichts anderes als an Fussball. Und er ist ein großartiger Trainer, der hart arbeitet und von jedem ein Höchstmaß an Disziplin verlangt. Ich habe das Glück, dass ich ihn schon kenne seit ich 13 war. Daher weiß ich alles über ihn und was für ein Mensch er ist. Er will auch am Leben der Spieler abseits des Rasens teilhaben. Er will, dass die Spieler immer glücklich sind. Er ist eine echte Vaterfigur, was sehr wichtig ist. Ich denke, dass er es voll und ganz verdient hat, Nationaltrainer zu sein.

Sie machen den Eindruck, sehr zufrieden mit Ihrer Karriere zu sein. Waren Sie in Ihrer Karriere schon einmal so glücklich?
Der Eindruck stimmt. Ich habe noch nie so gern Fussball gespielt wie jetzt. Außerdem habe ich zwei gesunde Töchter und eine gesunde Familie. Das ist das Allerwichtigste. Und genau das macht mich glücklich.

Möchten Sie den jungen Menschen in Südafrika und auf der ganzen Welt eine Botschaft mit auf den Weg geben?
Im Leben scheint es manchmal so, als wäre man weit entfernt von seinen Träumen. Man könnte denken, dass man seine Ziele niemals erreicht. Doch mit Glaube und Vertrauen kann man seine Ziele erreichen. Und wenn man nicht aufhört, danach zu streben, dann öffnet Gott die Türen, die verschlossen sind.