Ungarn und Bulgarien müssen unter Ausschluss der Öffentlichkeit spielen
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Die FIFA-Disziplinarkommission teilte dem ungarischen Fussballverband (MLSZ) und dem bulgarischen Fussballverband (BFU) heute, 8. Januar 2013, die Strafen mit, die bei der Sitzung am 20. November 2012 verhängt worden waren.

Nach dem Freundschaftsspiel zwischen Ungarn und Israel am 15. August 2012 in Budapest (Ungarn) teilten FARE (Football Against Racism Europe), die Israelitische Kultusgemeinde Wien und das Zentrum Simon Wiesenthal der FIFA mit, dass eine Gruppe Fans antisemitische Sprüche skandiert und andere verunglimpfende Symbole gezeigt habe.

Nach einer eingehenden Untersuchung, in der der MLSZ das Verhalten einer Gruppe ungarischer Fans eingestand und bedauerte, verurteilten die Mitglieder der FIFA-Disziplinarkommission einstimmig die abscheuliche Episode von Rassismus, Antisemitismus und politischer Provokation und Aggression von Anhängern der ungarischen Nationalmannschaft.

Nach vollständiger Würdigung der Umstände des Falles und insbesondere der Schwere der Vorfälle verfügte die Kommission, dass das nächste Heimspiel der A-Nationalmannschaft Ungarns in der Vorrunde der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ (Ungarn gegen Rumänien am 22. März 2013) unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen wird. Die Kommission verhängte gegen den MLSZ zudem eine Geldstrafe von CHF 40 000.

Im Vorrundenspiel der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ zwischen Bulgarien und Dänemark am 12. Oktober 2012
meldeten sowohl der Schiedsrichter als auch der Spielkommissar, dass in der 7. Minute zwei Feuerwerkskörper auf das Spielfeld geworfen wurden und der Däne Patrick Mtiliga von einer Gruppe bulgarischer Fans bei jeder Ballberührung nach dessen Einwechslung in der 54. Minute rassistisch verunglimpft wurde.

In der 73. Minute sprach der Spielkommissar mit dem vierten Offiziellen. Zudem wurden die heimischen Fans vom Sprecher per Lautsprecherdurchsage gewarnt. Auch wenn sich die Lage etwas beruhigte, waren bis zum Schlusspfiff rassistische Verunglimpfungen zu hören.

Nach der Einleitung eines Disziplinarverfahrens am 17. Oktober 2012 analysierte die FIFA-Disziplinarkommission die Berichte der Spieloffiziellen, die Berichte von FARE und die Stellungnahme des BFU.

Die Kommission kam zum Schluss, dass die beleidigenden, verunglimpfenden und diskriminierenden Handlungen einer kleinen Gruppe von bulgarischen Anhängern schändlich sind und einen klaren Verstoß gegen das FIFA-Disziplinarreglement darstellen. Sie verurteilte ebenfalls, dass Gegenstände auf das Spielfeld geworfen wurden, da diese eine wesentliche Gefahr für die persönliche Sicherheit darstellen können.

In ihrer Schlussfolgerung und angesichts der Schwere der Vorfälle verfügte die Kommission, dass das nächste Heimspiel der A-Nationalmannschaft Bulgariens in der Vorrunde der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ (Bulgarien gegen Malta am 22. März 2013) unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen wird.

Die Kommission kam zudem zum Schluss, dass die Mindeststrafe von Art. 58 Abs. 2 des FIFA-Disziplinarreglements angesichts der verschiedenen Vergehen nicht ausreichend ist, und verhängte deshalb eine Geldstrafe von CHF 35 000.

Der MLSZ und der BFU wurden beide gewarnt. Sollte es wieder zu solch rassistischen Vorfällen kommen, sieht sich die FIFA-Disziplinarkommission gezwungen, härtere Sanktionen zu verhängen, wie Forfait-Niederlage, Abzug von Punkten oder Ausschluss aus einem Wettbewerb. Die Verfahrenskosten wurden jeweils dem MLSZ und dem BFU auferlegt.
Die FIFA verurteilt in aller Schärfe jede Form von Rassismus im Fussball. Diskriminierung wird in keiner Weise toleriert und von den zuständigen FIFA-Behörden entschieden geahndet.

Gemäß Art. 67 Abs. 1 des FIFA-Disziplinarreglements haftet der Heimverband für das ordentliche Verhalten der Zuschauer, auch wenn ihn keine Schuld trifft. Art. 58 des FIFA-Disziplinarreglements, der ebenfalls ungeachtet eines schuldhaften Verhaltens gilt, legt die Mindeststrafen fest, die die FIFA bei diskriminierendem Verhalten verhängen kann.

Gemäß Art. 96 Abs. 1 des FIFA-Disziplinarreglements können Beweismittel jeder Art eingereicht werden. Laut Art. 96 Abs. 3 sind beliebige Beweismittel zugelassen.

Disziplinarische Vergehen werden von Amtes wegen verfolgt. Jede Person kann den Rechtsorganen jedoch Vorfälle melden, die ihrer Meinung nach gegen das Regelwerk der FIFA verstoßen (Art. 108 Abs. 1 und 2 des FIFA-Disziplinarreglements).