Technologie-Einsatz im Fussball rückt näher
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Das International Football Association Board (IFAB) hat grünes Licht für die weitere Beurteilung zweier Torlinientechnologie-Systeme gegeben und angedeutet, dass diese Technologie bereits in der kommenden Saison im Fussball eingeführt werden könnte.

Das aus Vertretern der FIFA und der vier britischen Fussballverbände bestehende Gremium trat am heutigen 3. März 2012 zu seiner jährlichen Generalversammlung in Surrey (England) zusammen.

Das unabhängige schweizerische Prüfinstitut EMPA hatte bei der Sitzung die Ergebnisse der ersten Testphase im November und Dezember 2011 präsentiert. Danach haben die Systeme von zwei der acht teilnehmenden Unternehmen, nämlich Hawk-Eye und GoalRef, die vom Board festgelegten Kriterien erfüllt. Das System der Firma HawkEye arbeitet mit Kameras und optischer Erkennung der Spielsituation, während das System der Firma GoalRef ein magnetisches Feld und einen besonderen Ball nutzt, um Tore zu erkennen.

In einer zweiten Testphase von März bis Juli sollen die Genauigkeit und die Belastbarkeit der beiden Systeme beurteilt werden. Bei der Sondersitzung des IFAB in Kiev am 2. Juli, nach dem Endspiel der UEFA EURO 2012, soll dann die endgültige Entscheidung über deren Zulassung fallen.

"Das ist ein wichtiger Fortschritt für uns, doch es ist ebenso wichtig, für eine erfolgreiche Umsetzung zu sorgen", sagte Alex Horne, der Generalsekretär des englischen Fussballverbands FA. "Das System muss absolut genau sein, ansonsten ist es wertlos. Aber wir sind sehr zuversichtlich, dass sich die Technologie als zuverlässig erweist."

"Wir gehen fest davon aus, dass wir den Einsatz dieser Systeme am 2. Juli in Kiev in die Regeln aufnehmen werden, sofern die Unternehmen die Kriterien vollständig erfüllen", fügte er hinzu.

Alle Mitglieder des Gremiums stehen der Einführung der Technologie positiv gegenüber. "Wir stehen bereits seit geraumer Zeit hinter der Torlinientechnologie, sofern sie effektiv arbeitet", sagte Stewart Regan, der Chef des schottischen Fussballverbands. "Die Vorstellung der Ergebnisse durch die EMPA war hervorragend. Wir freuen uns darauf, die weiteren Fortschritte dieser Unternehmen zu beobachten."

Einigkeit beim Thema Kopftücher
Die Sitzung brachte nicht nur gute Nachrichten für die Verfechter des Einsatzes von Technologie im Fussball, sondern auch für diejenigen, die den Zugang von Frauen zum Fussball rund um den Globus vereinfachen möchten. Prinz Ali Bin Al Hussein von Jordanien, Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees, trug ein leidenschaftliches Plädoyer für die Zulassung von Kopftüchern bei weiblichen Spielerinnen vor.

Einstimmig sprach sich das IFAB prinzipiell dafür aus, das Tragen von Kopftüchern zu erlauben, vorbehaltlich einer beschleunigten Untersuchung von Gesundheits- und Sicherheitsbedenken. Eine abschließende Entscheidung über diesen Vorschlag wird ebenfalls bei der Sondersitzung des IFAB im Juli erfolgen.

"Prinz Ali hat einen sehr überzeugenden Vortrag gehalten", so FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke. "Er hat erläutert, wie wichtig dieses Thema in seiner Heimatregion ist. Es war sehr wichtig, dass wir alle hören konnten, was er zu sagen hatte. Die Haltung des IFAB zu diesem Thema war danach einstimmig. Wenn Frauen wegen des Kopftuchs nicht spielen dürfen, dann sind wir bei der FIFA gern bereit, dies zuzulassen, damit sich die Frauen in allen Ländern der Welt dem Fussball zuwenden können", ließ Valcke verlauten.

"Ich bin sehr zufrieden, dass diese Entscheidung einstimmig getroffen wurde", sagte Prinz Ali und fügte hinzu, er sei sehr zuversichtlich, dass dieses Thema im Juli ratifiziert werden könne.

Das IFAB stimmte außerdem einer Neufassung der Regel zu, in der die genaue Position aufrecht stehender Werbetafeln festgelegt wird. Außerdem wurde den Fussballverbänden in aller Welt gestattet, ein sich schnell verflüchtigendes Farbspray zu verwenden, um bei Freistößen den korrekten Abstand der Mauer zum Ball zu markieren. Das IFAB erteilte den vier britischen Fussballverbänden die Genehmigung, ein zweijähriges Experiment zur Änderung der Anzahl der zulässigen Einwechslungen im Amateurfussball durchzuführen.

Das IFAB verabschiedete außerdem eine Neufassung der Regel zur Ausrüstung der Spieler, nach der Tapes nur noch in der Farbe der jeweiligen Stutzen verwendet werden dürfen. Außerdem wurden die Schritte festgelegt, die von den Offiziellen zu ergreifen sind, sollte ein Spieler den Ball bei einem Schiedsrichterball ohne Gegner direkt ins Tor schießen.

Die FIFA stimmte zu, den von ihr eingereichten Änderungsantrag der Regel in Bezug auf eine vierte Einwechslung bei Verlängerungen zurückzuziehen. Der Änderungsantrag zur so genannten "Dreifachbestrafung" wird weiter geprüft.

Das Experiment mit zusätzlichen Schiedsrichterassistenten, das derzeit weltweit in mehreren Wettbewerben durchgeführt wird (unter anderem in der UEFA Champions League), wird fortgesetzt. Bei der Sondersitzung im Juli wird es hierzu einen Abschlussbericht geben, so dass dort auch eine Entscheidung über die Zukunft zusätzlicher Schiedsrichterassistenten erfolgen kann.

Die heute vom IFAB bezüglich der Spielregeln getroffenen Entscheidungen treten – mit Blick auf die UEFA EURO 2012 – am 1. Juni 2012 in Kraft.