Tim Kee setzt auf Leidenschaft und Hoffnung
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Der Fussballverband von Trinidad und Tobago (TTFF) hatte in jüngster Vergangenheit mit diversen Schwierigkeiten zu kämpfen. Das Schiff wieder in ruhige Fahrwasser zu steuern und die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft zu stellen, das ist das Ziel des neuen Verbandspräsidenten Raymond Tim Kee. Der Geschäftsmann aus der Versicherungsbranche, langjähriger Förderer des Fussballs in seiner Heimat und seit November vergangenen Jahres im Amt, war am Dienstag, 15. Januar 2013, zu Gast im Home of FIFA und traf sich dort mit FIFA-Präsident Joseph S. Blatter.

"Unser Verband steht vor einigen Herausforderungen. Ich bin sehr froh, dass ich den FIFA-Präsidenten treffen und ihn über diese Herausforderungen unterrichten konnte. Ich hoffe, dass wir mit seiner Unterstützung die Probleme in den Griff bekommen", so Tim Kee anschließend im Gespräch mit FIFA.com.

"Die TTFF muss erneuert werden. Wir sind mitten in einem Prozess, die internen Strukturen zu reorganisieren. Der Fussball muss wieder in die Gemeinschaft, wo er hingehört. Die Leidenschaft für den Fussball in Trinidad und Tobago ist groß. Er ist immer noch die beliebteste Sportart unseres Landes und zieht einfach alle in seinen Bann, egal ob jung oder alt. Diese Leidenschaft wird besonders deutlich, wenn wir an einem Wettbewerb teilnehmen. Die Probleme, die wir unlängst hatten, haben jedoch dazu geführt, dass sie ein wenig abgeflaut ist. Das ist ein unschönes Gefühl. Daher ist es eines meiner Ziele, diese Leidenschaft wieder zu wecken."

Förderung der Nachwuchsarbeit im Fokus
Der größte Erfolg des rund 1,3 Millionen Einwohner zählenden karibischen Inselstaates liegt mittlerweile sieben Jahre zurück. Damals konnte sich die Nationalmannschaft zum ersten und bislang letzten Mal für die Endrunde der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ qualifizieren. Die Soca Warriors schieden in Deutschland 2006 zwar nach der Gruppenphase aus, übertrafen jedoch viele Erwartungen. Auf die erneute Teilnahme an einer FIFA WM muss Trinidad und Tobago allerdings noch etwas warten, in der laufenden Qualifikation für Brasilien 2014 schied man bereits früh aus. "Unstimmigkeiten und organisatorische Schwierigkeiten haben zu Unsicherheit geführt und negativen Einfluss auf die Spieler gehabt", erklärt Tim Kee das enttäuschende Abschneiden.

Um möglichst schnell wieder in die Erfolgsspur zu finden, soll vor allem die Nachwuchsarbeit gefördert werden, so dass schon bald die ersten Talente in die Fußstapfen von aktuellen und ehemaligen Stars wie Kenwyne Jones und Dwight Yorke treten könnten. "Diese Spieler werden als Inspiration und Vorbilder für junge Talente gesehen", betont Tim Kee. "Sie kommen aus bescheidenen Verhältnissen und haben sich komplett der Sportart, die sie lieben, verschrieben. Sie sind für ihren Einsatz und ihre Hingabe mit einer erfolgreichen Karriere belohnt worden. Diese Beispiele machen Nachwuchsspielern Hoffnung, denn sie denken: 'Das kann ich auch schaffen.'"

Organisation und Struktur
Diese Hoffnung spielt auch eine große Rolle in den ambitionierten Plänen von Trinidad und Tobagos Verbandspräsident: "Genau darum geht es! Wenn man gut organisierte und bewährte Strategien und Systeme für die Förderung seiner Entwicklung einsetzt, dann erhält man mit großer Wahrscheinlichkeit auch die entsprechenden Resultate. Spieler wie Jones und Yorke sind auch hierfür perfekte Beispiele, sie haben beide von klein auf alle Stationen in einem strukturieren System durchlaufen, bis sie schließlich Nationalspieler waren."

Eine fundamentale Rolle in der Entwicklung des Fussballs in dem karibischen Inselstaat kommt den Hilfsprojekten der FIFA zu. So wurden beispielsweise in den letzten Jahren im Rahmen des Goal-Projektes ein Kunstrasenplatz und eine Futsal-Halle in der Hauptstadt Port of Spain errichtet, sehr zur Freude von Raymond Tim Kee: "Das ist eine tolle Sache. Ich sehe diese Projekte eher als Prozesse, denn Projekt klingt ein wenig kurzfristig und zeitlich begrenzt. Wir denken langfristig. FIFA-Präsident Blatter hat in der Vergangenheit betont, wie wichtig es ist, alle Bereiche des Fussballs zu fördern. So haben wir Futsal nach Trinidad und Tobago gebracht, die Karibikmeisterschaft gewonnen und sind in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft erst an Mexiko gescheitert. Auf meine Initiative hin haben wir zudem die Hilfe von Futsal-Trainerinstruktoren von der FIFA in Anspruch genommen, um unsere Trainer auszubilden. Sie haben sehr gute Arbeit geleistet."

Mit Mut und Entschlossenheit

Die Entwicklungsarbeit wird auf allen Ebenen vorangetrieben, wie Tim Kee verrät: "Die FIFA hat uns auch im Bereich Schiedsrichterwesen unterstützt. Wir haben überdies eine spezielle Beach-Soccer-Anlage, die sich ebenfalls großer Beliebtheit erfreut. Unsere Frauennationalmannschaft spielt sehr erfolgreich, ist mit großem Eifer bei der Sache und wird von uns kontinuierlich unterstützt. Wir haben unlängst unser Komitee für Frauenfussball restrukturiert, um noch erfolgreicher zu werden."

Es mag zwar noch ein weiter Weg zum Erfolg sein, doch erste Fortschritte lassen sich bereits deutlich erkennen. So konnte sich Trinidad und Tobago in der Dezember-Ausgabe der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste um elf Ränge auf Platz 68 verbessern. Und auch an diesem Aufschwung hat der neue Verbandspräsident seinen Anteil: "Ich hatte gute Gespräche mit unseren Nationalspielern und dem Trainerstab", meint Tim Kee. "Ich habe ihnen vermittelt, dass sie in der Verantwortung stehen. Es geht dabei nicht nur um Ergebnisse, sondern sie spielen auch für ihr Land und müssen dafür sorgen, dass unser Fussball wieder zu Achtbarkeit und Angesehenheit geführt wird. Das ermutigt zudem die Bevölkerung unseres Landes und bringt den Menschen Freude und Glück."

Mit diesem Mut und einer gehörigen Portion Entschlossenheit geht Tim Kee seine größte Herausforderung an: "Wir müssen Sport und Politik trennen. Wir wollen unseren Verband neu organisieren und uns auf den sportlichen Erfolg konzentrieren."