Lord Ouseley: Fussball spielt eine wichtige Rolle
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Der Brite Lord Ouseley war am Montag, 23. Januar, bei der FIFA zu Gast, um sich mit FIFA‑Präsident Joseph S. Blatter zu einem Gespräch über den andauernden Kampf gegen Diskriminierung jeglicher Art zu treffen.

Lord Ouseley ist Vorsitzender von Kick It Out, einer britischen Organisation, die sich in den Bereichen Fussball, Bildung und Gemeinden dem Kampf gegen Diskriminierung widmet, auf Einbindung statt Ausgrenzung setzt und positive Veränderungen herbeiführen will. Kick It Out hat eine führende Rolle im Netzwerk Football Against Racism in Europe (FARE). Die FIFA führt die Organisation als Beispiel für vorbildliches Verhalten an.

2011 veröffentlichte FIFA.com eine Interviewreihe mit Fussballgrößen wie Steffi Jones (Deutschland), Anthony Baffoe (Ghana) und Ali Al Habsi (Oman) über verschiedene Formen der Diskriminierung im Fussball und die Frage, was man dagegen tun kann. Eine ähnliche Reihe gibt es auch im Jahr 2012. Lord Ouseleys Besuch im Home of FIFA bildet den passenden Auftakt.

Lord Ouseley, wie war Ihr heutiger Besuch im Home of FIFA?
Wir sind zu einem Treffen mit dem FIFA-Präsidenten zusammengekommen. Er hat uns erneut seines Engagements für den Kampf gegen Rassismus und andere Formen der Diskriminierung versichert. Das Engagement der FIFA in diesem Bereich besteht ja schon lange und ist überall bekannt. Das Reglement der FIFA hinsichtlich des Umgangs mit Diskriminierung auf dem Platz und abseits davon ist unmissverständlich.

Weltweit haben über 300 Millionen Menschen mit Fussball zu tun. Es ist eine enorme Aufgabe, die höchst unterschiedlichen Schwierigkeiten jedes einzelnen Landes zu überwinden. Es gibt enorm viel Arbeit, aber auch den Willen, sich den Herausforderungen zu stellen. Das ist das Wichtigste. Es ist mehr als nur Symbolpolitik. Wir müssen sehen, wie wir alle zusammenarbeiten und vorwärts kommen können. Das ist die Botschaft des heutigen Besuchs. Es gibt viel Positives, auf dem wir aufbauen können. Es wird noch sehr viel mehr Lernerfahrungen und Austausch von Erfahrungen, Informationen und Fachwissen geben.

Wie würden Sie Diskriminierung definieren?
Diskriminierung ist ganz einfach die Ungleichbehandlung anderer Menschen ohne triftigen Grund. Es gibt Bereiche, in denen Ungleichbehandlung durchaus angebracht ist, etwa wenn man Menschen mit Behinderungen bessere Einrichtungen zur Verfügung stellt, weil ihnen das eine gerechtere Behandlung ermöglicht, die sie andernfalls nicht bekommen würden.

Gibt es also so etwas wie positive Ungleichbehandlung?
Jemandem einen Vorteil einräumen bedeutet immer, einen anderen ungerecht zu behandeln. Wenn es das ist, was unter positiver Ungleichbehandlung verstanden wird, bin ich nicht dafür. Ich glaube, was wir tun müssen, ist, die Hindernisse beseitigen, die verhindern, dass Menschen gleich behandelt werden.

Warum gibt es Diskriminierung im Fussball?
Ich glaube, Diskriminierung im Fussball hat etwas mit der Einstellung zu tun, die einige Leute gegenüber anderen Menschen haben. Da gibt es zunächst die Diskriminierung aufgrund von Abstammung und Hautfarbe. Manche Menschen sind engstirnig und hegen einen irrationalen Hass und Vorurteile. Deshalb verhalten sie sich so. Das ist die grundlegendste und offensichtliche Form von Diskriminierung. Aber daneben tritt sie im Fussball genau so auf wie in der Gesellschaft auch: als Diskriminierung gegen Frauen, gegen Menschen mit Behinderungen und überhaupt gegen Menschen, aus jedem erdenklichen Grund. Menschen, die sich in einer vorteilhaften Position befinden, Einfluss und Macht haben, diskriminieren deshalb besonders häufig, weil es für sie ohne Folgen bleibt. Denn diese Menschen können subtil diskriminieren; sie können es im Rahmen von Richtlinien, Regelwerken und Abläufen tun.

Was kann die FIFA gegen Diskriminierung tun?
Die FIFA hat zahlreiche Programme, die sich gegen Ungleichbehandlung und Diskriminierung richten und bestehende Ungerechtigkeiten aufdecken. Damit kann sie Menschen in Ländern unterstützen, die etwas erreichen wollen und dabei auf Diskriminierung und Ausgrenzung stoßen. Außerdem kann sie Disziplinarmaßnahmen ergreifen. Ich denke, einer der wichtigsten Aspekte im Handeln der FIFA ist es, dass sie stets darauf achtet, benachteiligte Menschen durch ihre Unterstützung wenn irgend möglich zu befähigen, selbst aktiv zu werden.

Die FIFA hat sich selbst Regeln gegeben, mit denen sie gegen nationale Verbände vorgehen kann, die ihrerseits Regeln nicht einhalten oder brechen. Sie ist außerdem in der Lage, dafür zu sorgen, dass Offizielle und Spielleiter ihre Pflichten durch Ausbildung und Schulung so versehen können, dass das Ziel der Gleichbehandlung und Nichtdiskriminierung gewahrt bleibt und die Werte der FIFA – allen voran Respekt und Fairplay – gefördert werden.

Die FIFA spielt also eine sehr wichtige Rolle beim Schaffen eines Bewusstseins, weil sie damit auf lokaler und globaler Ebene Werte fördert – nicht nur für die Sportwelt. Außerdem ist die FIFA in der Lage, Aktionen an der Basis zu initiieren. Dadurch können sich alle Menschen einbringen und bei der Überwindung von Benachteiligungen aller Art Fortschritte machen.

Warum ist Fussball im Kampf gegen Diskriminierung so wichtig?
Fussball ist deshalb so prädestiniert, weil er schlicht weltweit von unzähligen Menschen gespielt wird. Es ist ein einfaches Spiel. Viele Menschen auf der ganzen Welt, die es sich nicht leisten können oder keine Gelegenheit haben, Fussball im Verein zu spielen, spielen eben locker und spontan. Das sind die Werte des Fussballs – Wettbewerb, Teilhabe, Engagement, Spaß. Aber Vorurteile, Engstirnigkeit, Hass und Ignoranz, die nichts mit dem Fussball zu tun haben, von denen wir uns aber alle zu einem gewissen Grad nicht freisprechen können, können den Fussball auch vergiften.

Fussball muss im Kampf gegen Diskriminierung eine Rolle spielen, weil er die Menschen erreicht. Fussball verbindet. Durch ihn interagieren Menschen. Deshalb spielt Fussball eine so große Rolle beim sozialen Zusammenhalt und bei der Integration. Fussball kann nicht alle Probleme lösen, aber er kann sich überaus positiv auf das Leben der Menschen auswirken.

Besteht die Gefahr, dass man selbstzufrieden wird?
Ich glaube, man muss sich immer wieder hinterfragen und anpassen. Kick It Out und andere Kampagnen schauen immer, was man noch tun kann, was man anders machen sollte oder welche neuen Problemstellungen sich abzeichnen. Das Problem ist, dass, wenn man an einem Punkt angekommen ist, da man Fortschritte erkennen kann, der Prozess, der zu diesem Fortschritt geführt hat, längst überholt sein kann.

In England gab es in jüngster Zeit ja einige Aufsehen erregende Fälle. Deswegen und weil die Besorgnis nun groß ist, haben einige schon von einem echten Problem gesprochen. Das halte ich jedoch für übertrieben. Die aktuellen Probleme hat es immer schon gegeben und vor einigen Jahren war es sogar noch schlimmer.

Wir dürfen nicht zulassen, dass das Negative das Positive überlagert, denn es hat sich schon viel verbessert und viele Leute tun eine Menge Gutes im Kampf gegen Diskriminierung.