Hadzibegic: Mission zwischen Beobachtung und Leidenschaft
© Foto-net

Der bosnische Fussballverband hat schwere Zeiten hinter sich. Inzwischen hat sich die Situation soweit zum Positiven gewendet, dass man nach und nach zu einem normalen Verbandsleben zurückkehren kann. Im Dezember des vergangenen Jahres wurde mit Elvedin Begic ein neuer Verbandspräsident gewählt. Am Dienstag, 22. Januar 2013, weilte Begic zu Besuch bei der FIFA. Unter den Mitgliedern seiner Delegation befand sich mit Faruk Hadzibegic auch ein bekannter Akteur des internationalen Fussballs. Der Ex-Profi von Betis Sevilla und des FC Sochaux sowie ehemalige Nationaltrainer war der letzte Kapitän der jugoslawischen Nationalmannschaft (65 Länderspieleinsätze) und hat heute innerhalb des Fussballverbandes von Bosnien-Herzegowina eine Funktion als Beobachter inne. Gegenüber FIFA.com verriet er mit einem Lächeln, dass er die Hoffnung habe, "niemals intervenieren zu müssen, da dies bedeute, dass im Verband alles in geordneten Bahnen verläuft."

Als profunder Kenner seines Landes hatte der frühere Innenverteidiger, der im Verlauf seiner Karriere für FC Sarajevo (1976-1985), Betis Sevilla (1985-1987), FC Sochaux (1987-1994) und FC Toulouse (1994-1995) aktiv war, bereits vor gut 20 Jahren beim Beitritt Bosnien-Herzegowinas zur FIFA eine prägende Rolle gespielt. "Als Bosnien-Herzegowina die Mitgliedschaft in der FIFA beantragte (Bosnien-Herzegowina wurde 1996 Mitglied der FIFA), war ich in der letzten von Herrn Blatter empfangenen Kommission. Damals vertrat ich unseren Verband als ehemaliger Spieler und somit als 'Autorität unseres Sports'. Wir führten einen Meinungsaustausch darüber, wie es bei uns weitergehen sollte. Damit hatten wir das erste Hindernis erfolgreich gemeistert", so Hadzibegic im Rückblick.

Allerdings wurde die Lage zusehends komplizierter. Jeglicher Fortschritt wurde durch den verheerenden Krieg und durch verbandsinterne Konflikte verhindert. "Wir haben uns aus eigenem Verschulden in eine missliche Lage gebracht, die schließlich dazu führte, dass wir von der FIFA und der UEFA für alle internationalen Wettbewerbe gesperrt wurden. Danach wurde ich in einen Normalisierungsausschuss berufen, in dem ich die Rolle des Botschafters bei der FIFA und der UEFA ausübte. Heute bin ich das zwar nicht mehr, dem Verband und dem Fussball meines Landes bleibe ich aber auch weiterhin sehr verbunden. Und ich bin nach wie vor in beratender Funktion tätig."

Kein Wunder, denn Faruk Hadzibegic glaubt fest an die Möglichkeiten seines Heimatlandes, das er von ganzem Herzen liebt. In diesem Zusammenhang erinnert er daran, dass "Bosnien-Herzegowina im ehemaligen Jugoslawien die meisten Nationalspieler stellte." Im gleichen Atemzug verweist er darauf, dass "die aktuelle Nationalmannschaft sehr gut ist und kaum Defizite offenbart. Unser Problem ist, dass wir nicht genügend Spieler haben und das Kontingent an Ersatzspielern etwas schmal ist. Wir haben es schon mehrmals in die Playoff-Runde geschafft, für die Teilnahme an einem großen Turnier hat es allerdings noch nie gereicht. Uns fehlt einfach die nötige Erfahrung, um mit solchen Situationen professionell umzugehen."

Ein langer Weg
Der Ex-Trainer von AC Arles-Avignon hat sich demnach seinen Realismus bis heute bewahrt. Denn einer wie er weiß sehr wohl, dass der Weg an die Spitze des Weltfussballs für ein Land mit rund 3,8 Millionen Einwohnern, das noch immer unter den Folgen des Krieges leidet, alles andere als ein leichtes Unterfangen ist. "Wir stehen vor einer enormen Herausforderung. Wir stammen alle aus dem früheren Jugoslawien, wo der Fussball perfekt organisiert war. Da wurde alles getan, um dem Fussball zu einer hohen Qualität zu verhelfen. Im Übrigen war diese Qualität auch weltweit anerkannt. Heute müsste Bosnien-Herzegowina schon eine hohe Stufe erklimmen, um das seinerzeit ausgezeichnete Niveau von Ex-Jugoslawien zu erreichen. Wir befinden uns auf einem guten Weg. Trotzdem bleibt noch eine ganze Menge zu tun", räumt Hadzibegic in aller Bescheidenheit ein.

In den Qualifikationsrunden für die beiden jüngsten Auflagen der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ verpasste Bosnien-Herzegowina nur knapp das WM-Ticket und scheiterte erst in den Playoff-Spielen. Und auch in der laufenden WM-Qualifikation gelang der bosnischen Nationalmannschaft in Gruppe G der Europa-Zone ein verheißungsvoller Start. "Auswahltrainer Safet Susic ist in unserem Land eine echte Legende. Er leistet eine hervorragende Arbeit. Sein Team ist auf dem besten Weg, sich für Brasilien 2014 zu qualifizieren. Auch wenn noch einige wichtige Spiele ausstehen, so aussichtsreich wie jetzt waren wir bisher noch nie platziert", freut sich Hadzibegic.

Er selbst bezeichnet sich als einen "Fussballfanatiker" und fügt zur Erläuterung hinzu, dass "ich mich in einer Umkleidekabine oder am Spielfeldrand wie ein Fisch im Wasser fühle." Folglich ist davon auszugehen, dass er früher oder später erneut auf der Trainerbank zu sehen sein wird. "Dieses Gefühl zu beschreiben ist nahezu unmöglich. Man muss es erleben. Das ist in etwa so wie die Liebe zu einer Frau. Warum? Weil sie von allem etwas hat: sie ist schön, intelligent und nett. Kann sein, dass Andere das vielleicht nicht so sehen, ich dagegen schon. Für mich ist der Trainerberuf der beste der Welt. Meine Leidenschaft ist es, eine Mannschaft zu betreuen."

Eine Leidenschaft, von der er ein Jahr lang eine Auszeit nahm, um die Entwicklung seines Enkels Imad in Frankreich, wo seine Familie noch heute wohnt, mit eigenen Augen zu verfolgen. Andererseits kann man Leidenschaft nicht auf Befehl herbeirufen oder ablegen. Vor allem deshalb behielt er seine Rolle innerhalb des bosnischen Fussballverbandes auch während dieser Zeit bei. "Ich habe eine Funktion, die all das beinhaltet, was sich ein leidenschaftlicher Anhänger unseres Sports wünschen kann, nämlich den Fussball und den Nachwuchs zu fördern. Angesichts meiner Vergangenheit im jugoslawischen und später im bosnischen Fussball fühle ich mich geradezu verpflichtet, jeden Schritt in die richtige Richtung des Verbandes zu unterstützen. Und genau das tut er inzwischen auch, denn er folgt dem Weg, den ihm UEFA und FIFA vorgegeben haben."