Biografie
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FIFA-PRÄSIDENT Joseph S. Blatter
Schweiz

Geburtstag
10. März 1936

Muttersprache
Deutsch

Fremdsprachen

Französisch, Englisch, Spanisch, Italienisch

Wohnort
Zürich, Schweiz

Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees seit

1998

Position
FIFA-Präsident (seit 1998)

1981–1998: Generalsekretär, 1975–1981: Technischer Direktor

Biografie
Joseph S. (Sepp) Blatter wurde am 10. März 1936 im schweizerischen Visp, nahe des berühmten Matterhorns, geboren. Er absolvierte die Collèges de Sion und St. Maurice, wo er die Matura (Abitur) machte, und schloss seine weitere Ausbildung an der Universität Lausanne (Rechtsfakultät) mit dem Lizenziat in Betriebs- und Volkswirtschaftswissenschaften ab. Joseph Blatter ist Vater einer Tochter.

Tätigkeiten im Sport

  • Aktiver Fussballer von 1948 bis 1971 (spielte in der obersten Schweizer Amateurliga)
  • Mitglied des Vorstands von Neuenburg Xamax von 1970 bis 1975
  • Mitglied des Panathlon-Klubs (Verein von Sportfunktionären)
  • Seit 1956 Mitglied des Verbandes Schweizer Sportjournalisten

Seit 1999 ist er Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).

Berufliche Laufbahn
Am 8. Juni 1998 wurde Joseph S. Blatter beim 51. FIFA-Kongress in Paris zum Nachfolger von Dr. João Havelange (Brasilien) zum achten Präsidenten der FIFA gewählt. Damit erklomm der Schweizer, der zuvor bereits während 23 Jahren in verschiedenen Positionen für die FIFA gearbeitet hatte, die höchste Stufe im internationalen Fussball.

Zu Beginn seiner Laufbahn war Joseph Blatter als PR-Chef des Walliser Verkehrsverbandes tätig und wurde danach Generalsekretär des Schweizerischen Eishockeyverbandes (1964). Später setzte er seine Karriere als Journalist und PR-Fachmann im Sport und in der Privatwirtschaft fort. Als Direktor für PR und Sport der Longines S.A. war er im Bereich der Zeitmessung an der Organisation der Olympischen Spiele 1972 und 1976 beteiligt und kam so mit der internationalen Sportszene in Kontakt.

Im Sommer 1975 begann Joseph S. Blatter als Direktor der FIFA-Entwicklungsprogramme Präsident João Havelanges Projekte auf diesem Gebiet umzusetzen. Zu jenem Zeitpunkt entstanden die Ideen für die Wettbewerbs- und Ausbildungsprogramme. Es wurden die Grundsteine für die Weltmeisterschaften in den Alterskategorien U-20 und U-17 sowie im Frauen- und Hallenfussball (Futsal) gelegt, die heute ein integraler Bestandteil der weltweiten FIFA-Aktivitäten sind.

1981 berief das FIFA-Exekutivkomitee den polyglotten Schweizer zum neuen Generalsekretär und stattete ihn 1990 mit den Befugnissen eines Exekutivdirektors (CEO) aus. Unter seiner Ägide wurden nicht weniger als fünf Weltmeisterschaften durchgeführt (Spanien 1982, Mexiko 1986, Italien 1990, USA 1994 und Frankreich 1998). Zusammen mit João Havelange war er zudem federführend bei den Verhandlungen für die Fernseh- und Marketingverträge zur kommerziellen Verwertung der Fussball-Weltmeisterschaften bis ins Jahr 2006.

Ende März 1998 beschloss er angesichts der direkten Unterstützung und des augenscheinlichen Interesses mehrerer Verbände aus allen Konföderationen, für das Amt des FIFA-Präsidenten zu kandidieren, und wurde beim Kongress 1998 gewählt. Am 29. Mai 2002 wurde er in Seoul wiedergewählt und am 31. Mai 2007 per Akklamation in Zürich in seinem Amt für weitere vier Jahre bestätigt. Am 1. Juni 2011 wurde er abermals wiedergewählt.

WM-Premieren in Asien und Afrika
Joseph S. Blatter gehört zu den versiertesten Strategen auf dem Parkett der internationalen Sportdiplomatie. Er stellt sich vollumfänglich in den Dienst des Fussballs, der FIFA und der Jugend. Dank seiner jahrzehntelangen Arbeit in verschiedenen Bereichen des Weltfussballs verfügt er über die Erfahrung, das Netzwerk und die Fachkompetenz, den Fussball in die Zukunft zu führen und die damit verbundenen Herausforderungen zu bewältigen.

Er setzt auf die Basisdemokratie der FIFA und den permanenten Dialog mit den 209 Mitgliedsverbänden und den sechs Konföderationen. Dass die WM-Endrunde während seiner Amtszeit zum ersten Mal in Asien (2002) und in Afrika (2010) stattfand, steht für sein globales Denken. Die Premieren in Russland (2018) und im arabischen Raum (2022) sind die logische Fortsetzung der von ihm eingeleiteten Entwicklung.

In der Entscheidungsfindung setzt er auf den Dialog mit allen Beteiligten – Spielern, Trainern und Schiedsrichtern. Auch in technischer Hinsicht befindet er sich auf Ballhöhe und ist für Regelanpassungen und Änderungen zur Förderung der Attraktivität und Glaubwürdigkeit offen. Die Einführung der Torlinientechnologie und des Freistoßsprays sind zwei der jüngsten Beispiele.

Zu Blatters wichtigsten Anliegen gehört die Förderung des Frauenfussballs. Die WM-Endrunde der Frauen 2015 in Kanada, die erstmals mit 24 Teams ausgetragen wird, markiert einen Meilenstein. Unter Blatter hat sich der Frauenfussball auf Spitzenniveau und an der Basis weiterentwickelt. Heute spielen 30 Millionen Frauen weltweit Fussball. In vielen Ländern ist der Fussball das wichtigste Mittel zur Förderung der Gleichberechtigung, wobei  gerade im afrikanischen und asiatischen Raum noch viel zu tun bleibt.

Fussball – der Teamsport par excellence – bedeutet für den Präsidenten der FIFA Erziehung, Charakterbildung und Kampfgeist, gepaart mit gegenseitigem Respekt und Disziplin. "Fussball ist eine optimale Lebensschule", sagt Blatter. Allein 2014 führte die FIFA 579 Veranstaltungen im Bereich Erziehung und Ausbildung durch.

Der Fussball soll mithilfe der Fairness dazu beitragen, dass sich die Völker dieser Welt untereinander besser verstehen lernen. "Fussball ist Theater und Unterhaltung und übt eine unvergleichliche Anziehungskraft auf die Medien aus. Er inspiriert Künstler und schafft zahlreiche Arbeitsplätze. In erster Linie jedoch ist Fussball Leidenschaft und Emotion. Er ist Bewegung und bewegt. Er ist das populärste, aber auch der am meisten diskutierte Sport der Welt", so Blatter.

Insbesondere in wirtschaftlich benachteiligten Regionen fördert der Fussball Hoffnung und sozialen Fortschritt. FIFA-Programme wie „Football for Hope“ oder "Football for Health" leisten wichtige Grundlagenarbeit im sozialen Bereich. Die Kampagne "11 gegen Ebola" trug 2014 in Westafrika viel zur Aufklärung der Bevölkerung über die Seuche bei.

Blatter war 1994 die treibende Kraft hinter einer Partnerschaft mit den SOS-Kinderdörfern. Dieses Kinderhilfswerk, das in 132 Ländern aktiv ist und derzeit 449 Dörfer unterhält, profitiert von der finanziellen und materiellen Unterstützung der FIFA. Alles in allem hat die FIFA unter Blatters Präsidentschaft über zwei Milliarden Dollar in Entwicklungsprojekte investiert – und den Maßstab für die Zukunft gesetzt.

Blatter setzt sich auch für Direkthilfe in Flüchtlingslagern ein, indem er Fussballausrüstungen zur Verfügung stellt, und beteiligt sich am Kampf gegen Kinderarbeit. Aus diesem Grund hat die FIFA unter seinem Vorsitz mit der internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO) einen Verhaltenskodex unterzeichnet.

Heute steht der Fussball dank seinem Erfolg im Zentrum zahlreicher wirtschaftlicher Interessen. Hier sieht der Präsident seine Aufgabe darin, den Sport als Spiel mit all seinen menschlichen Seiten zu bewahren. Die verschiedenen Aspekte des Fussballs in Einklang zu bringen, betrachtet er als dauernde Herausforderung und gleichzeitig als sein größtes Ziel.

Fussball für alle, alle für den Fussball
Seit 1998 hat sich die FIFA zu einem höchst profitablen Unternehmen entwickelt. Die finanziellen Reserven des Weltverbands betragen nach Abschluss des Geschäftsjahres 2014 rund 1,5 Milliarden US-Dollar. 70 Prozent des finanziellen Ertrags fließen als Entwicklungs- und Fördergelder über die 209 FIFA-Mitgliedsverbände zurück in den Fussball. Bei der WM-Endrunde in Brasilien 2014 setzte die FIFA auch beim Umweltschutz, bei der sozialen Entwicklung und beim nachhaltigen Veranstaltungsmanagement Maßstäbe. Beispielsweise wurden sämtliche CO2-Emissionen der FIFA und der lokalen Organisatoren kompensiert, 18 Prozent der Tickets gingen an Menschen mit Behinderungen oder an sozial Benachteiligte, und 445 Tonnen Abfall aus den Stadien wurden wiederverwertet.

Als IOC-Mitglied gehört FIFA-Präsident Joseph S. Blatter dem Stiftungsrat der Welt-Anti-Doping-Agentur an und engagiert sich dort gegen Doping.

Glaubwürdigkeit, Transparenz und Fairplay sind seine wichtigsten Botschaften und Ansprüche. Inspiriert von seiner Philosophie "Fussball für alle – alle für den Fussball", entstand 2007 das neue FIFA-Motto "Für das Spiel. Für die Welt".